Netzgesellschaft sorgt für Unruhe

Netzgesellschaft sorgt für Unruhe

Weil ein Schreiben zur Abrechnung nicht präzise formuliert ist, denkt Manfred Lichtenberg, dass künftig keine Ableser mehr kommen. So ganz unrecht hat er vielleicht nicht.

Burscheid. Manfred Lichtenberg ärgert sich. Ende Juli flatterte ihm ein Brief ins Haus von der Rheinischen Netzgesellschaft (RNG) in Köln. Darin wird er gebeten, die Zählerstände seines Gas- und Stromzählers zu fotografieren und zwecks Abrechnung per Mail binnen zwei Wochen zu übermitteln.

„Ich bin 84 Jahre alt, habe weder Handy noch Internet“, sagt der Mann aus Kaltenherberg. Und dann schildert er, was er noch alles tun müsste, um den „Service“ des Abrechnungsdienstleisters für den Energieversorger Rheinenergie tatsächlich nutzen zu können. „Einen Fotoapparat habe ich wohl. Hierzu müsste ich aber zu einem Fotogeschäft, um mir das Bild ausdrucken zu lassen. Dann müsste ich es in einen Umschlag stecken und frankiert an die RNG senden.“

Zu teuer, zu umständlich, zu aufwendig — findet auch Christian Meuthen, Geschäftsführer der Stadtwerke. Meuthen ist zwar nicht direkter Ansprechpartner mehr, als Chef des Burscheider Versorgers aber dennoch sehr wohl daran interessiert, was mit den ehemaligen Burscheider Gaskunden geschieht. Durch die Übernahme der Belkaw, die wiederum eine hundertprozentige Tochter der Rheinenergie ist, dürften die meisten Kunden nun von dem Bergisch Gladbacher Versorger betreut werden. Doch auch Meuthen ist irritiert von dem Schreiben, das der Geschäftsführer „ungeschickt formuliert“ findet.

Tatsächlich steht in dem Brief der Rheinischen Netzgesellschaft nichts davon, dass man laut Meuthen künftig sehr wohl weiter auch die Daten einfach telefonisch übermitteln kann. Aber auch damit kann sich Manfred Lichtenberg nicht anfreunden. „Natürlich könnte ich die Zählerstände selbst ablesen. Aber durch die Übernahme der Stadtwerke sollte für die Kunden kein Nachteil entstehen. Und ich sehe nicht ein, dass wir die Arbeit für das eingesparte Personal übernehmen sollen.“

Um Einsparungen gehe es aktuell nicht, sagt Meuthen. „Es werden auch weiter Menschen zum Ablesen kommen.“ Nach Gesprächen mit dem neuen Netzbetreiber habe er aber von momentanen Kapazitätsproblemen gehört. „Aber natürlich hat die neue Gesellschaft ihre Prozesse, die sie jetzt auf Burscheid übertragen wird.“ Gemeint sei damit aber nicht, dass alle Kunden künftig nur noch ihre Zähler fotografieren und dann an den Abrechnungsservice mailen sollen. „Das ist ein zusätzlicher Weg, der da angeboten wird.“ Tatsächlich steht in dem Schreiben der Rheinischen Netzgesellschaft: „Dazu (zum Ablesen; Anm. der Redaktion) bieten wir ihnen ab sofort einen neuen Übermittlungsweg an.“ Kein Wort davon, dass selbstverständlich auch die „alten“ Wege“ gelten. Und unter Druck gesetzt werden sich zumeist ältere Leute auch durch den abschließenden Satz fühlen: „Wir bitten um Übermittlung binnen zwei Wochen ab Erhalt dieses Schreibens.“

Die Stadtwerke hätten früher übrigens immer bewusst auf Ableser gesetzt, sagt Meuthen. „Wir waren sehr bemüht, in die Haushalte zu kommen. Auch um die Übermittlung falscher Zählerstände zu verhindern.“

Mit einem Foto kann dies natürlich auch verhindert werden. Und tatsächlich sind zumindest Zweifel erlaubt, ob der Ableser tatsächlich noch ein Job mit Zukunft ist.

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