Karsten Krippner und Matthias Roos im Interview: Der kommende Kader der Pinguine

Karsten Krippner und Matthias Roos im Interview : Der kommende Kader der Pinguine

Struktur und Merkmale des Kaders der Pinguine für die kommende Spielzeit beschreiben Matthias Roos und Karsten Krippner.

Krefeld. Fünf Wochen sind seit dem Saison-Aus für die Krefeld Pinguine vergangen. Die Play-offs gehen in die heiße Phase. Meister München hat sich am Sonntag als erster Club für die Finalserie qualifiziert. Derweil laufen bei den Pinguinen die Planungen für die kommende Spielzeit. Vor allem am Kader arbeiten Geschäftsführer Karsten Krippner und der Sportliche Leiter Matthias Roos.

Herr Roos, ist die Kaderplanung in den fünf Wochen seit Saisonende so gelaufen wie angedacht?

Matthias Roos: Wir sind im Soll, die Planung hat frühzeitig begonnen. Es ist nicht das Ziel gewesen, bereits Ende März einen kompletten Kader zu haben.

Warum haben sich die Pinguine so zurückgehalten mit der Bekanntgabe von Spielern, die den Club verlassen müssen. Köln hat einen Tag nach dem Play-off-Aus kundgetan, sich von vier Spielern zu trennen?

Roos: Jeder wählt seinen Weg. Köln hat es so gemacht, Düsseldorf hat auch eine Woche nach dem Saisonende nichts verlauten lassen. Wir geben Dinge bekannt, wenn wir das für richtig halten.

Herr Krippner, geplant werden kann nur mit dem entsprechenden Budget. Ist klar definiert, was der Center der zweiten Reihe und der Verteidiger Nummer eins kosten darf?

Karsten Krippner: Das Budget für den Kader ist vorgegeben. Wie Geld und Positionen gemixt werden, verantwortet die sportliche Führung in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat.

Lautet die Formel: Mehr Geld ist nur durch mehr Sponsoring zu erreichen?

Krippner: Im Prinzip ja. Das Budget steht, selbst wenn aktuell noch nicht alle Verträge im Sponsoring fixiert sind. Das war bisher in den vergangenen Spielzeiten aber nicht anders. Wir versuchen natürlich, mehr zu vermarkten. Dieses Geld kann dann ins Team fließen.

Ist das so vereinbart?

Krippner: Ja, so ist die Absprache.

Sehen Sie eine Kausalität zwischen sportlichem Abschneiden und der Akquise von Sponsoren?

Krippner: Wenn das so wäre, hätten wir erheblichere Probleme, weil wir zwei Jahre nicht gut abgeschnitten haben sportlich. Aber definitiv macht sportlicher Misserfolg im Bemühen um Sponsoren die Akquise nicht einfacher.

Beim Fan-Hearing haben Fans mangelnde Anstrengungen um Sponsoren kritisiert. Wie bewerten Sie das. War das vor allem dem Frust über den Saisonverlauf geschuldet, oder ist die Kritik berechtigt?

Krippner: Der sportliche Misserfolg hat sicher dazu beigetragen, dass auch in anderen Bereichen des Clubs große Kritik geübt wurde. Wir haben uns dieser gestellt und wenn sie berechtigt war, sie bearbeitet.

Herr Roos, die Position des Torhüters ist eine Zentrale in der Kaderplanung. Wird es denn jetzt ein Deutscher oder ein Ausländer?

Roos: Wir haben versucht, eine deutsche Nummer eins zu bekommen. Das ist uns bisher jedoch nicht gelungen. Jetzt wird der Markt etwas schwieriger, wobei es noch vertragslose, gute deutsche Torhüter gibt. Da wir noch nichts fixieren konnten, steigt allerdings auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Nummer eins ein Ausländer sein wird.

Grundintension ist aber, das Tor deutsch zu besetzen?

Roos: Ja, das ist die Absicht.

Um die Ausländerlizenz auf der Position einzusparen?

Roos: So ist es.

In Martin Ness, Mike Collins, Marco Rosa und Tim Hambly sind noch vier Spieler aus dem letztjährigen Kader, deren Zukunft bei den Pinguinen ungeklärt ist. Wie ist der Stand?

Roos: Bei allen vier Spielern gibt es aktuell nichts Konkretes zu sagen. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

Collins hatte eine Option im Vertrag.

Roos: Die hätte im Dezember gezogen werden müssen. Das haben wir nicht getan.

Wie ist die Tendenz bei Ness?

Roos: Grundsätzlich würden wir Martin Ness gerne behalten. Wir sind mit ihm und seinem Berater in Gesprächen.

Wie sieht die Planung in den weiteren Mannschaftsteilen aus. Wie viele Lizenzen sollen wo platziert werden?

Roos: Der erste Schritt ist es, die richtigen deutschen Spieler zu finden. Es ist weniger schwierig, die ausländischen Profis zu bekommen. Mit der Verpflichtung von Adrian Grygiel sowie den Vertragsverlängerungen von Kevin Orendorz und Mike Mieszkowski haben wir in diesem Bereich bereits erste Entscheidungen getroffen. Angedacht ist es, grundsätzlich mit je vier Kontingentspielern in der Verteidigung und im Angriff zu spielen. Sollten wir noch einen guten deutschen Verteidiger bekommen, wäre es allerdings auch möglich, mit nur drei Import-Verteidigern in die Saison zu starten.

Für die Abwehr kommen demnach noch zwei Ausländer nach St. Pierre und Vainonen.

Roos: Ja, so ist der Plan im Moment.

Oder Hambly wird Deutscher?

Roos: Das wäre möglich, allerdings ist auch hier noch nichts entschieden.

Sie sind jetzt fünf Monate bei den Pinguinen. Das hatten Sie sich anders vorgestellt?

Roos: Grundsätzlich ja. Als ich im November kam, hätte ich nicht gedacht, dass wir auf dem 14. Tabellenplatz einlaufen. Wir müssen in der neuen Saison definitiv besser werden.

Als Kaderplaner aber durchaus eine reizvolle Aufgabe. Wie ist die Abstimmung mit Rick Adduono?

Roos: Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, wir tauschen uns ständig aus und haben gemeinsam in Österreich Spieler beobachtet. Leider musste Rick vor unserer Reise nach Skandinavien zurück nach Thunder Bay. Wir telefonieren nun täglich mehrmals und beurteilen potenzielle Kandidaten für die noch zu besetzenden Kontingentstellen. Im Moment beobachtet er Spieler in Nordamerika und ich in Europa.

Wie lang ist denn die Liste potenzieller Zugänge?

Roos: Eine solche Liste verändert sich ständig. Wir haben ein schmales Budget, was es nicht gerade leicht macht. Es gibt klare Anforderungsprofile für die einzelnen offenen Positionen.

Wie viele Namen haben sie in den fünf Wochen streichen müssen?

Roos: Bereits sehr viele.

Kommen weniger am Ende hinzu, als man streicht.

Roos: Die Liste war definitiv schon länger, als sie es jetzt ist.

Was sind die ausgearbeiteten Anforderungsprofile für den Kader?

Roos: Grundsätzlich wollen wir ein Team, das über mehr positive Charaktere verfügt, das schneller und härter spielt. Wir suchen Spieler, die größer und kräftiger sind. Mikko Vainonen passt beispielsweise optimal in dieses Profil. Uns fehlte in der letzten Saison der klassische Blue-Liner. Eine Eigenschaft, die der zukünftige Verteidiger Nummer Eins haben sollte. Eine weitere Schlüsselposition ist der Mittelstürmer der zweiten Reihe. Der Wunschspieler sollte 1,90 Meter groß, 100 Kilo schwer, läuferisch gut, technisch versiert und ein Spielmachertyp sein, der auch im Defensivverhalten sehr stabil ist. Die Frage ist, ob wir diesen mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln auch bekommen.

Im Sturm sind zwei Lizenzen vergeben an Umicevic und Mancari. Mancari passt nur bedingt ins Anforderungsprofil, weil ihm die Schnelligkeit fehlt. Wird auch darüber nachgedacht, bestehende Verträge aufzulösen?

Roos: Die Überlegung steht bei jedem Club nach einer schwachen Saison im Raum. Mark Mancari hat einen gültigen Vertrag, er hat Schwächen, er hat Stärken, wie jeder andere Spieler auch. Verträge werden wir nicht öffentlich diskutieren. Er braucht Mitspieler, die seine Schwächen kompensieren und seine Stärken einsetzen können.

Herr Krippner, die verbilligte Dauerkarten-Aktion läuft noch bis zum 1. Mai. Ist die Resonanz zufriedenstellend?

Krippner: Wir sind aktuell knapp unter dem Stand aus der vergangenen Saison, hoffen, dass die Fans uns treu bleiben. Das ist ein wichtiges Finanzierungs-Instrument der Pinguine. Wir haben erkannt, dass wir mit der Preisermäßigung auf die Fans zugegangen sind.

Diese Saison wird in jeder Hinsicht eine Entscheidende sein. Sportlich muss die Wende gelingen, zudem läuft der Vertrag mit dem König-Palast aus. Wie weit sind die Verhandlungen?

Krippner: Es hat die ersten Gespräche gegeben, um den Mietvertrag den Gegebenheiten anzupassen, damit das Eishockey nach 2017/18 weiter besteht. Das wollen wir alle. Niemand plant hier nur bis 2017/18.