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Rundgang in der Kunstakademie: 39 000 Besucher trotz Eiseskälte

Rundgang in der Kunstakademie: 39 000 Besucher trotz Eiseskälte

Junge Studenten erklärten ihre Werke mit großer Fachkenntnis, so dass die Gäste einen Schnellkurs in Bildhauerei erhielten.

Düsseldorf. Schon in den ersten 15 Minuten zählten die Wachposten im Eingang zur Kunstakademie am Sonntagmorgen 345 Besucher. Bis mittags waren es insgesamt 35 000, und mit Ende des Rundgangs wurden rund 39 000 Gäste gezählt. Bei den Minusgraden verzichteten die Türhüter darauf, die Einströmenden in der Kälte stehenzulassen. Sie durften im Vorraum warten, bis in den Gängen und Ateliers wieder Platz war.

Der Akademie-Rundgang als Leistungsschau der Jugend ist der beliebteste Kunstparcours in Düsseldorf. Kein noch so hoch dotiertes Museum kann mit dieser No-Budget-Schau mithalten. Die Neugierigen finden dieses Ereignis — wenn man die Besucherzahlen hochrechnet — sogar interessanter als die Quadriennale. Eine Frau aus Langenfeld meinte gar: „In einem Museum ist die Kunst abgestanden, geradezu leblos. Hier aber herrscht Vitalität. Die Studenten kann ich fragen, die Museumswärter dürften im Ernstfall keine Auskunft geben.“

Für Michael Dekker aus der Cragg-Klasse war die Präsentation in den Metallwerkstätten die Chance seines Lebens. Jeden Tag war er pünktlich zur Stelle, begrüßte die Gäste, hielt seine Visitenkarten bereit und erklärte seine kapitale Skulptur in allen technischen Details, und immer wieder neue Besuchergruppen hingen an seinen Lippen. „Wir erfahren hier mehr über die Herstellung einer Skulptur als je zuvor in unserem ganzen Leben“, befand ein Pärchen aus Köln, das den Weg in die Landeshauptstadt gefunden hatte. Eine Düsseldorferin lobte den gelungenen Vortrag, den der Student insgesamt 70 Mal gehalten hatte, mit den Worten, der junge Mann sei der geborene Professor.

In den Zeiten von Jörg Immendorff schleppten seine Jünger kistenweise Bilder zum Rundgang und verkauften sie an Sammler. So ein großer Nebenverdienst ist heute nicht mehr zu erwarten. An einem Tisch in der zweiten Etage gab es zwar Aquarelle und Ölfarbzeichnungen als Ramschware zum Spottpreis, aber Käufer liefen nicht reihenweise mit Bildern unterm Arm zum Ausgang. Mancher Student hatte mehr Kauffreude erwartet. Lena von Gödeke (McKenzie) berichtete, man habe noch nicht einmal nach dem Preis für ihren kapitalen Scherenschnitt gefragt.

Dennoch waren ihre Kommilitonen im Verkaufen erfolgreicher als andere Klassen. Bei der Bilanz am Sonntagnachmittag stellte sich heraus, dass von den Schablonen-Teppichen zwei verkauft waren; und in fünf Fällen gab es sogar Aufträge für Wandarbeiten.

Wie in alten Zeiten saßen viele junge Leute auf abgewetzten Stühlen vor den Ateliers und musterten die Gäste wie Fremde, die es wagten, in ihre Clique einzudringen. Andererseits war das Gros der Studenten bereit, ihre Träume und Alpträume preiszugeben, wie Mercedes Neuß, die ihre kolossalen Löwen mit Monstern und Dämonen verglich. Eine ihrer Zuhörerinnen war Generalintendantin Marion Ackermann, die sich von Professorin Katharina Fritsch führen ließ.

Als am Sonntag die Tore schlossen, stöhnte die Fotokünstlerin Barbara Schmidt: „Ich kann nicht mehr“. Und ein Gast aus Krefeld meinte: „Schade, dass es hier nichts mehr zur Stärkung gibt.“ Das Mensaessen beim Rundgang war abgeschafft worden.