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Was wir von den Indianern am Amazonas lernen können

Was wir von den Indianern am Amazonas lernen können

Der Verein Indianerhilfe lädt am Samstag zur Hauptversammlung ein. Dabei blickt Bernhard Rappert nicht nur auf die medizinischen Erfolge unter seinem jetzt 20-jährigen Vorsitz. Auch zwei Wissenschaftler werden berichten, weil der Verein insgesamt über 50 Jahre tätig ist.

Burscheid.Seit 20 Jahren ist der Burscheider Mediziner Bernhard Rappert Vorsitzender des Vereins Freundeskreis Indianerhilfe. Und seit mehr als 50 Jahren gibt es den Verein. Das soll am kommenden Samstag gefeiert werden.

Zwar steht eigentlich an diesem Tag nur die Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen des Vorstandes an, doch nimmt Rappert die beiden „Jubiläen“ zum Anlass, die vereinsüblichen Formalien eher im Hintergrund abzuhaken. „Wir wollen schon ein bisschen feiern“, sagt er und hofft auch auf den Besuch aus der Bevölkerung. Es gehe aber nicht nur um ein nettes Zusammensein, sondern auch um Informationen über das Volk der Urarinas, das die Indianerhilfe seit vielen Jahrzehnten medizinisch unterstützt. Was tausende Kilometer entfernt am Amazons geschieht, biete nicht nur eine interessante Perspektive aus mitmenschlicher Sicht. „Was dort passiert, geht uns konkret an“, sagt der Burscheider Herzspezialist. „Die Abholzung des Regenwaldes hat für uns auch klimatische Folgen.“ Deutlich zu sehen seien die direkten Folgen für Rappert und seine Kollegen vor Ort gewesen. „Dadurch, dass Schneisen in den Wald geschlagen wurden, stirbt auch der Wald daneben, da der Humusboden austrocknet. Es wird alles zersteppt“, beschreibt der Vorsitzende der Indianerhilfe eine Folge des Raubbaus. Zurück blieben baumlose Graslandschaften.

„Aber auch gesellschaftlich können wir viel von den Urarinas lernen“, sagt Rappert. „Die Lebensweise der Menschen kann uns etwas sagen. Sie strahlen trotz ihrer aus unserer Sicht armen Verhältnisse eine große Zufriedenheit aus. Wo sieht man das hier noch, obwohl wir alles haben?“

Bei derartigen Erkenntnis- oder Lernprozessen schließt er auch seine Ärzte-Kollegen ein. Seit April arbeiten in der Station zwei deutsche Ärztinnen. Hannah Seeba (Kinderärztin) und Sarah Schwannecke (Internistin). Anders als hier im Zeitalter von „Dr. Google“ und medizinischen Diagnosen via Internet müsste die jungen Kollegen dort noch sehr genau abfragen und beobachten, was die Wurzel des Übels sein könne. Und dies seien Erfahrungen, die ihre ärztliche Kompetenz später auch in der Zivilisation ausmachten. „Sie werden dort selbstständig“, sagt Bernhard Rappert, der erst im kommenden Jahr wieder persönlich im Amazonasgebiets Perus nach dem Rechten sehen wolle.

Nicht nur der Burscheider wird am Samstag übrigens in Wort und Bild über die Arbeit berichten. „Es soll schon etwas Besonderes werden“, sagt er. Deshalb habe man auch zwei externe Wissenschaftler eingeladen. „Es gibt nur zwei Anthropologen, die mit den Urarinas gearbeitet haben. Einer davon, Professor Harry Walker aus London, wird bei uns zu Gast sein.“ Er wird einen kurzen Vortrag über die Ziele und Erwartungen der Urarinas in Englisch halten. Für die Übersetzung sei gesorgt.

Der zweite Gast ist Prof. Dr. Louis Niessen aus Rotterdam. Thema seines Vortrags ist „Wellbeing, poverty and value in global health“, was mit „Wohlbefinden, Armut und Werte in der globalen Gesundheit“ übersetzt werden könne. Niessen ist Professor in Rotterdam und Baltimore, war lange Zeit in Peru, Nepal und Indien. Erwartet werden neben dem aus ganz Deutschland anreisenden Vorstand der Indianerhilfe auch viele „Ehemalige“, Ärzte, die in den vergangenen Jahren für und mit der Indianerhilfe gearbeitet haben.