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Gladbach: Was Jupp Heynckes zum Tod von Hans-Jörg Criens sagt

Nachruf : Was Jupp Heynckes zum Tod von Hans-Jörg Criens sagt

Im Alter von 59 Jahren stirbt der ehemalige Stürmer Hans-Jörg Criens von Borussia Mönchengladbach. Sein Tod erschüttert viele Menschen nachhaltig.

Es gibt diese Spiele, die einen Fußball-Profi unsterblich machen. Mit denen man Zeit seines Lebens in Verbindung gebracht wird.  Für Hans-Jörg Criens war der 1. Mai 1984 ein solcher Tag, mehr 35 Jahre ist das her: ein Tag, der in der Bundesliga-Geschichte von Borussia Mönchengladbach unvergessen bleibt. Beim 5:4-Halbfinalsieg im DFB-Pokal gegen Werder Bremen erzielte der seinerzeit 23 Jahre alte Stürmer gut zehn Minuten nach seiner Einwechslung und kurz vor dem Abpfiff den Ausgleich zum 4:4 nach einer Flanke von Hans-Günter Bruns. Und in der Verlängerung (107. Minute) den euphorisch begleiteten Siegtreffer nach Vorbereitung von Uli Borowka im damals ausverkauften Bökelberg-Stadion. Es war die Sternstunde des sympathischen Hünen aus Neuss. Und für die Fernsehzuschauer der ARD bei der erstmaligen Live-Übertragung eines DFB-Pokal-Semifinales das Tor des Monats. Einen Tag darauf spielte Bayern 6:6 gegen Schalke 04 im anderen Halbfinale. Unvergessene Tage des deutschen Fußballs. Und Criens, dieser etwas ungelenke, aber gewiefte Schlaks, der sich in der Offensive gegen die Nationalspieler Frank Mill oder Uwe Rahn und Ewald Lienen lange nicht leicht getan hatte, war mittendrin.

Seit gestern trägt der Borussia-Park Trauer. Am zweiten Weihnachtstag ist der Ex-Torjäger mit 59 Jahren unerwartet an einem Herzinfarkt verstorben.  „Ich bin tief betroffen und kann es immer noch nicht fassen“, sagte sein ehemaliger Trainer Jupp Heynckes gestern gegenüber dieser Zeitung. Sechs Jahre stand Jörg Criens, wie er genannt wurde, weil das Hans oft wegfiel, unter seinen Fittichen. „Jörg hat Emotionen gelebt und das Publikum mitgenommen. Auch in der Kabine war er ein wichtiger Spieler, menschlich einwandfrei“, erzählt Heynckes weiter. „Ich werde nie vergessen, wie er nach seiner Einwechslung gegen Bremen das Spiel spektakulär umgedreht hat. Mit einem fantastischen Kopfballtor in letzter Sekunde zum 4:4 und dem Siegtor in der Verlängerung. Jörg war der Matchwinner im Spiel seines Lebens und auf einmal in ganz Deutschland bekannt.“

Jörg Criens, der im Gladbacher Stadtteil Windberg zu Hause war und in den letzten Jahren zwei bis dreimal in der Woche Krankenfahrten übernahm, hatte eigentlich am zweiten Feiertag Dienst. Doch sein Chef, der Gladbacher Unternehmer Bülent Kaplan von mobitaxx, wartete am Vormittag vergeblich auf seinen Angestellten. Schon bald erfuhr er dann von dessen plötzlichen Tod. „Ich bin erschüttert. Er war ein so liebenswerter Mensch, zuverlässig, immer gut drauf und für einen Spaß zu haben. Noch am Montag habe ich ihn putzmunter erlebt.“

Criens wechselte 1981 vom VfR Neuss zu Borussia Mönchengladbach. In den folgenden zwölf Jahren avancierte der Hüne von 1,89 Meter zu einem Stürmer der Extraklasse. In 290 Bundesligaspielen erzielte er 92 Tore und war drittbester Gladbacher Schütze aller Zeiten. Nur Jupp Heynckes und Herbert Laumen übertrafen den „Langen“, anfangs noch Edeljoker und später ein zuverlässiger Stammspieler. Heynckes: „Er gehörte zweifellos in seiner Zeit zu den besten Stürmern in der Liga.“

Als Anfang der Neunziger Jahre bei Borussia Mönchengladbach der damalige Manager Rolf Rüssmann für frischen Wind sorgte und neue Stürmer am Bökelberg anheuerten, die Martin Max, Martin Dahlin und Heiko Herrlich hießen, ging die Ära von Jörg Criens allmählich zu Ende. Noch eine Spielzeit ging er für den 1. FC Nürnberg auf Torejagd (1993 bis 1995), doch an seine großen Zeiten am Bökelberg konnte er nicht mehr anknüpfen.  Nach seiner Karriere betreute er noch viele Jahre unterklassige Amateur-Mannschaften wie Jungblut Born, Schwarz-Weiß Elmpt oder das Frauen-Team von Tura Brüggen, war zudem fast regelmäßig Gast bei den Heimspielen der Borussia. Als Anfang Mai das neue Vereinsmuseum von Borussia Mönchengladbach eröffnet wurde, tauchte auch Jörg Criens in die „Fohlen Welt“ ein und bestaunte mit alten Gefährten die Exponate und Ausstellungsstücke aus der reichen Geschichte des VfL Borussia, in der auch die „wilde Fahrt“ am Bökelberg vom 1. Mai 1984 mit dem Happy End durch Jörg Criens einen würdigen Platz hat.

 Jörg Criens hinterlässt seine Lebensgefährtin Simone und Sohn Alexander. Und: Das Pokalendspiel 1984 gewann der FC Bayern gegen Gladbach nach Elfmeterschießen. Aber das ist nicht mehr wichtig.