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Thomas Reis in der Kufa: Ohne versöhnliche Töne

Thomas Reis in der Kufa: Ohne versöhnliche Töne

Der Kabarettist philosophiert wortgewaltig über menschliche Beziehungen. Lacher bleiben dabei oft auf der Strecke.

Krefeld. Der Mann hat vieles, was einen guten Kabarettisten ausmacht. Er hat Tiefgang, ist wortgewaltig, schwankt zwischen bissig und boshaft, ist rhetorisch voll auf der Höhe. Nach gut zwei Stunden in der Kulturfabrik sind die Zuhörer geschafft von der Rasanz seines Vortrags und den Gedankenspielen, denen zu folgen nicht immer leicht fällt.

Der Grund: Thomas Reis parliert fast ohne Pause, fordert mit seiner geistreichen Reise durch Politik, Literatur, Philosophie und Gesellschaft höchste Aufmerksamkeit. Dialektisch großartig und argumentativ stark lässt er seinem Publikum allerdings wenig Zeit, um die anspruchsvolle Kost verdauen zu können. Entsprechend bleiben oft die Lacher auf der Strecke, auch, weil er seine bitterbösen Geschichten nicht in jenen versöhnlichen Humor verpackt, den die Zuhörer in seinem Genre so sehr lieben.

Unterhaltsam aber ist Reis allemal. „Meine Lust ist jung, meine Wut auch, und ohne Erregung sterben wir aus“, befindet er. Sein Programm „Und sie erregt mich doch“ beschreibt die Erde und die Beziehungen ihrer Bewohner sprich Parasiten. Was läuft da zwischen Angela (Merkel) und Sigmar (Gabriel). Eine Vernunftehe in der GroKo („großer Kokolores“), was eigentlich ein Widerspruch in sich sei, etwa wie Urlaub mit Kindern? Die Ehe sei wie russisches Roulette, aber mit vollem Magazin. Liebe definiert Reis als Autismus, Liebeskummer als Krankheit.

Beißend ist seine Gesellschaftskritik. Es gebe immer weniger Kinder, aber dafür nur hochbegabte. Zum Unterschied der Geschlechter: „Männer überlegen — Frauen sind es.“ Gewalt ließe sich verhindern, wenn man die Frauen reden lasse, weil die Männer dann nicht mehr zu Wort kommen: „Wenn

Krieg auf Arte übertragen und von Roger Willemsen moderiert wird, gibt es keinen mehr.“

Wortgewaltig und tabulos ist Reis in seinen parodistischen Auftritten. In der Rolle des verstorbenen Literaturpapstes Reich-Ranicki nennt er Dieter Bohlen den Mozart unter den Furzkissen und die Stradivari unter den Arschgeigen. Treffer — und mal wieder versenkt.