Das Kunsthaus am Stephanplatz in Krefeld

Kultur : Das Kunsthaus am Stephanplatz

Finnisage: Die Künstler-WG im Herzen der Stadt öffnet noch am Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

Vier Etagen voller Kunstwerke: Die drei Künstler vom Stephanplatz 8 stellen bereits zum neunten Mal ihre Werke und die von anderen Künstler aus. Auf vier Etagen erwarten den Besucher Fotografien, Gemälde und Schmuck.

Das Ehepaar Barbara Kuhfuss und Peter Hassenpflug wohnt in dem Privathaus zusammen mit Pia Schrepfer. Die drei Künstler kannten sich bereits aus Düsseldorf, bevor sie in Krefeld eine Wohngemeinschaft gründeten. Seitdem wurde die eigene Kunstgalerie zu einem Pflichtprogramm, „denn die Kunst ist ein Bedürfnis und nicht einfach nur eine Laune“, sagt Schrepfer. Ein Gästebuch der etwas anderen Art stellt dar, wie offen das Haus ist. Eine Spirale aus Steinen, Muscheln und ähnlichen Stücken, jede mit Unterschrift daneben, füllt den Großteil einer der Küchenwände.

Kunst mit Metallen,
Fundsteinen und Fotografien

Ring an Ring und Kette an Kette: Von Peter Hassenpflug lassen sich Schmuckstücke bewundern. Elemente wie Silber und Gold zählen zu den traditionellen Metallen, mit denen gearbeitet wird. Hassenpflug nutzt jedoch „lieber traditionsfremde Metalle, wie Tantal, Hafnium oder Circonium“. Alles bei ihm sind Einzelstücke. Ein besonders auffälliges Stück ist ein goldfarbener Ring, mit einem gordischen Knoten.

Kuhfuss nutzt für ihre Bilder Fundsteine vom Rhein. Jedes ist anders. Es gibt beispielsweise eine kleine Leiter, zwischen deren Sprossen jeweils ein rundlicher Stein gesetzt ist. Ihre Werke sind oft in langgezogenen Formaten gefertigt.

Pia Schrepfer hat sich die Fotografie zur Leidenschaft gemacht. Ihre Kunst steht unter dem Titel „Fotokaleidoskope“. Die diesjährige Ausstellung soll eine Geschichte erzählen, die von „Savitri“, einer Königstochter in einem indischen Epos, die ihren Geliebten zurück ins Leben bringt. Durch die Bilder sollen Themen wie Absicht, Leben und Tod dargestellt werden. Die Bilder, analog aufgenommen und unbearbeitet, stammen aus der Natur. Es sind kleine Detailaufnahmen, die sie spiegelt und erst als Foto und dann als Tapete aneinanderreiht. „Das analoge ist viel näher an uns. Ich möchte die Menschen wieder zum Ursprung führen, deshalb auch die Natur als Motiv“, so die Künstlerin. „Wer könnten wir sein, wenn wir uns als Menschen höher entwickeln würden?“ Diese Frage versucht Schrepfer aufzuwerfen. Ihre Kunst ist eine Kunst, über die geredet werden muss, um sie vollständig zu begreifen.

Einer der Gastkünstler dieses Jahr, ist Klaus Sievers. Er arbeitet vor allem mit querformatigen Bildern. Ein sehr ausdrucksstarkes Gemälde  ist eine Abbildung von Van Goghs abgeschnittenem Ohr. Bei all seinen Bildern arbeitet er mit sehr dunklen Hintergründen. Und auch wenn sie auf den ersten Blick schwarz wirken, so finden sich dort viele Farbschattierungen und Spiegelungen.

Auch sehr alltägliche und sonst langweilige Objekte setzt er gekonnt in Szene, wie beispielsweise ein Bonbon. Die rote Farbe schimmert einem entgegen und spiegelt sich am Boden, als läge das Bonbon auf einer Wasseroberfläche. „Er enthebt die Dinge ihrer Banalität“, schwärmt Hassenpflug. Bei vielen seiner Werke scheint jedoch die Zahl „Vier“ eine besondere Rolle zu spielen. Ob bei dem Bild „Studentenfutter“, einer Abbildung von vier Äpfeln, oder dem „gefallen König“ eines Schachspiels – immer sind vier Objekte dargestellt.

Gunter Zimmermann, der andere Gastkünstler, arbeitet wie Schrepfer mit Fotografien. Er fotografiert Wasseroberflächen und lässt diese auf die Besucher wirken. „Die Farbverläufe sind voller Leben“, meint Schrepfer. Die Ausstellung, mit den unterschiedlichen Kunstformen, „soll zur Inspiration dienen“. Zumindest Schrepfer lebt nun auch ein Jahr lang inmitten ihrer Tapetengeschichte. Bis zur nächsten Ausstellung.

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