Warum zwei Schauspieler mit einem Fiat-Panda in die Mongolei reisen

Mongol-Rally : Mit dem Fiat-Panda in die Mongolei

Die Düsseldorfer Schauspieler Sebastian Tessenow und Florian Lange fahren in den Sommerferien mit dem Auto nach Ulan Bator. Das Projekt ist eine Benefizaktion für ein SOS Kinderdorf.

Sommerzeit – Ferienzeit. Auch für Sebastian Tessenow (34) und Florian Lange (45). Doch die beiden bekannten Gesichter des Schauspielhauses verbringen die sechs Wochen ‚spielfreie Zeit’ in diesem Jahr weder mit Faulenzen am Strand noch mit meditativen oder sportlichen Gebirgswanderungen. Wenn Lange morgen seinen letzten Auftritt in „Hamlet“ hinter sich hat und Tessenow Samstag in „Fabian oder der Gang vor die Hunde“ – dann steht ihnen ein vermutlich strapaziöses Abenteuer mit dem Auto bevor. Mehr als 11 000 Kilometer fahren die beiden großgewachsenen Männer in einem kleinen marineblauen Fiat Panda in die Mongolei. Als Teilnehmer der „Mongol-Rally“ überführen sie das Auto - zugunsten des SOS Kinderdorf in Ulan Bator. Mindestens müssen 1000 Pfund als Spende herauskommen. Tessenow schmunzelt: „Man muss verrückt sein, um daran teilzunehmen.“ Aber es gehe nicht nur darum, Geld zu spenden und Gutes zu tun, sondern „die meisten lockt das Abenteuer“. 250 Teams sind jetzt am Start, aus ganz Europa und den USA. Bedingung: ein altes Auto ohne Navi, nicht mehr als 1,2 Liter. Zugelassen sind keine bequemen Kutschen, sondern nur Motorräder und Kleinwagen.

Der Panda muss 500 bis 600 Kilometer pro Tag zurücklegen

Abenteuer sind garantiert, in mehrfacher Sicht. Zunächst zwängen sich Sebastian und Florian, die sich vor drei Jahren im Schauspielhaus-Ensemble kennenlernten und mittlerweile gut befreundet sind, in den Panda mit Rallystreifen, Baujahr 1992. „Vierrad-Antrieb, robuster Motor, Verbrauch 9 bis 10 Liter, Tank fasst 33 Liter“, erklärt Sebastian. Zwei Kanister à 20 Liter als Reserve seien notwendig. Als Hobby-Handwerker und passionierter Autofahrer kann er, wenn’s eng wird, einen Ölwechsel vornehmen oder Reifenpannen beheben. Muss auch sein. 500 bis 600 Kilometer pro Tag müssen sie zurücklegen – egal bei welchem Wetter, auch durch Gebirge – wenn sie rechtzeitig ankommen wollen. „Wir haben nicht viel Zeit, nur eine Woche Puffer ist eingeplant.“

Das Rally-Duo macht es sich nicht leicht, nimmt nicht die direkte Route in die Mongolei über Russland. Sondern vom Rally-Start in Prag am 22. Juli geht’s über den Balkan in die Türkei. Stationen von Bulgarien aus: Schwarzes Meer, Iran, Kaspisches Meer, Usbekistan, Kasachstan, Russland und Mongolei. Es geht durch fast alle Klimazonen, über extreme Bodenbeläge und Höhenmeter. In Ulan Bator werden sie den Scheck ans Kinderdorf überreichen.

Den Panda wollten sie spenden, müssen ihn aber wieder einschiffen, weil, nach Mongolei-Recht, 6000 Dollar Einfuhrzoll fällig wären. Per Flugzeug geht’s Ende August zurück nach Düsseldorf, wo sie kurz durchatmen können, bevor die ersten Proben für die neue Saison beginnen. „Das macht man nur einmal, noch in unserem Alter“, sagen sie. Trotz Vorfreude auf Kennenlernen von vielen Kulturen - spüren sie kurz vorher Panik? Nein. Aber: „Mit jedem Tag steigt Respekt vor der Reise.“ Außerdem: „Es könnte zur Zerreißprobe für unsere Freundschaft werden“, vermuten sie.

Mit den Vorbereitungen begann das Duo vor Monaten. Einen Teil der Kosten (Verpflegung, Benzin etc.) zahlen sie aus eigener Tasche. Für den Aufwand (Bürgschaft von 5000 Dollar, Visa, Ausrüstung etc.) starteten sie im Dezember ein Fundraising unter www.bringdenpanda.de. Spender sind willkommen. Gegenleistung: Sie können sich während der Rally-Reise Zeit auf der Website einloggen und an Etappen und Erlebnissen virtuell teilnehmen. Täglich wird gepostet, garantieren sie. Vom ersten Streit (nicht ausgeschlossen bei fünf Wochen auf engem Raum), bis zu Pannen, Landschaftserlebnissen und dem Überreichen des Schecks. Detailliert planen sie nicht nur die Route, sondern auch Gepäck. Neben Ernährung für den Notfall, Wasser-Kanister, Walky-Talkys, Ladegerät, Klamotten, Schlafsäcke und Zelt müssen sie im Panda auch Medikamente verstauen. Florians Schwester ist Medizinerin: sie versorgt sie mit einer Reise-Apotheke. Risikofaktor: Wie Grenzbeamte auf dem Balkan und in Ländern wie Usbekistan reagieren? Lassen sie die beiden einfach passieren? „Für alle Fälle müssen wir Bestechungsgelder einstecken.“

Was ist mit Köperhygiene? Regelmäßig duschen? „Eher unwahrscheinlich“, lächeln sie. Eher: Baden in Flüssen, Seen und Meer, dort auch T-Shirts und Unterwäsche waschen und auf einer Wäscheleine im Auto aufhängen. Nicht nur auf diese Fotos darf man schon gespannt sein. Na dann, gute Fahrt!

Spenden, auch ab 10 Euro, sind willkommen:

www.bringdenpanda.de

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