Der Greta-Effekt motiviert eine Düsseldorfer Schule

Schule : Der Greta-Effekt motiviert eine Schule

Das Leibniz-Montessori-Gymnasium veranstaltet zwei Klima-Projekttage. Damit greift die Schule das Engagement der Schüler auf.

Auf dem Schulhof des Leibniz-Montessori-Gymnasium bauen Nele und Tobias gemeinsam ein Insektenhotel. „Wir bauen ein Haus mit Garage“, sagt die 16-jährige und zeigt auf die die Silhouette des Holzhauses. Dazu haben die beiden Schüler aus der Q1 zunächst ein Haus entworfen, das Schnittmuster erstellt und Holzstücke aussägen lassen. „Im Innenbereich wollen wir Bereiche für die verschiedenen Insekten gestalten“, sagt Nele und hämmert mit zwei Nägeln ein Holzstück fest. „Und auf die Garage kommt eventuell noch ein Dachgarten“, sagt Tobias.

Die Aktion findet im Rahmen der Klima-Projekttage statt, an denen sich alle Klassen des Leibniz-Montessori-Gymnasium zwei Tage lang beteiligen. „Wir haben das große Engagement von Schülern in der Fridays-for-Future-Bewegung vernommen“, sagt Christoph Scherzer. Er ist einer der beiden Lehrer, die den Projekttag koordinieren. Das wolle die Schule an der Scharnhorststraße aufgreifen und unterstützen. Mit einiger Zeit Vorlauf und großem Elternengagement konnte das Gymnasium die Klima-Projekttage am 19. und 20. September umsetzen.

Schüler, Eltern und Lehrkräfte haben ein eindrucksvolles Programm aus 36 Veranstaltungen zusammengestellt, die sich mit den Themen Klima und Umwelt auseinandersetzen. „Im Unterricht merke ich, dass das Thema die Schüler beschäftigt, vor allem die Frage der Dringlichkeit“, sagt Scherzer. Die einzelnen Veranstaltungen zeigten, was jeder einzelne tun könne. „Das soll keine Eintagsfliege sein. Wir überlegen, was in der Schule weiter passieren kann“, sagt Scherzer und nennt als Beispiel Mülltrennung oder vegetarisches Essen in der Mensa. Neben Vorträgen und Filmen können die Schüler selbst ausprobieren, welche Möglichkeiten es gibt, klimafreundlich zu leben.

Im Raum 205 zeigen ehrenamtliche Kompostberater der Awista ein paar Schülern, wie sie einen Minikompost anlegen können. In einem Einmachglas stapelt die 11-jährige Greta Zeitungspapier, Erde, Obst- und Gemüsereste aufeinander. In das Glas mit dem Minikompost setzt sie Feuerkäfer und kleine Würmer, die in den kommenden Wochen dafür sorgen werden, dass die Essensreste zu Kompost werden. „Es ist wichtig, dass wir uns an der Natur orientieren, ohne sie zu zerstören“, sagt Kompostberaterin Elfriede Ungerer. Man könne ja sehen, dass der natürliche Kreislauf bestens funktioniere.

Nebenan leiten Svenja Kruse-Glitza und Dagmar Kohl mehrere Schüler beim Upcycling an. Auf den Tischen stehen mehrere Nähmaschinen. Stofffetzen, Scheren und Schnittmuster werden hin- und hergereicht. Zum Nähen werden alte Oberhemden, Jeans und Stoffreste genutzt. Daraus sollen Lavendelsäckchen, Utensilos und Schlüsselanhänger entstehen. „Ich wollte man schauen, wie das geht und was ich zu Hause machen kann“, sagt Ludmilla aus der 6. Klasse. Sie hat ein altes Oberhemd ihres Vaters mitgebracht, das bereits als Malkittel genutzt wurde. Daraus will sie nun ein Lavendelsäckchen machen. „Die Schüler sollen erfahren, dass man nicht alles wegwerfen muss“, sagt Svenja Kruse-Gliza. Die gelernte Schneiderin weiß aus ihren Kursen in der OGS, dass die meisten Kinder gar nicht mehr wissen, wie man zwei Stücke Stoff zusammennäht. „Die Erfahrung soll sein, kreativ zu werden und zu merken, ich kann etwas selbst machen“, sagt sie.

Auf dem Schulhof basteln mehrere Schüler der 5. und 6. Klassen einen Solarkocher, der fast futuristisch anmutet. Dazu wird eine Pappe mit einer silberfarbenen Rettungsdecke beklebt und anschließend gefaltet, bis man sie zu einem Trichter formen kann.

„Wenn man das Band mit einer Häkelnadel durch die vorgeborten Löcher fädelt, entsteht eine Art Höhle“, sagt der elf Jahre alte Daniel. Diese bündelt die Sonnenstrahlung und leitet sie in ein schwarz angemaltes Honigglas, das mit einem Bratschlauch ausgelegt ist. „Ich finde es faszinierend, dass der Solarkocher ohne Strom funktioniert“, sagt Jonathan, der mit Daniel zusammenarbeitet. „Es ist schon praktisch, wenn man keinen Strom braucht“, sagt Daniel.

Im Rahmen der Projekttage können Schüler außerdem ihre Wünsche, Anregungen und Forderungen zum Thema Klimaschutz zu äußern. Diese werden Thema auf der Vollversammlung am Freitag sein, auf dem die Schülervertreter die Veränderungswünsche zusammentragen. Im Anschluss an die Vollversammlung planen mehrere Klassen eine pädagogisch begleitete Fachexkursion zur Großdemonstration „Fridays for Future“.

Mehr von Westdeutsche Zeitung