Art Düsseldorf „Der Kunstmarkt ist unberechenbar geworden“

Analyse · Nächste Woche findet die Art Düsseldorf statt. Die Branche hat sich verändert, die Zahl ähnlicher Veranstaltungen für Käufer wächst.

Blick in die Messehallen der Art Düsseldorf 2023.

Blick in die Messehallen der Art Düsseldorf 2023.

Foto: dpa/Christophe Gateau

Die Zahl der internationalen Kunstmessen wächst von Jahr zu Jahr. Dabei sind es vor allem die kleinen Messen, die ihre Nischen finden und sich anschließend für den internationalen Markt attraktiv präsentieren. Das gilt für die Art Antwerp, die Art Luxembourg, aber auch für die Art Düsseldorf. Sie setzt auf eine traditionell starke Sammlerschicht. Das macht sie attraktiv für Galerien aus dem Ausland, ebenfalls ins Böhler Gelände an die Stadtgrenze zwischen Düsseldorf und Meerbusch zu kommen.

Ob der Erfolg den Düsseldorfern treu bleibt, muss allerdings abgewartet werden. „Der Kunstmarkt ist aktuell etwas zäher“, sagt Linn Lühn, die im Board der Düsseldorfer Kunstmesse sitzt. Sie hatte in der vergangenen Woche eine Vernissage. Die Stimmung sei gut gewesen, auch wenn weniger los war. Aber sie habe gut verkauft. Das sagen in der Regel alle Galeristen. Nachprüfen lässt es sich nicht. Der Auktionsmarkt kann leichter beurteilt werden, denn die Onlineplattform Artsy rechnet die Zahlen in ihrem „Art Market Recap“ gnadenlos zusammen. Danach haben sich die Ergebnisse im Topsegment des Marktes fast halbiert. Während die hundert teuersten Lose auf dem internationalen Auktionsmarkt im Boomjahr 2022 rund 4,1 Milliarden Dollar erbrachten, waren es 2023 nur noch 2,4 Milliarden. Der Düsseldorfer Galerist Alexander Sies kann all diese Höhenflüge und Tiefschläge nur mit der Bemerkung quittieren: „Der Kunstmarkt ist unberechenbar geworden.“ Diplomatisch fügt er jedoch hinzu, es laufe trotzdem gut und immer wieder gut.

Walter Gehlen, der seit über 20 Jahren im Messegeschäft arbeitet und im siebenten Jahr Gesellschafter und Geschäftsführer der Art Düsseldorf ist, setzt gezielt auf das kauffreudige Publikum. „Wir haben ja Düsseldorf als Standort gewählt, weil wir überzeugt sind, dass das rheinische Publikum diesen Messen sein Vertrauen schenkt. Wider den Trend liefern wir einen guten Erfolg ab.“ Dennoch war es eher ernüchternd für die Branche, als sie erfuhr, dass es in diesem Jahr erstmals keine Förderung für die Galerien gibt. Das sei hart für eine junge Messe mit teilweise jungen Händlern und Künstlern. „Wir sind auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Wir sind gespannt, ob es gut geht. Wir hoffen es“, so Linn Lühn.

Eine Entwicklung im Marktgeschehen kommt hinzu: Die Märkte werden regionaler. Früher verkauften Düsseldorfer und Kölner Galerien 85 Prozent in die USA. Seit Covid habe sich das verschoben, erklärt Linn Lühn. Jetzt gehe es um die Identität eines Standorts, und da sei Düsseldorf sehr stark. Darauf setzt auch Messechef Gehlen. Dank seiner Künstler spiele Düsseldorf national wie international eine große Rolle. Hier sei der Ort, wo der Galerist Hans Mayer die Künstler Joseph Beuys und Andy Warhol zusammengebracht habe. Man müsse deutlich machen, welche Bedeutung Düsseldorf in der zeitgenössischen Kunstgeschichte hat. Düsseldorfs regionale Themen seien stets auch international relevant. Düsseldorf sei ein erfolgreicher Marktplatz.

Darauf hoffen immerhin 105 Messeteilnehmer, darunter 34 Neumeldungen. Sie kommen aus Ländern wie Österreich, Türkei, Dänemark, Irland, Italien, Spanien, USA, Indien, Schweden, Belgien, Großbritannien, Portugal und Frankreich. Berlin stellt mit 24 Kunsthändlern einen Schwerpunkt, das Rheinland wartet gar mit 30 Händlern auf, davon 16 aus Düsseldorf. Petra Rinck findet einen Messeauftritt allein schon deshalb gut, weil für die Galerie immer auch neue Kunden abfallen. In der Pandemie habe sich vieles geändert. Man gehe nicht mehr so viel aus, sei schwerfälliger geworden. Sie sagt aber auch: „Wir geben uns viel Mühe. Aber wir sind eben in Flingern nicht mehr so neu. Und da ziehen manche Kunden einfach weiter.“

Die Chance jeder Messe, so die einhellige Meinung der Händler, ist das größere Publikum. Das ist ganz im Sinne von Walter Gehlen, wenn er sagt, die Attraktivität einer Großveranstaltung liege auf einem anderen Niveau als eine Ausstellung in einer Galerie, sodass die Besucher auch von weither kommen. Thomas Rieger von der Konrad Fischer Galerie sieht eine Chance in der Messe vor allem darin, neben bekannten Namen wie Schütte und Ruff, die bei ihm zu sehen sind, auch jüngere Positionen zu präsentieren, damit sie bekannt werden. Diese Konzentration auf zeitgenössische Kunst sei ein Merkmal der Art Düsseldorf, das unterscheide sie von der Art Cologne, auf der längst nicht so viele Düsseldorfer ausstellen.

Gehlen setzt auf das Böhler-Gelände. Die Hallen mit dem Oberlicht seien ein Pluspunkt. Er zahlt den Kunsthändlern keine Fahrt- oder Hotelkosten, aber er umhegt die handverlesenen Tausendschaften von Besuchern mit dem großen Geldbeutel, indem er Kooperationen mit Firmen eingeht. So gebe es dennoch ein großes Programm für die VIP, mit Empfängen und Essen. Die Kunstsammlung NRW lädt zu einem großen Event unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Eine weitere Einladung kommt von Philara. Und der Kunstpalast beteiligt sich mit Führungen durch seine Dauer- und Sonderausstellungen.

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