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Krefeld: Der Wolf jagt menschliches Frischfleisch

Fantasy-Lesung : Der Wolf jagt menschliches Frischfleisch

Schriftsteller Tom Daut setzt in der Fantasie-Reihe auf Burg Linn neue Maßstäbe.

Zum Schluss sind die Besucher atemlos, geschockt, stumm aber auch beeindruckt. Sie brauchen einige Minuten, um das Gehörte zu verarbeiten. In der Fantasy-Literaturreihe „Verwunschene Nacht...“ stellt Autor Tom Daut im oberen Rittersaal der Burg Linn eine schaurige Kurzgeschichte über „Wolfgang“ vor, einen Killer, der in seiner Heimatstadt Jagd auf menschliches Frischfleisch macht, es erlegt und isst. Für Kinder unter 16 Jahren ist dieser Text nicht geeignet.

„Währen Kinder im Raum gewesen, hätte ich sie vorher gebeten, zu gehen“, sagt Daut. Er erklärt aber auch, dass nicht alle seine Geschichten so brutal seien. „Wolfgang“, auch „Wolf“ genannt, ist an das Märchen „Rotkäppchen und der Wolf“ angelehnt. Sie erinnert aber auch an den seltsamen Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde mit der berühmten Ausformung des Doppelgänger-Motivs, dem Guten und Schlechten in einer Person.

„Ich wollte die Brutalität der Märchen darstellen, den schrecklichen Kindesmissbrauch und den in eine positive und in eine negative Seite gespaltenen Mann mit seiner Persönlichkeitsstörung.“

Es ist keine einfache Lesung, die Daut bietet. In dieser Fantasiereihe setzt er neue Maßstäbe. Er inszeniert eher ein Ein-Personen-Stück, indem er die Personen zum Leben erweckt. Der Schriftsteller verwandelt sich in Wolfgang, indem er die schulterlangen Haare einmal ordentlich und glatt im Zopf zusammenbindet oder wild im Gesicht hängen lässt, je nachdem ob er den Wolfgang oder den Wolf spielt. Dann ändert sich auch seine Stimmlage.

Wäre es an diesem Abend weniger sommerlich hell gewesen, hätte er noch eine Lampe genutzt, die ihn – je nach Rolle – mit rotem oder weißen Licht beschienen hätte. Die kurze musikalische Untermalung mit Stücken von Kai Hartung verstärkt zwischendurch die Dramatik.

Action bei der Hörbuch-Live-Lesung auf Burg Linn

„Ich wollte die üblichen Lesungen, bei denen lediglich der Text vorgetragen wird, entstauben, sie wären mir zu wenig“, sagt er zu seiner Handlungsweise. Das gelingt ihm außerordentlich. Der Autor bezeichnet den Vortrag als „Hörbuch-Live-Lesung.“ Schon vorher hatte Museumsleiterin Jennifer Morscheiser „Action“ versprochen. Sie wurde gehalten.

In „Wolfgang“ geht es um einen Polizisten, der die Stadt und vor allem seine 15-jährige Tochter Laura vor einem Serienmörder schützen will. Zuerst werden die üblichen Generationskonflikte des Teenagers mit dem Vater in Sachen Erziehung und Alkohol aufgezeichnet. Beim Besuch der Mutter, beziehungsweise Großmutter, bekommt die düstere Geschichte ihre Dynamik.

Der „Wolf“ tötet die Großmutter und will nun auch die Tochter des Jägers „reißen“, denn sie ist „langsam reif“, das T-Shirt „spannt sich ansehnlich“. Speichel tropft aus den Lefzen des Tieres. Es braucht Fleisch, frisch vom Knochen gebissen. Die Zuschauer hören einen Herzschlag. Dann ist Schluss.