Festival: New Fall Festival: Pop im Kammermusiksaal

Festival : New Fall Festival: Pop im Kammermusiksaal

Das Festival, das am Donnerstag startet, steht nicht nur für mit Feinsinn ausgewählte Acts, sondern bringt Pop auch an besondere und ungewöhnliche Orte.

Der warme hölzerne Charme des Robert-Schumann-Saals im Kunstpalast am Ehrenhof atmet für gewöhnlich klassischere Klänge. Ist dies zwar eigentlich ein Vorurteil, weil der Saal auch durchaus für andere Events genutzt wird, so trifft es dennoch den Kern. Doch einmal im Jahr, und das seit 2011, öffnet sich der Saal ganz und gar dem Pop. Wird zu einem Tempel für alles das, was die Singer-Songwriter-, Elektro- oder Indie-Szene zu bieten hat. Doch das New Fall Festival, das sich diese Vermählung von Pop und ungewöhnlicheren Orten für dieses Genre auf die Fahnen geschrieben hat, bietet für ihre vielseitig gemischten Konzerte darüber hinaus insgesamt sieben Orte. Die aber an sich nicht unterschiedlicher sein könnten. Eine Kirche, ein Konzertsaal, ein Café-Bereich im Foyer eines Museums und vieles mehr. Jeder Ort interagiert auf seine Weise mit dem Geschehen, den Klängen, dem Publikum und schafft in Verbindung mit dem dort stattfindenden Geschehen eine neue Erlebnis-Dimension. Wie klingt Pop in einer Kirche, wie unter der Kuppel im NRW-Forum und wie fügt sich eine Elektro-Band in die Atmosphäre des Schumann-Saals? Neben dem eigentlich als Kammermusiksaal gerühmten Saal, bevölkert das Festival dieses Jahr die Räumlichkeiten der Johanneskirche, den Capitol Club, das Pong im Foyer des NRW-Forums, das Weltkunstzimmer, auch das „Me and All Hotel“ und Sipgate.

Wir blicken auf die Orte und das Programm des von Donnerstag bis Sonntag stattfindenden Festivals:

Der Robert-Schumann-Saal (Ehrenhof 4-5) verfügt nicht nur über ein überaus ansprechendes ästhetisches Interieur, sondern überzeugt auch die Freunde feinen Klangs mit einer exquisiten kultivierten Akustik. Eine Akustik, die aber Raum für Vieles lässt. So wird der Auftritt von Mac DeMarco am Donnerstag sicherlich nicht nur künstlerisch ein besonderer Genuss. Am Samstag kommt Ibeyi in Schumann-Saal.

Die Johanneskirche (Martin-Luther-Platz) bietet sogleich zwei Locations. Den Kirchenraum und den Bachsaal. Insbesondere der von den hohen Bögen geprägte Kirchenraum bietet eine charmant hallige Akustik, die oft wie ein klangliches Vergrößerungsglas wirkt. Das hat Nachteile, aber auch viele Vorteile. Der Sound wird größer, mächtiger, tragender. Sakral. Kein Wunder, dass Pop- oder auch Rock-Gruppen immer wieder mal den Weg in Kirchen oder auch ehemalige Kirchenräume suchen. Hier kommen am Donnerstag Scott Matthew, Die Nerven (Bachsaal ab 21 Uhr). Freitag treten Hundreds & Joco und L`aupaire und Danny and The Veetos auf. Samstag kommt Honig & Friends.

Das Pong im NRW-Forum (Ehrenhof 2), unter der hoch gewachsenen expressionistischen Kuppel des Museum-Foyers, ist mehr als ein en vogues Museums-Café. Es eignet sich hervorragend als Konzert-Location und wird am Freitag Yuno und am Samstag die 1-Live-Lesung mit Fotograf Pascal Kerouche beherbergen. Ab 23 Uhr stehen die Zeichen auf Aftershow-Party mit Lucas Croon und Friends.

Der Capitol Club (Erkrather Str. 30) wiederum ist von einer ganz anderen Atmosphäre geprägt. Industrie-Chic trifft auf eine Aura, die aus einem Jazz-Club oder einer Stand-Up-Location stammen könnte. Der Sonntag gehört ganz diesem Ort. Ab 15 Uhr ist hier „Unter meinem Bett“ – Musik für Kinder – zu sehen und zu hören. Ab 20 Uhr kommt Drangsal und Lea Porcelain. Ein direktes Hörerlebnis mit viel Kraft ist garantiert.

Ähnlichen Industrie-Charme, wenn man so möchte, trägt das Weltkunstzimmer (Ronsdorfer Str. 77a) in seinen Adern. Es ist nicht erst seit jüngster Zeit ein Phänomen, dass sich Kultur, in diesem Fall Pop, bestens mit umfunktionierten Industriehallen und Räumen verträgt. Sogar zu gegenseitiger Inspiration führt. Am Donnerstag kommt Der Plan. Der Freitag gehört ganz dem Pop-NRW-Abend. Drei Acts stehen auf dem Programm: Goldroger, International Music und Moglii.

Doch ist mit diesen Orten die gesamte Bandbreite der Locations des New Fall Festivals noch nicht erschöpft. Was in der Reihe fehlt ist ein Hotel: Das Me and All Hotel (Immermannstraße 23). Denkt man an Musik in Hotels, kommt einem nicht selten eher Salon-Musik, ein Barpianist samt souliger Sängerin oder Sänger in den Sinn. Doch beim New Fall gibt es hier Twit One (Aftershow am Freitag) und Bernd Begemann am Samstag.

Ohne Sponsoren keine Festivals. Das ist so, ob es Wohlgefallen findet oder nicht. Das Telefonieunternehmen Sipgate (Gladbacher Str. 74) bietet aber neben dem Sponsoring auch eine Event-Location. Hier ist am Samstag Tamikrest zu erleben.

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