Klettern mit Kind und ohne Seil in Düsseldorf

Das macht mir Spaß : Klettern mit Kind und ohne Seil

In Düsseldorf gibt es vier Boulderhallen. Unser Autor hat so eine neue Möglichkeit entdeckt, mit seiner Familie Hallengipfel anzustreben.

Wir wissen, was wir nicht mehr wollen, und wir kennen ein sehr sehr fernes Ziel. Was wir nicht mehr wollen: Seile. Wir haben mehrere Versuche gemacht, mit unserer Tochter in Kletterhallen einen lustigen Nachmittag zu verbringen. Doch selbst mit Seilen, die sich in sich sichern (haben wir in einer Halle in Viersen entdeckt), stand das Verheddern dem Spaß im Wege. Ein Kindergeburtstag in einer Boulderhalle brachte (und erfüllte) neue Hoffnung. Beim Bouldern wird auch über Griffe und Tritte geklettert, aber eben nicht so hoch und daher ohne Seil. In der Halle sahen wir auch das ferne ferne Ziel: die Menschen, die der Spinne nicht unähnlich an Wänden klettern, die fast parallel zum Boden verlaufen.

Anreise Im Internet haben wir vier Möglichkeiten zum Bouldern entdeckt (siehe Infokasten) und uns aufgrund der für uns kürzesten Anfahrt für den Monkeyspot in Heerdt entschieden. Die Halle liegt zwar nahe der Brüsseler Straße (Abfahrt Prinzenallee, beim Vodafone-Hochhaus), fordert dann aber noch mal ein feines Navi, da man nach der Fahrt über die Willstätterstraße und dem Abbiegen auf die Schiessstraße dort zwischen zwei Bürogebäuden in ein Gewerbegebiet fahren muss. Dort gibt es ein paar Parkplätze. Wenn diese belegt sind, sollte man an der eigentlichen Schiessstraße schauen.

Kleine Schwierigkeit bei der Anfahrt: Man muss diese Straße im Gewerbegebiet an der Schiessstraße in Heerdt finden. Foto: Christian Herrendorf

Mit der Bahn fährt am besten bis zur „Löricker Straße“ (Linien U74 und U76), von dort läuft man etwa fünf Minuten.

An der Kasse Wer regelmäßig bouldert, wird sich länger mit der Preisliste beschäftigen, weil es 11er-Karten und Abos (drei, sechs und zwölf Monate) gibt. Für den Einsteiger ist das Ganze überschaubar: Erwachsene zahlen zehn Euro, Kinder zwischen 6 und 13 Jahre sieben Euro, für die Familienkarte (zwei Erwachsene plus die eigenen Kinder unter 18) werden 27 Euro fällig. Wer Schuhe leihen möchte, benötigt weitere drei Euro.

Der Gipfel: Bei einem Großteil der Strecken kommt man an dieser Stelle raus und gelangt über eine Treppe wieder nach unten. Foto: Christian Herrendorf

Vorbereitungen Eine der schönen Seiten des Bouldern ist, dass es erstmal keine besondere Ausrüstung erfordert. Es genügt das, was man früher im Turnbeutel hatte beziehungsweise heute den eigenen Kindern einpackt: ein paar saubere Hallenschuhe (barfuß oder nur mit Socken bouldern ist nicht erlaubt), ein T-Shirt und eine bequeme Hose, die nicht so geschnitten ist, dass sie einen in den nun anstehenden Bewegungen behindert. Es gibt eine kleine Umkleidekabine, man kann die Sachen oder Taschen auch mit zu dem Stuhl nehmen, den man zwischen den Klettertouren zu seinem Basislager erklärt.

Regeln Bevor es an die Wände geht, erläutern Mitarbeiter der Halle, wie man sich vernünftig verhält – gegenüber den andern Boulderern und im eigenen Interesse. Auf einer Strecke klettert immer nur eine Person, auch am Fuße einer Route steht niemand. Kinder dürfen ab sechs Jahren mit an die Wand und müssen von ihren Erziehungsberechtigten beaufsichtigt werden. Auf den Matten sind nur Kunststoff-Trinkflaschen erlaubt.

Die Schilder an den Wänden erläutern die Schwierigkeitsgrade zu den Farben der Griffe und die Kletterzonen. Foto: Christian Herrendorf

Um zu wissen, welche Route zum aktuellen Stand des eigenen Könnens passt, schauen die Kletterer auf die Farben der Griffe. Es beginnt bei Orange (sehr leicht) und geht über Blau, Grün, Gelb und Rot bis zu Schwarz (extrem).

Einstieg Für den Anfang wählen wir also kluger- und richtigerweise Orange. Davon gibt es ein knappes Dutzend, einige schafft man beim ersten Mal mit ein bisschen Schummeln (Fuß mal auf eine andere Farbe stellen), manche sind beim zweiten oder dritten Mal schon ein voller Erfolg, bei anderen spürt man unterwegs den eigenen Hochmut. Das ist genau die richtige Mischung aus freudigen Momenten und Herausforderungen. Den Einsteiger beschäftigen die orange-farbenen Strecken locker für zwei, drei Besuche, bevor er sich an die nächste Farbe wagt.

Rechts und links des großen Affen-Logos befinden sich die Umkleidekabinen. Foto: Christian Herrendorf

Ähnliches gilt für Kinder ab Schulalter, die es an den richtigen Stellen locker aufs Plateau schaffen. Für sie gibt es am Rande des Berges noch einen eigenen Raum, in dem die Farben nicht so wichtig sind und die Kinder üben können, sich hoch, runter und seitlich zu bewegen. Apropos runter: Wer oben ankommt, muss nicht wieder runterklettern, sondern läuft oben bis zur Treppe und schafft es auf nicht-alpine Weise wieder auf den ihm vertrauten Boden.

Das Klettern der anderen In der Halle sind bei all unseren Besuchen immer auch Familien mit Kindern unterwegs gewesen, Anfänger genauso vertreten wie diejenigen, die sich der Spinnen-Klasse beziehungsweise den schwarzen Griffen nähern. Das funktioniert angenehm nebeneinander und bietet den Neulingen ein gutes Anschauungsprogramm, wenn sie während der Pausen auf ihrem Stuhl eine erste Ahnung vom morgigen Muskelkater kriegen und dabei beobachten, was beim Bouldern noch so alles möglich ist.

So sieht der Eingang zum Monkeyspot aus. Direkt hinter der Tür sind die Kasse und die Menschen, die einem weiterhelfen. Foto: Christian Herrendorf

Verpflegung Es gibt an der erwähnten Kasse Getränke und ein paar warme Speisen. Die stehen in der Rangliste junger Mitkletterer so weit oben, dass sie als pädagogisches Hilfsmittel taugen – nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass das bloße Fehlen von Seilen nicht mehr alleine motiviert.

Mehr von Westdeutsche Zeitung