Noch tausend Worte: Mach den Mund auf, Eddie

Noch tausend Worte: Mach den Mund auf, Eddie

Der US-Schauspieler Eddie Murphy muss in „Noch tausend Worte“ schweigen, dabei bleibt aber die Komik auf der Strecke.

Düsseldorf. Einem Komiker das Sprechen zu verbieten, kann nach hinten losgehen. US-Schauspieler Eddie Murphy (51) zum Beispiel sagt von sich selbst, er brauche die Sprache, um witzig zu sein. Wenn ihm ein Film per Titel dann nur „Noch tausend Worte“ genehmigt, wird’s eng.

Als Literaturagent Jack McCall quasselt Murphy jeden an die Wand. Seine Ehefrau, seine Kollegen, seinen Therapeuten. Er wirft mit bedeutungslosen Phrasen um sich, jongliert mit Worthülsen und lässt sich selbst dabei kaum Zeit zum Atmen.

Krasser Kontrast dazu ist der Guru Dr. Sinja (Cliff Curtis, „Colombiana“), der nicht nur beim Sprechtempo auf die Bremse tritt. Weiß gewandet schreitet er bedächtig durch eine Anlage, in der seine Jünger meditieren. Als McCall Sinjas Werk zum Bestseller machen will, entlarvt der Guru den egozentrischen PR-Mann als uninformierten Schwätzer. Und verflucht ihn.

In McCalls Garten steht plötzlich ein Baum, der mit jedem Wort von ihm ein Blatt verliert. Mit dem letzten, dem tausendsten Blatt endet sein Leben — wenn er den Fluch nicht abwenden kann. Als wäre es für die Zuschauer nicht offensichtlich genug, erklärt es Sinja auch noch mal.

Natürlich muss jetzt McCalls Frau (Kerry Washington) eine Debatte über ihre Ehe anzetteln und diese im knappen Lack-Outfit auf einem Hotelzimmer wiederbeleben wollen. Natürlich nutzt McCalls tapsiger Assistent die Gunst der Stunde und tobt sich in Kundengesprächen aus. Die Mischung aus nackter Haut, peinlichen Eskapaden und alberner Verblüffung wirkt dabei jedoch mehr angestrengt als witzig.

Kein Wunder, dass der Film in den USA floppte. Im Internet hält sich zudem konsequent das Gerücht, der Film sei schon 2008 abgedreht worden und dann für Jahre im Giftschrank gelandet. Eine Sprecherin des deutschen Filmverleihs Paramount sagt: „Davon ist uns nichts bekannt.“

Gut, Murphy zieht aus der Not heraus in Sachen Grimassenschneiden mit Jim Carrey gleich. Wenn er Telefongespräche mit Hilfe sprechender Spielfiguren führt, ist das nett anzusehen. Aber auf Dauer wirkt es zäh, als hätten sich Drehbuchautor Steve Koren und Regisseur Brian Robbins („Smallville“) von Gag zu Gag hangeln müssen.

Mal scheint der Film einen ernsthaften Ansatz zu haben, nutzt aber die Holzhammer-Methode, um dem Publikum die Redensart „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ näher zu bringen. Dann wieder versucht „Noch tausend Worte“ komisch zu sein. Letztendlich funktioniert keine der beiden Ideen.

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