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Studenten als Zwischenmieter der Stadt?

Studenten als Zwischenmieter der Stadt?

In Wersten oder Flingern sind viele städtische Wohnungen nicht belegt. Studenten haben dagegen Bedarf an preiswertem Wohnraum.

Düsseldorf. Rasant steigende Mieten, deutlicher Mangel an bezahlbaren Wohnungen — die Probleme in Düsseldorf sind bekannt und drängend, gerade hat der Rat ein Programm für mehr günstigen Wohnraum auf den Weg gebracht. Da verwundert es, dass die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWD) in großer Zahl Wohnungen leer stehen lässt. Wo es doch ihre Aufgabe ist, weniger wohlhabende Menschen zu bedienen.

Weit über 200 Wohnungen sind das in Düsseldorf, allein 58 in der Anlage Hellweg/Bruchstraße, die zum Teil seit Jahren nicht bewohnt sind (siehe Interview). Politiker von SPD und Grünen haben deshalb die SWD gedrängt, etwas gegen den Leerstand zu unternehmen.

Am auffälligsten ist dieser am nordöstlichen Ende der Bruchstraße. „Das soll abgerissen werden“, sagt ein 74-jähriger Rentner, der ein paar Meter weiter am Hellweg wohnt. Das erzähle man sich hier. Manche mutmaßen, dass die Stadt das Grundstück verkaufen wolle, weil durch das um die Ecke entstehende Viertel Grafental auch die berüchtigte Ecke um den Hellweg aufgewertet würde.

Zurzeit ist davon aber nicht viel zu spüren. „Das ist eine schlechte Gegend hier“, sagt eine Bewohnerin der Bruchstraße. Viele Leute würden mit Alkohol auf der Straße herumlungern. Unzufrieden ist auch eine ältere Dame, die seit ihrer Kindheit auf dem Hellweg wohnt: Sie zahlt 500 Euro warm für 48 Quadratmeter und wartet seit Jahren auf eine Modernisierung. Andere Mieter sind mit dem Standard zufrieden: Wannenbad, Dielenboden, Kunststofffenster.

Ein weiteres Viertel mit Leerstand ist Wersten Südost, eigentlich Modellprojekt für eine Wohnumfeldverbesserung. SPD-OB-Kandidat Thomas Geisel hat das in der Langenfelder Straße beobachtet: „Einen solchen Leerstand kann sich Düsseldorf nicht leisen. Da sollte umgehend gehandelt werden. Vorstellbar ist, dort neu zu bauen, um das Umfeld aufzuwerten. Möglichst mit Gastronomie und Läden. Oft stürzen ja die Quartiere ab, wo nichts mehr los ist. In der Zwischenzeit könnte beispielsweise studentisches Wohnen ermöglicht werden, mit für ein oder zwei Semester befristeten Mietverträgen.“

Der Asta der Heine-Uni unterstützt solche Überlegungen. „Der Bedarf nach Wohnungen ist auf jeden Fall da, die Preise in der Stadt können sich viele nicht leisten“, sagt der Vorsitzende Ryuta Honda. Über das Interesse an SWD-Wohnungen könne er nur mutmaßen. Wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis in Ordnung sei und die Entfernung zur Universität nicht zu groß, komme das aber bestimmt für Studenten infrage.