English Theatre will sich in Düsseldorf etablieren

Interview : „Eine emotionale Achterbahnfahrt“

Vor zwei Jahren haben die beiden Schauspielerinnen Rosie Thorpe und Ilya Parenteau das englischsprachige Theater gegründet. Mit „The Chess Player“ hat das Duo erstmals ein Gastspiel in die Landeshauptstadt geholt.

Treffpunkt ist das Theatermuseum an der Jägerhofstraße. Hier sprechen die beiden Schauspielerinnen Rosie Thorpe und Ilya Parenteau über ihren Traum, ein englischsprachiges Theater in Düsseldorf zu etablieren sowie das aktuelle Stück „The Chess Player“.

Was steckt hinter der Idee des English Theatre?

Rosie Thorpe: Im Gegensatz zu Frankfurt, Hamburg oder Berlin gibt es in Düsseldorf kein professionelles englischsprachiges Theater. Deswegen hatte ich die Idee, hier ein solches Theater zu gründen. Ich wollte das aber nicht alleine machen. Wie es der Zufall so wollte, habe ich durch den Cousin meines Freundes Ilya kennengelernt, die wie ich ebenfalls ausgebildete Schauspielerin ist und den gleichen Traum verfolgt.

Kann denn ein englischsprachiges Theater in Düsseldorf funktionieren?

Thorpe: Wir haben 2016 einfach damit angefangen, Theater zu spielen, um zu gucken, ob es ein Publikum für englische Stücke gibt. Als wir mit der Zeit gemerkt haben, dass dafür durchaus Interesse besteht, haben wir für uns festgelegt, dass wir das jetzt auf professionellere Beine stellen wollen und haben im Januar eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet.

Sie leiten zu zweit das Theater – wie sieht die Rollenverteilung aus?

Ilya Parenteau: Das kommt ganz auf die jeweiligen Projekte an. Mal führt jemand von uns beiden Regie, mal spielt jemand selbst mit. Wir sind auch unterschiedlich begabt. Rosie ist zum Beispiel ein richtiges Organisationstalent.

Nach welchen Kriterien suchen Sie sich die Theaterstücke aus?

Parenteau: Da wir im Moment noch keine finanzielle Unterstützung oder Sponsoren haben, sondern so gut wie alles selbst finanzieren, suchen wir vor allem nach kleinen Stücken mit wenigen Schauspielern.

Thorpe: Ein wichtiges Kriterium für uns ist auch, welche Stücke für das Publikum interessant sein könnten. Wir haben festgestellt, dass vor allem bekannte Stücke wie „Educating Rita“ oder wie jetzt „The Chess Player“ (die englische Adaption der Schachnovelle, Anm. d. Red) sehr gut funktionieren.

Sie haben kein festes Ensemble. Wie finden Sie ihre Schauspieler?

Parenteau: Über Webseiten wie stagepool.de, encast.eu oder Etalenta. Wir werben auch auf unserer Website oder wir gehen nach Empfehlungen von anderen Schauspielern, mit denen wir bereits zusammen gearbeitet haben.

Und wie finanzieren Sie die?

Parenteau: Bislang komplett durch unsere Einnahmen. Aber wir haben im August unsere ersten Anträge für die Banken und das Kulturamt fertig gemacht, um einerseits zu zeigen: „Hey, wir sind da“, aber auch um endlich finanzielle Unterstützung zu erhalten, damit das Theater weiter wachsen kann.

Am 18. September feierte „The Chess Player“ Premiere in Düsseldorf. Wie sind Sie auf dieses Stück gestoßen?

Parenteau: Das war ebenfalls Zufall. Richard (der Hauptdarsteller des Stücks, Anm. d. Red) hat uns durch unsere Webseite gefunden, weil er nach englischsprachigen Theatern in Deutschland gesucht hatte, und uns dann kontaktiert.

Thorpe: Das war wirklich perfektes Timing, weil wir schon lange vorhatten, ein Gastspiel zu organisieren. Richard hat dieses Stück bereits erfolgreich beim Edinburgh Fringe Festival aufgeführt. Und weil viele Leute auch die Buchvorlage kennen, war das ein sehr interessantes Projekt für uns.

„The Chess Player“ wird in einem kleinen Ambiente im Theatermuseum gezeigt. Warum haben Sie gerade diesen Ort gewählt?

Thorpe: Für dieses Stück ist das Theatermuseum perfekt. Richard ist komplett alleine auf der Bühne und sehr nah am Publikum dran. Da die Hauptfigur Dr. B in Gefangenschaft ist, entsteht so eine sehr intime Atmosphäre. Das Publikum bekommt wirklich das Gefühl, mit Richard in diesem Raum gefangen zu sein.

In dem Stück spielt der Schauspieler Richard McElvain sämtliche Rollen — was dürfen die Zuschauer erwarten?

Parenteau: Die Leute, die das Buch kennen, werden die Handlung zwar wiedererkennen, dennoch hat Richard auch neue Elemente eingebaut.

Thorpe: Die Geschichte ist ganz nah an den Figuren. Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Der Fokus liegt darauf, was der Schauspieler macht. Es gibt ja kaum Requisiten. Das ist auch das Schöne an so einer Ein-Mann-Show.

Wie war das Feedback des Publikums?

Thorpe: Es gab viele positive Resonanzen. Am meisten waren die Leute von Richards Performance beeindruckt, wie spielerisch er die einzelnen Rollen wechselt. Das sei eine interessante Art und Weise gewesen, diese bekannte Geschichte neu zu erzählen.

Sie inszenieren momentan noch an verschiedenen Orten. Ist es das Ziel, irgendwann einen eigenen Standort zu haben?

Thorpe: Natürlich, das sehen wir ja bei unseren Vorbildern aus Hamburg, Frankfurt oder Berlin, die alle ihr eigenes Theater haben. Da wir jetzt auch damit begonnen haben, Kurse für Erwachsene und Kinder anzubieten, wäre ein fester Ort ideal.

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