Ramona Zaharia: „Wenn ich eine Rolle liebe, dann singe ich sie auch gut“

Porträt : „Wenn ich eine Rolle liebe, dann singe ich sie auch gut“

Am 18. Oktober feiert „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saens in der Oper Premiere. Die Mezzosopranistin Ramona Zaharia spielt die Dalila und spricht von „einer Traumrolle“.

Neben „Carmen“ von Georges Bizet gilt „Samson und Dalila“ von Camille Saint-Saens als eine der beliebtesten französischen Opern überhaupt. Ein Welthit darin ist Dalilas verführerischer Gesang „Mon coeur s’ouvre à ta voix“ (Mein Herz öffnet sich Deiner Stimme), der sich am Ende zu einem Liebes-Duett steigert. Ein Ohrwurm, mit dem jede Mezzosopranistin besonders in tiefen Registern brillieren und Opernfans begeistern kann. „Eine Traumrolle“ – auch für Ramona Zaharia. Es ist die Partie der mesopotamischen Priesterin Dalila, die im Kampf gegen das Volk Israel dem hebräischen Krieger Samson das Geheimnis seiner Unverletzbarkeit entlocken soll und am Ende selber zu Grunde geht.

Die Oper, die sich an dem alttestamentarischen „Buch der Richter“ orientiert, wurde 1877 nicht in Paris, sondern am Weimarer Hoftheater uraufgeführt. Und steht erstmals in der Rheinoper auf dem Programm. In der Regie von Joan Anton Rechi, mit dem schwedischen Heldentenor Michael Weinius als Samson und Ramona Zaharia in der weiblichen Titelrolle. Auf vielen Plakaten am Straßenrand derzeit zu bewundern: Ihr Konterfei mit langfließenden pechschwarzen Haaren und einem Hauch von Orient und Tausendundeiner Nacht. Premiere ist am 18. Oktober, 19.30 Uhr.

Zaharia singt nächstes Jahr in der Metropolitan Opera

„Die Story ist aufregend: Samson ist ein religiöser Fanatiker, Dalila indes lebt in einem anderen Universum, könnte eine Spionin sein, wie Mata Hari,“ so Ramona Zaharia. Die gebürtige Rumänin, seit 2014 im Ensemble der Rheinoper, kennt das schwelgerische Werk seit vielen Jahren – aus ihrer Zeit in der Musikakademie, als Chorsängerin. Sie lächelt: „Damals sangen wir es in Rumänisch.“ Schon als Choristin träumte sie davon, eines Tages die ‚Dalila’ zu singen.

Jetzt ist es soweit für sie, die mit dem Bariton Bogdan Baciu verheiratet ist und wegen der Liebe zu ihm 2013 in Düsseldorf vorsang. Und sofort engagiert wurde. Neben ihrer auffälligen und attraktiven Erscheinung und außerordentlichen Bühnenpräsenz waren vermutlich entscheidend auch ihre samtige, sinnliche Tiefe und sicheren dramatischen Höhen. Zunächst zog sie den Intendanten in Bann, später das Publikum. In kleinen Rollen, wie der ‚Dritten Dame’ („Zauberflöte“), aber auch als „Carmen“. Ebenfalls eine französische Partie, die sie - nach Berlin, Stuttgart und Seoul - 2020 sogar erstmals an der New Yorker Metropolitan Opera singen wird. ‚Singen darf’: denn eine Titelpartie an dem berühmtesten Opernhaus der Welt wird in der Branche international als Erhebung in den Adelsstand angesehen. Aber bis dahin ist noch Zeit.

Ruhig, konzentriert und ausgeglichen wirkt sie im Gespräch in der Opernkantine. Kein Anflug von Starallüren. Die Frau, die eigentlich Schauspielerin werden wollte und der Konkurrenzdenken fern liegt („Ich konkurriere nur mit mir selber“), gesteht: Die Rheinoper sei ihre Heimat. Hier werde sie sängerisch gefördert und könne ihre darstellerische Kraft entwickeln. Klingt brav dahergesagt. Doch sie meint es ernst, wenn sie hinzufügt: „Ich fühle mich zu Hause wegen der tollen Kollegen und wunderbaren Atmosphäre“ und Operndirektor Stephen Harrison, „der mir immer geholfen hat.“ Ein Stimmen-Spezialist und zuverlässiger Ratgeber. „Wenn ich zweifle, ob ich eine Rolle singen kann, frag ich ihn. Er sagt ehrlich, was er denkt.“

IS-Kämpfer werden nicht auf der Bühne erscheinen

Die Rheinoper ist ideal - ähnlich wie für Koloratursopranistin Adela Zaharia (die derzeit ebenfalls international durchstartet) - auch für Ramona (die zwei sind Freunde, aber nicht verwandt). Man könne Partien ausprobieren, um später darin in führenden Musentempeln der Welt zu reüssieren. Denn der Ensemble-Vertrag ermöglicht ihr, häufig auch in andere Musik-Städte zu reisen. Gecoacht wird und wurde sie von Harrison, auch z.B: bei der „Gräfin Eboli“ (in Verdis „Don Carlo“). Eine vertrackte Partie mit hochdramatischen Attacken und gefährlich hohen Lagen, in denen bereits namhafte Weltstars baden gingen.

Jedoch: Die Gesänge der „Dalila“ mit ihren Tiefen, (für Altstimmen komponiert) komme ihrer Stimme entgegen. Hier freut sie sich darauf, die Verführung des Kämpfers durch die betörend verführerische Priesterin so darzustellen, wie sie es mit Regisseur Rechi erarbeitet hat. Sie empfinde Sympathie mit dieser Frau. „Wenn ich eine Rolle liebe, dann singe ich sie auch gut“, so ihr Erfolgsrezept. Und bei schwierigen Rollen? „Dann denke ich weniger an Gesangstechnik als daran, wie ich sie richtig über die Rampe bringen kann.“ Und was wird auf der Bühne zu sehen sein? Trotz brennender Aktualität des religiösen Fanatismus gehe es hier um eine zeitlose Deutung des biblischen Stoffs. IS-Kämpfer werden daher nicht auf der Bühne erscheinen. Mehr will sie nicht verraten. Bleibt nur eins: die Premiere abwarten.

„Samson et Dalila“ in der Deutschen Oper am Rhein:

Termine: 18., 20., 23., 26. Okt., 1., 6., 9., 16., 24., 27. Nov.

Tickets: 0211/8925211

www.operamrhein.de

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