Das Schloß-Gymnasium bewirbt sich um den WZ-Schulpreis

WZ-Schulserie : Hier können Schüler nach den Sternen greifen

In unserer Serie stellen wir die Schulen dieser Stadt vor. Unsere Autoren besuchen die Einrichtungen an einem normalen Schultag und berichten davon. Am Ende des Jahres wählt eine Jury die Träger des Schulpreises, den die WZ und die Stadtwerke vergeben. Dieses Mal: das Schloß-Gymnasium in Benrath.

Jede Schule wünscht sich ein Aushängeschild wie Sheyda. Das Mädchen mit den langen schwarzen Locken, den strahlend weißen Zähnen und der markanten Brille blinzelt verlegen gegen die Sonne. Nein, sie könne es kaum glauben, wie gut sie im Abi abgeschnitten hat. Nach der 10. Klasse hatte sie sogar mit dem Gedanken gespielt, die Schule zu verlassen und eine Ausbildung zu machen. Jetzt mit einem Schnitt von 1,3 möchte sie entweder Zahnmedizin oder Informatik studieren. Kaum zu glauben auch für Lehrer und Mitschüler, dass sie noch vor knapp vier Jahren kein Wort Deutsch sprach oder auch verstand.

Sheyda ist 2015 mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet, kam nach ersten Deutschkursen dann 2016 in die 9. Klasse des Schloß-Gymnasiums in Benrath. „Der Anfang war echt schwer“, sagt sie und lacht laut auf. „Wenn meine Mitschüler ihre Hausaufgaben fertig hatten, war ich noch dabei, mir die Aufgabenstellung durchzulesen.“ Irgendwann habe sie sich nicht mehr auf die Sprache, sondern nur noch auf den Stoff konzentriert. Sie schloss Freundschaften und entdeckte ihre Begabung in naturwissenschaftlichen Fächern. Und damit war sie am Schloß-Gymnasium genau richtig.

Michael Buchloh (65) hat seine eigene Schulzeit noch im Schloss verbracht. Als Lehrer hat er bis zum Umzug auch noch im Schloss unterrichtet. Foto: David Young

Das älteste von drei Gymnasien im Düsseldorfer Süden, das erst 1980 aus dem namensgebenden Schloss Benrath aus- und an die Hospitalstraße zog, widmet sich schwerpunktmäßig den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Schon in der Unterstufe lernen die Schüler im sogenannten Nawi-Club, eine AG im Rahmen des Ganztags, an einem Nachmittag wöchentlich verschiedene Naturwissenschaften kennen. Die Bereiche Robotik, Biochemie und Astronomie werden dabei abgedeckt. „So kann jeder an sich selbst erfahren, ob er geeignet ist, wissenschaftliche Probleme selbstständig zu lösen oder ob sie ihn überhaupt interessieren. Mit dieser Orientierungshilfe fällt es leichter in Klasse 8 die richtige Wahl für das zweite Wahlpflichtfach zu treffen“, erläutert Schulleiter Raimund Millard. Im MINT-Bereich können sich die Schüler nämlich dann zwischen Biochemie, Informatik und angewandte Mathematik entscheiden.

Sheyda verlässt die Schule mit einem Abi-Schnitt von 1,3. Als sie 2016 an die Schule kam, verstand sie kaum ein Wort Deutsch. Foto: David Young

Bis in die Oberstufe setzt sich der naturwissenschaftliche Schwerpunkt der Schule fort: „Es werden alle drei Naturwissenschaften, Biologie, Physik und Chemie als Leistungskurse angeboten“, betont Millard. Außerdem können die Schüler anstelle von Facharbeiten Projektkurse wählen. Ohne Bindung an inhaltliche Vorgaben der Lehrpläne geben sie Raum für selbstständige Recherche und Planung und das Arbeiten im Team.

An den sogenannten Nawi-Tagen machten Schüler kleine Filme mit der Stop-Motion-Technik. Dabei werden mehrere Einzelaufnahmen gemacht, die später zusammengefügt werden. Foto: Schloß-Gymnasium Benrath

Raimund Millard ist vor vier Jahren als Schulleiter an das Gymnasium gewechselt. Weit hatte er es dabei nicht: Er leitete vorher die Realschule Benrath, die sich mit dem Gymnasium das Gelände und die Gebäude teilt. Nicht nur räumlich stehen sich die beiden Schulen nahe. „Wir sind äußerst gut vernetzt“, sagt Millard. „Es gibt eine Durchlässigkeit in beide Richtungen: Realschüler, die das Abi machen wollen, kommen zu uns und schaffen das in der Regel auch. Und Schüler, die in den ersten Jahren am Gymnasium merken, dass es vielleicht doch nichts für sie ist, wechseln problemlos zur Realschule.“ Und müssen dafür nicht mal das Gebäude verlassen. Das Schloß-Gmynasium wurde am 29. April 1907 als „Höhere Knabenschule“ im Gebäude des alten Benrather Bürgermeisteramtes an der Hildener Straße eröffnet. Der Umzug ins Schloss Benrath erfolgte 1912. Im Sommer 1980 wurden schließlich auch die Räume im Schloss zu klein und die Schule zog mit rund 700 Schülern in den Komplex an der Hospitalstraße um, den sie sich seitdem mit der Realschule teilt. „Ursprünglich war dieser Komplex für zwei dreizügige Schulen geplant. Mittlerweile ist das Gymnasium vierzügig und die Realschule viereinhalbzügig“, sagt Millard.

Alleinstellungsmerkmal der Schule ist die Sternwarte, die sich hinter den Sporthallen auf dem Schulgelände befindet. Jan war schon oft mit der Astronomie-AG dort und kennt die drei Teleskope genau. Jeden Dienstag nach dem Unterricht beobachteten er und seine Mitschüler Sonnenflecken oder suchten nach schwarzen Löchern. Ein absoluter Höhepunkt für die Schüler war der Blutmond im Januar. In den frühen Morgenstunden schob sich der Mond in den Schatten der Erde und leuchtete deshalb blutrot. Auch Schulleiter Raimund Millard schwärmt noch heute von diesem Ereignis. Auch oder vor allem weil sich viele interessierte Düsseldorfer an diesem Morgen unter die Schulgemeinschaft mischten. „Ziel ist es, die Sternwarte einmal im Monat für alle interessierten Bürger zugänglich zu machen“, sagt er. Mit dem Projekt „Sternstündchen“ ist ein Anfang bereits getan. Die vierten Klassen von zehn Düsseldorfer Grundschulen werden dabei eingeladen, die Sternwarte zu erkunden. Bei ihrem Besuch in der Sternwarte dürfen die Grundschüler durch die Teleskope schauen, lernen die Sternbilder kennen und erstellen Modelle des Planetensystems.

Auch eine Kooperation mit dem Netzwerk ZDI (Zukunft durch Innovation) hat der Schulleiter jüngst an Land gezogen. In sieben Workshops wurden die Schüler der 8. und 9. Klassen an Themen wie 3-D-Druck und Gaming herangeführt. In der Oberstufe führte das ZDI zuletzt ein Chatbot-Seminar durch.

Abiturientin Sheyda wird vor allem die Kooperation mit der Heine-Uni in Erinnerung bleiben. Ihr verdankt sie einen eindrucksvollen Besuch der Mittelmeer-Insel Elba. Mit einem Mikrobiologen der Uni, Studenten und drei Mitschülern sammelte sie Müll, kartierte und klassifizierte ihn und nahm Wasserproben. „Es war wirklich erschreckend, wie viel Müll wir fanden“, sagt Sheyda. „Das zeigt, wie wichtig es ist, sich im Alltag bewusster mit dem Thema auseinanderzusetzen.“

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