Der Fall Hennes: Katholikenrat plädiert für Kompromiss

Amtsenthebungsverfahren : Der Fall Hennes: Katholikenrat plädiert für Kompromiss

Oberbürgermeister wandte sich direkt an den Kardinal. Pfarrgemeinderat hält sich in der Sache zurück.

Das Amtsenthebungsverfahren gegen den Düsseldorfer  Stadtdechanten Ulrich Hennes sorgt für Ratlosigkeit in Düsseldorf. Zuvor hatte sich auch Oberbürgermeister Thomas Geisel eingeschaltet. In einem Brief an Kardinal Rainer Maria Woelki forderte er, dass der Pfarrer vollständig rehabilitiert wird, nachdem die strafrechtlichen Ermittlungen mit einem „Freispruch Erster Klasse“ beendet worden waren. Nachdem die Entscheidung gegen Hennes bekannt wurde, sprach Geisel nun von einem einsamen und intransparenten Verfahren. Marco Schmitz, Beisitzer im Düsseldorfer Katholikenrat, wünscht sich, dass ein Kompromiss gefunden und nicht noch mehr Porzellan zerschlagen wird. Der Pfarrgemeinderat von St. Lambertus hält sich dagegen zurück.

Katholikenrat: Es ist viel Porzellan zerschlagen worden

Bereits seit Mitte März ist der Stadtdechant vom Kölner Erzbistum suspendiert. Zunächst sollten die strafrechtlichen Ermittlungen abgewartet werden. Angeblich sollte der Pfarrer von St. Lambertus einen Geistlichen aus dem Priesterseminar sexuell belästigt haben. Die Ermittlungen ergaben, dass diese Vorwürfe strafrechtlich absolut haltlos waren. Danach wurde allerdings noch ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet. Dieses endete mit dem Beschluss des Kardinals, gegen Hennes ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten. Der suspendierte Stadtdechant hatte immer wieder bestritten, dass es zu sexuellen Handlungen gekommen war.

In seinem Brief an den Kardinal erklärte Geisel, dass es ihm fern liegt, sich in innerkirchliche Angelegenheiten zu mischen. Er fordert Woelki trotzdem dazu auf, die Angelegenheit zu beenden: „Nach meiner Wahrnehmung wurde seitens der Kirche zu Beginn des Verfahrens, also zum Zeitpunkt der Suspendierung von Ulrich Hennes, der Eindruck erweckt, man werde den Ausgang des Verfahrens ganz maßgeblich davon abhängig machen, ob sich die seinerzeit erhobenen strafrechtlichen Vorwürfe gegen Ulrich Hennes erhärten beziehungsweise bestätigen sollten. Dieses Verfahren endete bekanntlich mit einem Freispruch, und zwar einem Freispruch erster Klasse, da sich die erhobenen Vorwürfe nicht nur nicht beweisen ließen, sondern nachhaltig entkräftet wurden.“ Wenn seitens der Kirche nunmehr offenbar völlig andere Maßstäbe und Kriterien für die Beurteilung des Verhaltens und der Person von Ulrich Hennes Anwendung finden, könne der Eindruck entstehen, dass hier nachgekartet werde.

Marco Schmitz, Beisitzer im Düsseldorfer Katholikenrat, bedauert, dass es zu dieser Eskalation gekommen ist: „Ich finde es sehr unglücklich, dass dieses ganze Verfahren öffentlich ausgetragen wurde.“ Gerade wenn es um einen Missbrauchsfall gehe, müsse mit der ganzen Härte des Gesetzes vorgegangen werden: „Hier hat aber strafrechtlich nichts vorgelegen. Hier ist inzwischen sehr viel Porzellan zerschlagen worden.“ Nun müsse eine Lösung gefunden werden, „nach dem beide Seiten gesichtswahrend raus gehen können. Die Kirche und der Pfarrer.“ Wie Schmitz betont, sei das Amtsenthebungsverfahren ja noch keine Entscheidung. Ulrich Hennes habe darin Gelegenheit, sich gegen die Vorwürfe zu wehren. An einer weiteren Eskalation könne niemand Interesse haben.

Eine Art Schockstarre herrscht dagegen in der Pfarrgemeinde St. Lambertus, wo Hennes als Seelsorger sehr beliebt ist. „Ich möchte dazu keine Antwort geben“, so Peter Buschmann, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, „ich habe dieses Ehrenamt angetreten, um loyal gegen die Kirche und den Pfarrer zu sein.“

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