Gladbach widmet Günter Netzer eine Ausstellung in der FohlenWelt

Aus der Tiefe des Raumes : Borussia Mönchengladbach widmet Günter Netzer eine Ausstellung in der FohlenWelt

Dem großen Spielmacher von Borussia Mönchengladbach, Günter Netzer, ist eine Ausstellung im Vereinsmuseum FohlenWelt gewidmet. Christian Kulik erinnert sich an die Zeit, als er als Jungprofi mit dem Fußball-Star zusammenkam.

„Er war der Boss auf dem Feld, ein genialer Spielmacher.“ Christian Kulik gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er von seinem ehemaligen Mitspieler Günter Netzer spricht, von dessen „feinem Füßchen“ und großartigen Übersicht: „Es war eine wahre Freude, ihm zuzuschauen, und menschlich ist er ein Klassetyp.“ Dem wohl schillerndsten Spieler in der Klubgeschichte von Borussia Mönchengladbach ist ab morgen unter dem Titel „Günter Netzer - Aus der Tiefe des Raumes“ eine Ausstellung gewidmet, die im neuen Vereinsmuseum „FohlenWelt“ seine Karriere und sein Leben reflektiert. Zahlreiche Wegbegleiter werden sich bereits heute Abend auf den Weg in den Borussia-Park machen, um Netzer, der am 14. September 75 Jahre alt wird, in Mönchengladbach ihre Reverenz zu erweisen.

Alle ehemaligen Spieler, die seinen Weg begleitet haben - von der Borussia über Real Madrid bis zum Grasshopper Club Zürich - wurden vom Verein eingeladen. Viele haben zugesagt. In der bis zum 15. März 2020 dauernden Ausstellung werden Bilder und Exponate gezeigt, auch Raritäten und bisher nicht veröffentlichte Stücke. Nach Aussage des Vereins werden sogar Künstler, die sich derzeit mit dem Phänomen Netzer auseinandersetzen, ihre Werke exklusiv in der Fohlen Welt präsentieren.

Bei Netzers spektakulärer Selbst-Einwechslung beim 2:1-Pokalerfolg von Borussia Mönchengladbach 1973 im Finale gegen den 1. FC Köln war es ausgerechnet Christian Kulik, der nach einem fantastischen Fußballspiel den „Platz“ frei machte. Mit den Worten „Ich spiel‘ dann jetzt“ schlenderte Netzer vor Beginn der Nachspielzeit – es stand 1:1 - am verdutzten Trainer Hennes Weisweiler vorbei und ersetzte den erschöpften Jungspund Kulik, der bei glühender Hitze im Düsseldorfer Rheinstadion alles gegeben hatte. Rund 20 Sekunden später erzielte Netzer nach Doppelpass mit Rainer Bonhof den Siegtreffer, und Borussia Mönchengladbach war zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte Pokalsieger. Mit seinem dritten Titel verabschiedete sich Netzer, der „King vom Bökelberg“, aus Mönchengladbach standesgemäß und wechselte zu den Königlichen von Real Madrid.

Christian Kulik war 18, als er von Alemannia Aachen zu Borussia Mönchengladbach wechselte und seine ersten Schritte als Profi machte. Die Fohlen Elf war gerade zum zweiten Mal deutscher Meister geworden. „Da hieß es erst einmal, sich hintenanzustellen“, erinnert sich der heute 67-jährige ehemalige Mittelfeldstratege. Damals waren es die Mittzwanziger, die am Bökelberg das Sagen hatten. Wie Wolfgang Kleff beispielsweise, Berti Vogts, Luggi Müller, Hacki Wimmer, Jupp Heynckes oder eben Günter Netzer, damals schon auf dem Weg zu einer Autorität im deutschen Fußball. „Ich war jung, nur ein kleines Licht im Vergleich zu den anderen, aber der Lange stand mir immer zur Seite und hat sich um mich gekümmert“, erzählt Kulik, „er war eine Respektperson, aber alles andere als schwierig und erst recht kein lauffaules Mittelfeld-Genie, wie es hier und da hieß. Er war offen und kommunikativ.“

Netzer, der das Vertikalspiel, also den Raumgewinn durch den Pass in die Tiefe, schon vor 50 Jahren wie aus dem Effeff beherrschte, war nicht nur ein fantastischer Fußballer und Torjäger, sondern hatte auch abseits des Spielfeldes immer eine Idee, war ein bisschen crazy, leicht extravagant und war, wie er einmal gesagt hat, meist im richtigen Moment am richtigen Ort. Der Mann, durch den Mönchengladbach als Stadt Berühmtheit erlangte, wurde später Erfolgsmanager, Unternehmer, Fernsehkommentar und ist Grimme-Preis-Träger. Während seiner aktiven Zeit in Mönchengladbach eröffnete er die Diskothek „Lovers Lane“. Netzer wagte es als Profi bei Real Madrid sogar, einer Einladung nach Las Vegas zu folgen, um heimlich der Hochzeit von Schauspielerin Tina Sinatra Mitte der „Siebziger“ beizuwohnen. Netzer verstand es stets, das Angenehme, wie Fußball, mit dem noch Angenehmeren wie schnelle Autos und Partys, zu verbinden.

„Er war halt eine andere Hausnummer, fußballerisch ein Genie, zudem äußerst geschäftstüchtig“, sagt Christian Kulik, der nach Netzers Wechsel zu Madrid noch acht Jahre am Bökelberg blieb. Kulik wurde mit Borussia Mönchengladbach dreimal Deutscher Meister und zweimal Uefa-Cup-Gewinner. Als „Mr. Europapokal“ und Rekordhalter mit 66 internationalen Einsätzen fand auch er seinen Platz in der Vereinsgeschichte der Fohlen Elf.

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