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Louise Dumont: „Lass mich nicht in Düsseldorf“

Louise Dumont: „Lass mich nicht in Düsseldorf“

Louise Dumont war Theaterchefin, Unabhängigkeitskämpferin und eine Zicke. Am 22. Februar ist ihr 150. Geburtstag.

Düsseldorf. Louise Dumont hatte ein Händchen für theatralische Momente. Das mag banal klingen angesichts der Tatsache, dass sie Düsseldorfs erste Theaterchefin war. Jedoch machte sie gerade diesen Job stets mit klarem Kopf. Wohingegen die Schauspielerin Dumont regelmäßig mit Kolleginnen zickte, wenn ihr mal wieder bei der Rollenvergabe eine zu nahe gekommen war. Dann schrieb sie Briefe an die Intendanten, in denen sie deutlich Stellung bezog, zugleich jedoch geschickt suggerierte, sie sorge sich angesichts der Bevorzugung untalentierten Personals um den Ruf des Hauses.

Louise Dumont (1862, in Köln, bis 1932) gehörte im Kaiserreich zu den Top-Five der Schauspielkunst und gründete 1904 mit ihrem späteren Ehemann Gustav Lindemann die Düsseldorfer Schauspielhaus GmbH. Zum 150. Geburtstag von Louise Dumont, am 22. Februar, blicken Theatermuseum und Heinrich-Heine-Universität mit Veranstaltungen auf Leben und Werk dieser ungewöhnlichen Frau, die mit ihrer Unnachgiebigkeit im Drängen auf eine unabhängige und anspruchsvolle Theaterleitung sicher auch heute noch vielerorts anecken würde.

Sie ließ sich eben nichts gefallen. Von Anfang an nicht. So sollte Louise Näherin werden, widersetzte sich jedoch dem Willen des Vaters und ging nach Berlin, um die Schauspielerei zu lernen.

Nach fünf Jahren wechselte sie ans Wiener Burgtheater und von dort ans Königliche Theater Stuttgart. Oft stritt sie mit Kollegen und Direktoren. „Damals ordnete sich das Theater dem Willen des Fürsten unter“, erklärt Winrich Meiszies, der Leiter des Theatermuseums. „Das missfiel Schauspielern, die eine andere Vorstellung vom Theatermachen hatten.“

Louise Dumont hatte von vielem eine andere Vorstellung, etwa von der Ehe. 1907 heiratete sie 45-jährig Gustav Lindemann — obwohl er zehn Jahre jünger und sie eher Frauen zugeneigt war. Ohne mit der Wimper zu zucken, trug sie den Löwenanteil zur Finanzierung des Düsseldorfer Theaters — immerhin 200 000 der 600 000 Goldmark. Auch war sie die erste Theaterchefin, die Verantwortung für ihre Schauspieler übernahm: Sie richtete eine zentrale Stelle für Bühnengarderobe ein, welche die Mimen bislang selbst hatten besorgen müssen, und sie führte Jahresverträge für ihre Schauspieler ein. In den Produktionen ließ Dumont die großen Gefühle weg, zeigte Wedekind und Ibsen. So viel Reform missfiel den konservativen Kräften in der Stadt, Kirche und Schulen protestierten.

Zum Ende ihres Lebens ließ Dumonts Einsatz anscheinend nach. Meiszies: „Das Haus war nicht mehr so innovativ.“ Dazu gab es nun Streit mit der Stadt, die selbst die Leitung des Theaters übernehmen und keine Subventionen mehr zahlen wollte. Darüber soll sich die Grande Dame der Theaterwelt so sehr geärgert haben, dass sie kurz vor ihrem Tod, ihren Mann gebeten haben soll: „Lass mich nicht in Düsseldorf.“ Dieses eine Mal jedoch konnte sich die willensstarke Frau jedoch nicht durchsetzen, sie wurde auf dem Nordfriedhof beerdigt.