Der WSV als Vorzeigemodell

Die Szene zieht den Hut vor dem Oberligisten ob des Managements bei der Neustrukturierung.

Wuppertal. Während beim WSV die Entscheidung über die erwartete Eröffnung des Insolvenzverfahrens keine Jubelszenen hervorrief, dürfte das in einigen anderen Vereinen am Montag anders gewesen sein. Zum Beispiel bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln, die — sportlich eigentlich abgestiegen — nun doch der Regionalliga West erhalten bleibt. Freuen durfte sich darüber vor allem der Trainer und ehemalige WSV-Manager Stefan Engels, aber auch Frank Schäfer, Leiter des FC-Nachwuchszentrums. „Für unseren gesamten Club ist es unheimlich wichtig, dass wir mit unserer U21 in der kommenden Spielzeit in der Regionalliga antreten dürfen“, sagte Schäfer. Er betonte aber auch, dass ihm „andere Begleitumstände natürlich lieber gewesen wären“. Schäfer wünschte dem WSV „einen erfolgreichen Neuaufbau in der Oberliga“.

Die Eröffnung durch das Amtsgericht Wuppertal hat nicht nur Konsequenzen für die Regionalliga, sondern auch für Vereine der Landesliga. So ist neben dem Bonner SC auch der SSV Merten in die Oberliga aufgestiegen, und der SV Straelen darf auch in der nächsten Saison in der Landesliga antreten, obwohl die Niederrheiner sportlich eigentlich abgestiegen waren.

WSV-Vorstandssprecher Alexander Eichner nahm die Nachricht von der Insolvenzeröffnung am Montag eher nüchtern auf. Für den Restrukturierungsexperten keine Besonderheit, eher täglich Brot. Begeistert äußerte er sich aber darüber, wie gut die einzelnen Gruppen des Verwaltungsrats, die sich verschiedenen Themen widmen, zusammenarbeiten würden. „Nach dem 24. Mai (Datum der Außerordentlichen Jahreshauptversammlung, Anm. d. Red.) haben uns zahlreiche Leute zur Wahl gratuliert. Ganz Fußball-Deutschland guckt auf Wuppertal. Es bringt uns zwar nichts, wenn alle sagen: ,Ihr macht das toll.’ Aber vielleicht können wir wirklich zeigen, dass es in Wuppertal anders läuft als bei anderen Vereinen. Es ist uns gelungen, ein Managementsystem aufzustellen, das sinnvoll und effizient ist. Wir entwickeln uns Schritt für Schritt weiter“, sagt Eichner.

Dass die Wuppertaler den neuen Kurs honorieren, zeigte das Interesse am Testspiel gegen den SC Verl am vergangenen Samstag, als über 400 Besucher die Partie verfolgten. Vorrangiges Ziel sei es, den WSV im gesellschaftlichen Leben Wuppertals wieder fest zu verankern.

Dazu gehört auch, dass der WSV darüber nachdenkt, eine Golfabteilung zu gründen. Deshalb gibt es am 10. August einen Golf-Schnuppertag auf Mollenkotten. „Alle Trainer stehen zur Verfügung, nachmittags gibt es eine Präsentation. Außerdem veranstaltet der WSV am 6. September ein Charity-Golfturnier mit ehemaligen Profifußballern. Der Erlös könnte der WSV-Jugend zugutekommen. Wir wollen neben den bekannten Abteilungen neue Angebote schaffen und so dafür sorgen, dass der WSV zu einem allgemeinen Sportverein wird“, sagt Barbara Neusel-Munkenbeck, die im Verwaltungsrat für Aktivitäten der Abteilungen zuständig ist.

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