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Der unbekannte Stellplatz für Reisemobile in Krefeld

Parkfläche wurde 2013 eröffnet : Der unbekannte Stellplatz für Reisemobile

400 Meter von Burg Linn entfernt gibt es in Krefeld einen Stellplatz für Reisemobile, der kaum genutzt wird.

Ihre Türme kann man schon von weitem erkennen. Burg Linn ist ein Blickfang. Sie ragt aus dem Parkgrün heraus, ihre Ausstrahlung spürt man bis weit über die Stadtgrenzen. Feste innerhalb und außerhalb ihrer alten Mauern locken Gäste aus der ganzen Region nach Krefeld. Ein Ausflugsziel, auch für Tagestouristen, die durch die Lande reisen.

Der nur 400 Meter Luftlinie entfernte Reisemobil-Stellplatz an der Paul-Hübner-Straße kann dafür ein Anlaufpunkt sein. Allseits bekannt ist er nicht. Er fällt einem nicht ins Auge, wenn man die Rheinbabenstraße entlangfährt. Eher unscheinbar liegt er da unter Bäumen. Viel unterscheidet ihn nicht von einem gewöhnlichen Parkplatz für Pkw. Nur ein blau-weißes Schild stellt die Verschiedenheit heraus: Ein Wohnmobil-Piktogramm, darunter der Hinweis: „Parkdauer maximal 48 Stunden.“ Am anderen Ende der Stellfläche eine Touristeninformation. Man liest über Krefelder Sehenswürdigkeiten, die Radwege und sieht einen Plan der Ortschaft Linn. Ansonsten viel Strauch, viel Busch. Man muss schon den Zeitpunkt erwischen, wenn dort ein Reisender Halt macht. Alltäglich ist das nicht. Wie oft der Platz genutzt wird, darüber führt das Stadtmarketing keine Statistik. In Corona-Zeiten, so ist von Anwohnern zu hören, sei die Zahl der Besucher aber deutlich zurückgegangen.

Stadt bewirbt den Platz
nicht als touristisches Ziel

Von hier aus sollen die Ausflügler ihre Erkundung starten, ihr Fahrzeug auf dem Parkplatz stehen lassen und auf die nahegelegenen Verkehrsmittel umsteigen, wie Claire Neidhardt, Leiterin des Krefelder Stadtmarketings, erklärt. Die Fläche diene nur zur reinen Übernachtung oder als Ausgangspunkt für die Weiterfahrt, um schöne Orte in Krefeld zu besuchen, mehr nicht. Beworben würde der Platz durch die Stadt ohnehin nicht. „Der Stellplatz ist für sich genommen touristisch nicht attraktiv“, sagt Neidhardt. Infrastruktur wie Toiletten oder fließendes Wasser gibt es nicht. Die Fläche hat einzig die Funktion eines Umsteigeplatzes. Der Linner Bahnhof und die Straßenbahn-Haltestelle liegen gleich nebenan.

Doch ist die Ruhe trügerisch, glaubt man dem einen oder anderen Anwohner. Lärm, Verschmutzung, die Grünanlagen als Toilette für die Camper – das alles hört man in der Nachbarschaft. „Von mir aus kann er weg“, sagt Monika Feltges, die von ihrem Balkon aus auf das kleine Areal blicken kann: „Man sollte da lieber eine schöne Grünfläche anlegen.“ Das Ordnungsamt? „Das kommt ja gar nicht vorbei.“ Traudl Reifenberger, die wenige hundert Meter entfernt am Bruchfeld lebt, aber den Stellplatz kennt, meint: „Der Platz kann bleiben, aber der Ordnungsdienst soll besser kontrollieren. Hier soll nicht Ramba-Zamba stattfinden und die Nachtruhe gestört werden. Die Stadt könnte doch einfach eine Standgebühr einführen.“ Ein älterer Herr, ein Anwohner, will nicht mehr seinen Namen in der Zeitung lesen. Aus der Linner Bürgerschaft habe er schon viel Gegenwind bekommen. Seit Jahren redet er schon laut gegen den Reisemobilstellplatz an.

Anwohner ärgert sich seit längerer Zeit über Camper

Er hat Zeitungsartikel gesammelt, offizielle Schreiben, er hat Fotos gemacht von Wohnmobilen und Besuchern, alles fein säuberlich in einem Aktenordner abgeheftet. Die wilden Camper würden ihre Notdurft in den Büschen rund um den Spielplatz gegenüber verrichten. Er hätte dabei schon welche erwischt, erzählt er.

Zu wenige Kontrollen, zu viel Verschmutzung? Claire Neidhardt vom Stadtmarketing will das so nicht stehenlassen: „Der Kommunale Ordnungsdienst geht dort regelmäßig vorbei. Es werden uns keine Probleme gemeldet. Das ist für uns keine Problemstelle.“ Wenn der Surfpark am Elfrather See in Zukunft einmal Realität wird, könnte dort auch ein richtiger Stellplatz entstehen mit dazu gehöriger Infrastruktur, so Neidhardt. Eine Art Campingplatz, ein Ort des Verweilens, nicht nur des Abstellens und Umsteigens – das wäre auch im Interesse der Stadt.