Oper: Wiederaufnahme der Arabella in Düsseldorf

Arabella : Eine Arabella von überragender musikalischer Qualität

Bei der Wiederaufnahme in der Oper zeigt Michael Volle als Mandryka, welch hervorragender Bariton er ist. Besonders: Die Arabella singt seine Ehefrau.

Über das Regie-Konzept der Düsseldorfer Inszenierung von Richard Strauss‘ und Hugo von Hofmannsthals lyrischer Komödie Arabella braucht man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren. Tatjana Gürbacas Deutung, die in der Spielzeit 2015/16 das Licht der Welt erblickte, spielt immer noch – sozusagen – in einer „White Box“, einem gänzlich weißen Raum, ersonnen von Henrik Ahr, versehen mit zwei großen Drehelementen. Die Anmutung der Produktion wirkt nach wie vor von jeglichem Wiener Klischee gereinigt, ist rotzfrech, hat aber einen großen Reiz.

Wozu dann über die Wiederaufnahme am Düsseldorfer Opernhaus erneut schreiben? Der Grund hierfür liegt in diesem Fall weniger in der optischen oder theatralischen Dimension begründet, sondern vielmehr der musikalischen und gesanglichen. Insbesondere, wenn ein so hervorragender Bariton wie Michael Volle als Mandryka in Düsseldorf gastiert und die Partie der Arabella zudem noch von seiner Frau Gabriela Scherer gesungen wird, die hier ihr Rollendebüt gibt.

Scherer hat einen Fachwechsel hinter sich, der bemerkenswert ist: vom Mezzo zum jugendlich dramatischen Sopran. Dieser Umstand verleiht ihrer Stimme eine schöne smaragdene mit vielen Nuancen gefüllte Färbung, die durch ein sporadisch in den Vordergrund tretendes Vibrato viel an Charakter gewinnt. Doch auch ihre gesanglich interpretatorische überzeugende Qualität kann, so wie die der restlichen nahezu durchweg überzeugenden Besetzung, nicht ganz an den alles überstrahlenden Bariton Volle heranreichen. Nicht nur, dass sein makellos gebetteter Bariton über eine stimmliche Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit verfügt, die beweist, dass in Düsseldorf die gerne herangeführte Ausrede von der Akustik keine Allgemeingültigkeit besitzt. Die Textverständlichkeit ist musterhaft. Musik und Sprache müssen sich durchdringen, ein Ganzes bilden.

Volle beweist auch eindrucksvoll, dass durch deutliche und bewusst gestaltete gesangliche Textaussprache auch das Singen, die Phrasierung an Schlüssigkeit gewinnt. Eine Zielrichtung, die sich nicht in Lavieren verliert. Er kann weiche und liebliche Bögen zaubern, vermag seinem Ton aber auch wagnerisch bedrohliche Markanz zu verleihen. Aber auch die Zdenka von Anja-Nina Bahrmann gehört zu den Höhepunkten dieses Abends. Sami Luttinen als Graf Waldner muss sich mit seinem kultivierten Bass auch nicht verstecken. Hingegen wird Jussi Myllys Tenor wiederum in den Höhen etwas unsicher. Bei Nora Friedrichs als Fiaker-Milli wünscht man sich ebenfalls noch weitere stimmliche Entwicklung und vor allem Öffnung.

Unterm Strich eine Aufführung von überragender musikalischer Qualität, nicht zuletzt durch Axel Kobers immer wieder aufkeimende romantisch durchgefärbte Gestaltungsgabe.

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