Amazonen auf dem Trapez in Düsseldorf

Düsseldorf Festival : Schwedische Amazonen machen Zirkus

Cirkus Cirkör aus Schweden wurde beim Düsseldorf Festival bejubelt. Bei seinem Programm „Epifónima“ dreht sich alles um starke Frauen.

Alice Schwarzer hätte ihre Freude daran. Neun Frauen unter der Zirkuskuppel, sie heben ab, schweben, drehen an Seilen, Tüchern und Ringen. Vollführen rasante, fantastische Kunststücke – sie balancieren, tragen oder werden gehoben – ohne die Kraft eines muskulösen Mannes. Und als sie dann am Ende des reinen Frauen-Stücks noch brüllen „Gemeinsam haben wir die Kraft, die Unterdrückung zu bekämpfen!“ – ohrenbetäubend wie ein Schlachtruf – da wäre die selbsternannte Päpstin des Feminismus Schwarzer ganz aus dem Häuschen gewesen.

Aber auch männliche Besucher des neuen Stücks des „Cirkus Cirkör“ jubelten im ausverkauften Theaterzelt am Burgplatz; denn die starken Frauen bieten in „Epifónima“ (Der Ausruf) nicht nur Theater, sphärische Sounds und Pop-Musik, Gesang und originelle Akrobatik, die manchmal von kollektivem Überraschungs-Stöhnen begleitet wird. L‘art pour l’art? Das wäre der Truppe von Tilde Björfors (die führende Kompanie in Skandinavien) einfach zu wenig. Im Gegenteil: Sie wollen eine Botschaft vermitteln, manchmal eine politische. Und diesmal, ein Jahr nach Beginn der Metoo-Debatte, verzichten sie bewusst auf männliche Akrobaten, die sonst, besonders auf Frauen im Publikum, einen besonderen Reiz ausüben, ja für manche gar das Salz in der Suppe sein können. Und so macht Cirkus Cirkör ganz auf starke Schwedin.

Gottlob mit einem ironischen Blinzeln. Primär geht es um eine Show und Zeitreise durch die Geschichte der starker Frauen Zirkus. Schnell erinnern sie an Amazonen und Walküre, die gegen das Böse kämpfen und sich in blutige Schlachten werfen.

Sie steigen in mittelalterlichen Ritterrüstungen, vollführen in Brustpanzer und Flügel-Helmen Akrobatiknummern. Dann schwingen sie Schilder und Speere, klappern und klirren mit Panzerhandschuhen und Eisenschuhen. Untermalt von mystischen Gothic-Chören oder arabisch anmutenden Melodien weisen sie in Miniaturen an Hildegard von Bingen oder Frauen, die in Syrien oder im Irak in so genannte ‚heilige‘ Kriege ziehen.

In einem Pas-de-trois verkäueln, verschrauben und verkanten sich die Körper der biegsamen Kämpferinnen. Sie halten sich aneinander fest oder fangen ihre Partnerin auf, wenn sie im freien Fall gen Boden segelt. Denn bei aller feministischen Gender-Botschaft verzichten die Schwedinnen nicht auf zirkustypischen Nervenkitzel und Spannung.

Heute, noch einmal: 20 Uhr, Theaterzelt, Düsseldorf Festival.