Ex-Eishockey-Star Ehrhoff — das Leben nach der Karriere

Ex-Eishockey-Star Ehrhoff — das Leben nach der Karriere

Der einstige Eishockey-Star betreibt mit drei Partnern ein Gesundheits- und Athletikstudio. Nachmittags ist er Taxifahrer für die Töchter.

Um zu ergründen, wie das Leben eines deutschen Eishockey-Stars rund sechs Monate nach dem Ende der Karriere aussehen mag, muss man nach Moers fahren. Das ist nicht die große weite Welt, wie man es erahnen kann. Aber darin bewegt sich Christian Ehrhoff seit April abseits der Eisflächen dieses Planeten nun auch nicht mehr. Moers ist seine Heimatstadt, mit seiner Familie wohnt er in Krefeld. Und die rund 22 Kilometer auf die Bismarckstraße geben nun gar keine Anmutung über das einstige Leben dieses deutschen Eishockey-Idols, der 13 Jahre in der weltbesten Liga spielte. Sein Konterfei an der Bismarckstraße gibt indes einen ersten Hinweis auf das, was der Meister-Pinguin von 2003 nun unternimmt.

Foto: abi

Ja, Christian Ehrhoff ist jetzt Unternehmer. Er ist quasi seine eigene Marke. CE10. Seine Trikotnummer. Seine Initialen. Und der Name der GmbH. Und der Leitsatz neben seinem Konterfei an der Bismarckstraße in Moers hat viel mit seinem Leben zu tun: „Wir können die Zukunft selbst gestalten“.

Seine plant er nun mit Wegbegleitern seiner Karriere, mit dem „Wir“ spricht er Kunden an. Christian Ehrhoff ist der Kopf und das Zugpferd eines Gesundheits- und Athletikzentrums. Drei Gesellschafter hat die CE10. Neben Ehrhoff Norbert Steudtner, Prokurist beim Autohaus Borgmann in Krefeld, und Markus Schweppenheim. Der ist Arzt, Sportmediziner, lange bekannt mit Ehrhoff. Steudtner ist fürs Kaufmännische zuständig, seit zwei Jahrzehnten mit Ehrhoff befreundet.

Zusammengeführt hat sie die Insolvenz des Vorbesitzers Holger Schwellnuss. Der ist medizinischer Leiter im neuen Team. Ehrhoff sagt: „Ohne den Crash wäre ich sicher nicht hier. Wir haben uns dann zusammengesetzt und das Konzept entwickelt.“ Mitte Oktober soll alles fertig sein, am 13./14. wird die Neueröffnung offiziell gefeiert. Ehrhoff war als Jugendlicher schon im Center, sagt: „Ich kenne das alles hier, habe es selbst genutzt. Und jetzt etwas zurückgeben zu können ist doch schön. Wir wollten die Arbeitsplätze hier erhalten.“

Rund 20 sind es. Das wäre aber auch die einzige Konstante zum bisherigen Betrieb. Tennis-Courts gab es. So hatte vor 40 Jahren alles angefangen. Später kamen Squash-Courts und in den 90er Jahren Badmintonfelder hinzu. Jetzt wird alles anders, alles modernisiert, gerade werden Duschen und Umkleiden der Damen renoviert. Ehrhoff sagt: „Danach sind die der Männer dran.“

Das neue Konzept basiert auf drei Säulen — Gesundheits- und Athletiktraining. Obendrauf kommt die CE10-Akademie. Zum Gesundheitstraining gehören Physiotherapie, gesundheitliches Training, Muskelaufbau, Krafttraining. Athletiktraining ist für ambitionierte Aktive oder Profisportler. In der Akademie sollen die Mitglieder so ausgebildet werden, dass sie ihr eigener Trainer werden. Geschäftsführer Kai Erlenhardt sagt: Die Marke CE10 steht, ist gebaut. Der Erfolg wird auch davon abhängen, dass die Kommunikation zu unseren Kunden gelingt und greift.“

Ehrhoff jedenfalls scheint es im neuen Leben nicht langweilig zu werden — selbst wenn ihn Insignien seines alten immer noch begleiten. Ehe er etwas zur Zukunft sagt, fragt er: „Habt Ihr die schon gesehen?“ Und holt eine Medaille aus einer üppigen Schatulle. Jeder weiß es. Es ist das Silber aus Pyeongchang. Der größte Erfolg der deutschen Eishockeygeschichte, bei der er wesentlicher Treiber war. Sie ist groß. Und ja, liegt sie in der Hand, überraschend schwer. Man kann das als Hinweis auf die Bedeutung dieses Erfolges verstehen. Für Ehrhoff jedenfalls ist es wohl so.

Ins Tagesgeschäft des gerade wachsenden Zentrums eingebunden sei er gelegentlich. Morgens seien oft Meetings. „Der Mittag aber ist zu“, sagt Ehrhoff lächelnd. Wie selbstverständlich hat sich offenbar eingebürgert, was in der Karriere nicht möglich war. Ehrhoff: „Nachmittags bin ich der Taxifahrer für die Mädels.“ Drei hat er: Leni, Milla und Olivia. Und egal wo es hingeht — Papa Christian fährt. Etwas mehr Golf habe er zuletzt auch gespielt.

Und was steht noch an, bald? Ehrhoff: „Meine Frau würde sich freuen, wenn ich den Keller mal aufräumen würde mit den ganzen Sachen aus Amerika noch.“ Dafür ist aktuell aber keine Zeit.

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