So war das New Fall Festival in Düsseldorf für weibliche Acts und Newcomer

New Fall Festival : Frauen und Newcomer haben es schwerer beim Düsseldorfer New Fall Festival

Die Top-Acts waren natürlich ausverkauft. Doch mancher Auftritt beim New Fall Festival fand an Orten mit erschreckend kleinem Publikum statt.

Samstagnachmittag. New Fall Festival. Volles Haus in der Tonhalle. Auf der Bühne Alligatoah und Orchester. Die Stimmung ist top. 2015 war der Deutsch-Rapper zum ersten Mal Gast beim „New Pop Festival“ und schwer begeistert von der besonderen Stimmung. So nachzulesen in seinen Facebook Posts. Nun war er mit dem Gregor Schwellenbach Sextett auf der Bühne und überzeugte als wortgewandter Sänger mit dieser ungewöhnlichen Kooperation nicht nur seine Fans, sondern auch diejenigen, die das Glück hatten noch eins der begehrten Tickets für die Show ergattert zu haben.

Nur ein paar Hundert Meter weiter, in der Rheinterrasse, hätten sich die Bands und Sängerinnen und Sänger auch so viel Aufmerksamkeit für ihre Musik gewünscht. Lag es nun an der Location, die eher unüblich für Konzertveranstaltungen ist oder an der Herbstkirmes unterhalb der Oberkasseler Brücke? Bis 21 Uhr hatte es gerade einmal 200 Besucher in die Rheinterrasse gezogen, um wenigstens einige der neun Acts der „Pop-NRW-Show“ zu sehen.

Die Macher dieser Reihe, die fester Bestandteil des „New Fall Festivals“ ist, haben es sich auf die Fahne geschrieben, Ausschau nach interessanten Acts aus Nordrhein-Westfalen zu halten. Sie besuchen regelmäßig andere Festivals, um Trends aufzuspüren und sie nach Düsseldorf zu holen.

Und so gab es auch durchaus interessante Künstlerinnen und Künstler zu entdecken, beispielsweise Florence Besch. Die Songwriterin stand aber mit ihrer Gitarre fast vor leerem Saal und spielte tapfer ihre teils traumwandlerisch-entrückten Songs. Auch ihre Kollegin Hanna Fearns hatte es schwer. Wer ihr allerdings zuhörte, war begeistert. Die Wahl-Kölnerin überzeugte mit eingängigem Folk-Pop, bodenständig und authentisch. Die Tochter eines musikalischen Liverpoolers (leider kein Beatle, wie sie später lachend betont), hat vor fünf Jahren endlich ihr erstes Album herausgebracht. „Ich bin mit 16 schwanger geworden und musste mich erst einmal ums Kind, später dann um die Schule und mein Studium kümmern“, bilanziert die sympathische Sängerin. Als der Sohn alt genug und der eigene Studienabschluss in der Tasche war, beschloss sie, endlich ihr Hobby zum Beruf und damit Nägel mit Köpfen zu machen. Es hat sich gelohnt, möchte man ihr als Zuhörer sagen. Am Samstagabend im Rheingoldsaal der Rheinterrasse stellte sie Stücke aus ihrem zweiten Album „Turn on the Light“ vor. Wer Hanna Fearns verpasst hat, kann die Sängerin auch am 25. Oktober im Zakk im Rahmen der „fem_pop“-Konzertreihe noch einmal erleben.

Etwas später kam der Abend mehr in Fahrt

Je später der Abend wurde, desto lauter wurde auch das Programm der „Pop-NRW-Show“. Ob die Düsseldorfer Band Neumatic Parlo mit ihrer Mischung aus Kraut- und Psychedelic-Rock oder die Köln-Dortmunder Formation Drens mit ihrem Surf-Punk, es gab reichlich auf die Ohren. Dem Publikum, das langsam auch den Saal endlich mal füllte, gefiel das ebenso wie der treibende Pop von Sparkling.

Währenddessen groovte sich Kaleo Sansaa im NRW-Forum beim „fem_pop“ ein, einer Reihe, die erstmals Teil des „New Fall Festivals“ ist. Das Kultur- und Konzertkollektiv, bestehend aus vier jungen Frauen, darunter die Musikerin Jule Blumt und der Journalistin Meike Glas, nimmt sich seit Anfang des Jahres einem Thema an, das sie als „nach wie vor unterschätzt“ empfinden. „Frauen haben es immer noch schwer, sich im Musikgeschäft durchzusetzen“, ist Meike Glas überzeugt. Das muss doch auch anders gehen, fanden die vier Mädels und gründeten „fem_pop“. Mit ihren Konzertveranstaltungen wollen sie eine Lücke füllen und gleichzeitig Musikerinnen eine Plattform bieten, sich auszuprobieren, wie eben Kaleoo Sansaa, die in ihrer Performance verschiedenste Stile, wie Hip Hop, Neo Soul oder auch Ethnosounds mit einfließen lässt. „Wir versuchen die Trends abzubilden und möchten gerne die Musikerinnen unterstützen, die auch einen feministischen Anspruch haben“, fasst Meike Glas die Kriterien zusammen, unter denen sie gemeinsam mit den Kolleginnen, die Künstlerinnen für „fem_pop“ auswählt. Am Samstagabend waren dies auch Sofia Portanet, die 80ies-Synthy-Pop mit Punk-Elementen mixte und munter zwischen deutschen und englischen Texten hin- und hersprang. Wer da nicht in Partystimmung kam, war selbst schuld. Den Abschluss machte Charlotte Brandi, manchem bekannt als Teil des Berliner Duos Me And My Drummer, mit eingängigem Indie-Pop.

Was wieder einmal zeigt, die Mädels haben es drauf, man(n) muss sie nur machen lassen. „Fem-pop“ setzt seine Konzertreihe mit drei Terminen im Zakk fort, beginnend am 25. Oktober mit Romie und der bereits erwähnten Hanna Fearns.

Natürlich sind die Headliner wie Apparat, Alligatoah, Nils Frahm oder Allah-Las beim New Fall Festival ausverkauft gewesen. Den Acts der „Pop-NRW-Show“ hätte man aber doch etwas mehr Aufmerksamkeit gewünscht. So schön die Rheinterrasse ja sein mag, wenn man sie als Veranstaltungsort nicht auf dem Schirm hat und auch von außen kaum etwas darauf hinweist, dass es drinnen einiges zu entdecken gibt, können sich die Bands und Sänger so anstrengen wie sie wollen, es bekommt kaum jemand mit. Also, liebe Festivalmacher, habt ein Herz für die Newcomer, die brauchen euren Support, die Top-Acts haben ihre Fanbasis bereits.

Mehr von Westdeutsche Zeitung