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Energie aus Atomruinen

Energie aus Atomruinen

Gerhard Fabritz hat in seiner Denkfabrik im Bockumer Gewerbegebiet an der Elbestraße etwas Neues ausgetüftelt.

Krefeld. Eines ist bombensicher: Die stillgelegten Kernkraftwerke (in Deutschland derzeit 16, neun sind noch in Betrieb) bleiben heiße Eisen. Sie können über Jahrzehnte hinweg nicht abgerissen werden, weil niemand weiß, wohin mit dem strahlenden Müll. Bei einem Rückbau der Meiler würden allein mehrere hunderttausend Tonnen nur schwach radioaktiv verseuchter Materialien anfallen.

Foto: Bischof, Andreas (abi)

Eine nutzbringende Idee für diese Atomruinen hat der Krefelder Professor h. c. Gerhard Fabritz (76) in seiner Synergie Consulting Forschungs- und Entwicklungs-GmbH an der Elbestraße ausgetüftelt: Er möchte die stillgelegten AKWs zur Erzeugung alternativer Energie nutzen, mit der gleichzeitig das heiße Innere der Reaktorblöcke gekühlt wird.

Und die Stromerzeugung würde nach den Plänen des Inhabers von rund 300 Patentrechten, Gebrauchs- und Geschmacksmustern so gehen: Die Außenflächen der oftmals 100 Meter hohen Kühltürme werden mit Solarpaneelen beplankt, obenauf mit einem Windrad versehen. „Die nötige Thermik produziert die Anlage selbst“, sagt Gerhard Fabritz, der dazu erst vor wenigen Tagen ein Seminar vor Architekten und Ingenieuren im bayerischen Günzburg veranstaltet hat.

Auch geothermische Anlagen bieten sich auf den Flächen um die AKWs an. Der so gewonnene Strom wird in das vorhandene Netz eingespeist. Für weitere Energieerzeugung denkt Fabritz an den Anschluss der Generatoren an neue Antriebssysteme.

Die Freiflächen im Reaktorgebäude könnten, so die Idee des Erfinders, als Zwischenlager für radioaktives Material, gelagert in Castoren, genutzt werden. Fabritz macht sich auch Gedanken für die Zeit, wenn die alten Atomkraftwerke tatsächlich abgerissen werden: „Die Belastung der dicht besiedelten Gebiete mit radioaktiven Staubpartikeln wird sehr groß sein. Es ist davon auszugehen, dass das Krebsrisiko bei der Bevölkerung stark steigen wird.“

Gerhard Fabritz, Ehren-Professor an der Universität von Astana (Kasachstan), ist nicht nur Inventor und Innovationsberater, er ist auch seit über 40 Jahren erfolgreicher Unternehmer. Die Firma Gefa an der Elbestraße, die biologischen Pflanzenschutz, biologisch behandeltes Saatgut und Technik für Baum und Strauch entwickelt und vertreibt, wird inzwischen von den Kindern weitergeführt.

Der „Alte“ kümmert sich nun um seine Denkfabrik und die von ihm 2005 ins Leben gerufene Umweltstiftung. Mitgründer waren die Professoren Thomas Bock (Universität Tokio) und Alexej Bulgakov (Uni Astana). Motto der Stiftung: „Die Natur und die Zukunft brauchen eine Lobby“.

Aber da hakt’s. Seit Jahren schickt Fabritz Ideen und Anregungen an Politiker und Konzerne. Meist gibt es eine Antwort, von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel kürzlich eigenhändig unterschrieben. Andere lassen unterschreiben oder antworten gar nicht. Hannelore Kraft, die NRW-Ministerpräsidentin, sieht der Krefelder „in einer Zwickmühle“ zwischen Energielobby und Umweltschutz. „Das“, so Fabritz, „führt bisweilen zum Erstarren.“