Düsseldorfs OB Geisel stellt sich den Bürgern in Garath

OB-Dialog : Politik trifft auf Wirklichkeit: OB Geisel stellt sich den Garathern

Blaue Tonne, S-Bahn, hohe Miete und Leerstand: Die Bürger üben viel Kritik, der OB nimmt alles auf – auch wenn er gar nicht immer zuständig ist.

Dass Thomas Geisel bei Terminen spät dran ist, regt in Düsseldorf kaum noch jemanden auf. Hat halt einen unglaublich vollen Terminkalender, der Oberbürgermeister. Ziemlich exklusiv freilich dürfte seine Entschuldigung am Dienstagabend in Garath gewesen sein: „Ich hab’ schlicht die falsche S-Bahn genommen.“ Das wiederum kam bei den rund 80 Gästen im Saal der Freizeitstätte gut an, zumal Geisel auch nur zehn Minuten zu spät kam.

Unermüdlich arbeitet Geisel ja seine Reihe von Stadtteilbesuchen ab, er lässt da keinen aus. Als er nun gleich zu Beginn daran erinnerte, wie er im Wahlkampf 2014 erstmals intensiv die als problematisch verschriene Trabantenstadt im Süden besucht und danach gedacht habe: Garath wird stark unterschätzt, da hatte er aus dem Auswärts- gleich ein Heimspiel gemacht. Auch wenn in der Stunde danach durchaus viel Kritik aus dem Auditorium kam.

Mit der LEG hat der OB noch ein Hühnchen zu rupfen

Allerdings bezog die sich oft auf Probleme, für die die Stadt gar nicht zuständig ist. Zum Beispiel die Kontoführungsgebühren für Bedürftige bei der Stadtsparkasse oder die Fahrpreise der Rheinbahn. Oder der angeblich unzuverlässige Bahnverkehr von S6 und S68, der Geisel die Vorlage für diesen Satz lieferte: „Ein Oberbürgermeister entscheidet viel, aber nicht die Fahrplangestaltung der Deutschen Bahn.“

Näher am Einflussbereich der Stadt war die Forderung, eine Stadtbahnlinie von Benrath bis Garath zu verlängern. Geisel äußerte sich angesichts der zu schlechten Kosten-Nutzen-Relation („Verkehrswert“) skeptisch. Besser sehe es mit dem geplanten Radschnellweg aus, der Garath mit der Innenstadt komfortabler verbinden soll.

Obwohl die Moderatorin die Gäste explizit zu Beginn daran erinnerte, doch bitte nur Garather Themen anzusprechen, hatten die immer wieder anderes im Sinn. Die langen Warteschlangen im Ausländeramt; die Aufstellprobleme mit der blauen Papiertonne („Ich lad’ Sie da gerne mal zum Ortstermin bei mir ein“); die immer noch nicht wirklich funktionierende Online-Terminvergabe in den Bürgerbüros: Der OB hörte sich alles geduldig an, gab den Bürgern mal recht und mal nicht.

Mit den Garathern zusammen in Rage geriet Geisel beim Thema Wohnen. Als eine 80-jährige Dame, die seit 50 Jahren in Garath lebt, über ständige Mieterhöhungen der LEG klagte, da verhehlte auch der OB seine Bedenken gegen den früher staatlichen Wohnungskonzern nicht: „Mit denen haben wir auch anderswo, etwa in Hassels-Nord, ein Hühnchen zu rupfen.“ Ungläubig-verärgert reagierte er, als eine Frau die Verhältnisse in sechs der Stadt gehörenden Wohnungen an der Emil-Barth-Straße schilderte. Früher waren darin Flüchtlinge untergebracht, doch mittlerweile stünden sie alle unrenoviert seit sieben Monaten leer. „Unmöglich ist das , pflichtete ihr Geisel bei, „das geht nicht. Ich guck’s mit persönlich an.“

Auch wenn er dann vielleicht nicht wieder mit der S-Bahn nach Garath kommt.

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