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Die Düsseldorfer Kunstakademie öffnet sich nur minimal

Bildung : Die Kunstakademie öffnet sich nur minimal

Meinung In Corona-Zeiten rächt sich die Technikfeindlichkeit der Einrichtung. Der Forderungskatalog der Studenten ist lang.

Architekt Karl-Heinz Petzinka hat den besten Draht zu Ministerpräsident Armin Laschet, dem er gerade die Staatskanzlei umbaut. Der Kontakt als Rektor der Kunstakademie zu seinen Studenten hat jedoch Ladehemmungen. Zwar berief Petzinka soeben für den 29. Juni die von der Studierendenvertretung ersehnte Senatssitzung ein, aber er schränkt sogleich ein, man halte die Sitzung nur ab, wenn genügend Teilnehmer kommen. Falls also Professoren in den USA oder in anderen Ländern weiterhin festsitzen, ist die Einladung für die Katz.

Das Problem der Kunstakademie ist ihre Technikfeindlichkeit. Die meisten Professoren sind geradezu stolz darauf, dass sie den Nachwuchs vorrangig in den traditionellen Fächern ausbilden, also in Malerei, Bildhauerei, Grafik und Fotografie. Darauf baute sich der gute Ruf des Hauses auf. Aber ausgerechnet in Corona-Zeiten verspielt die Hochschule diesen Ruf. Der Forderungskatalog der Studenten an das Rektorat gleicht passagenweise einer Mängelliste, weil die IT-Kapazitäten fehlen. Offensichtlich stehen Professoren hilflos vor Telefonkonferenzen mit 80 Leuten, wenn plötzlich die Internetverbindung zusammenbricht. Dass man selbst Senatssitzungen online abhalten könnte, wird verneint, weil man offensichtlich nicht weiß, wie man das handhaben soll.

Massiven Ärger erzeugt das Rektorat weiterhin durch die Zutrittsregeln, die ein Arbeiten in Ateliers und Werkstätten unmöglich machen. Der Rektor kann jedoch den Schwarzen Peter nicht auf die Landesregierung schieben. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat am 1. und 10. Mai im Einvernehmen mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft den Lehr- und Prüfungsbetrieb zu Corona-Zeiten neu organisiert. Nach diesen Anweisungen sind sehr wohl „Präsenzveranstaltungen“ möglich, also Veranstaltungen, bei denen Arbeitsräume, Labore, Tonstudios und Ateliers unter Achtung der Hygiene-Bestimmungen benutzt werden können. Bis zu 20 Personen dürfen daran teilnehmen. An anderen Kunstakademien funktioniert das, in Düsseldorf nicht. Hier gibt man dem Drängen der Studenten lediglich insofern nach, dass sie jetzt in ihre Ateliers eintreten können, aber nicht zum Arbeiten, sondern nur ihre Utensilien zusammenpacken. Wie sie sie abtransportieren und wo sie sie lagern, ist ihre Sache.

Im übrigen verkündet das Rektorat, die gesamte Gremienarbeit sei gestrichen. Damit können aber keine Berufungen vorbereitet werden, die in der Regel zwei Jahre dauern und dringend notwendig sind angesichts einer hohen Altersstruktur im Haus. Alle Fragen, die mit qualitätsverbessernden Maßnahmen zusammenhängen, sind nicht möglich. Selbst die Verteilungskämpfe ums liebe Geld sind also am Eiskellerberg auf Eis gelegt.

Die Studenten sollten jedoch eines wissen: Spätestens im nächsten Jahr, wenn im gesamten Land NRW der 100. Geburtstag von Joseph Beuys gefeiert wird, sollte der offene Diskurs auch in der Kunstakademie wieder möglich sein.