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Italienische Oper: Ehedrama im Doppelpack

Italienische Oper: Ehedrama im Doppelpack

Die „Cavalleria Rusticana“ bietet so viel Pathos, dass sie es bis ins Mafia-Filmgenre schaffte. Jetzt wird sie wieder aufgeführt.

Düsseldorf. Die Emotionen schäumen über in Pietro Mascagnis berühmtem Einakter „Cavalleria rusticana“, geschaffen im Stile des Verismo, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der italienischen Oper das Nonplusultra an Musikdramatik darstellte. Gezeigt werden wahre Geschichten, geprägt von den ewigen Themen Liebe und Tod. Auf ungestüme Passion setzt die Rheinoper jetzt mit der Wiederaufnahme der „Cavalleria“, die im Paket mit „Pagliacci“ von Ruggero Leoncavallo gezeigt wird. Beide Stücke spielen in Süditalien und sind mit allem ausgestattet, was für ein handfestes Drama nötig ist.

Zum Zeitpunkt der Entstehung von „Cavalleria“ im Jahr 1890 befindet sich die musikalische Romantik auf dem Höhepunkt der Expressivität. Ältere Kollegen wie Giuseppe Verdi haben dafür große Vorarbeit geleistet, und auch die weniger auf Schöngesang als mehr auf Ausdruck fokussierte Tonsprache des deutschen Verdi-Antipoden Richard Wagner bricht sich Bahn in der italienischen Oper.

Ein bäuerliches Ehedrama steht im Mittelpunkt der „Cavalleria“: Eine verheiratete Frau, Lola, macht sich wieder an ihren Ex-Verlobten, Turiddu, heran, der seinerseits auch in festen Händen ist — perfekte Voraussetzung für eine Eifersuchts-Tragödie. Die Oper endet mit einem Duell, bei dem Turiddu ums Leben kommt.

Das Erfolgstück gewinnt 100 Jahre nach seiner Entstehung noch einen weiteren Popularitätsschub durch einen Kino-Bestseller, das Mafia-Epos „Der Pate III“ nach einem Roman von Mario Puzo. Die letzten Filmszenen spielen in der Oper, wo „Cavalleria rusticana“ aufgeführt wird — die Hauptrolle singt der Sohn des Mafiabosses (Al Pacino). Auf beiden Spielebenen kommt es zum tödlichen Showdown. Mascagnis sanftes Orchester-Intermezzo verbindet sich auf subtile Weise mit der herzzerreißenden Schlussszene des Films.

Eine Vermischung von Bühnen-Handlung und Realität gibt es auch am Schluss von Leoncavallos „Pagliacci“, ein ebenso dramatisch komprimiertes Stück wie „Cavalleria rusticana“. „Pagliacci“, hierzulande bekannter unter dem Titel „Der Bajazzo“, dauert kaum länger als eine Stunde und wird sehr häufig an einem Abend mit der Mascagni-Oper gegeben. „Pagliacci“ spielt im kalabresischen Komödianten-Milieu. Der eifersüchtige Komödiant Canio muss mit seiner untreu gewordenen Frau Nedda gemeinsam auftreten. Von Eifersucht berstend fällt er während der Aufführung aus der Rolle und tötet seine Frau und deren Liebhaber.

„Beide Stücke passen perfekt zusammen“, meint Dirigent Enrico Dovico, der die musikalische Leitung bei der Wiederaufnahme innehat. „Beide sind leidenschaftlich und fast wie Filmmusik komponiert.“