Krefeld Pinguine: Pinguine-Fanhearing: Der Abend der Gesten

Krefeld Pinguine : Pinguine-Fanhearing: Der Abend der Gesten

Der Club müht sich nach einer Saison voller Enttäuschungen um Schadensbegrenzung — das gelingt nicht wirklich beim Fan-Hearing.

Krefeld. Was bleibt nach solch einer Saison beim Treffen mit den Fans. Nach einer Spielzeit der Enttäuschung, der Ernüchterung durch die alle Treuen lange Wochen hindurch mussten. Nach einem solchen Frust bleiben allein Gesten.

Davon gab es denn auch zuhauf am Montag beim Fanhearing der Krefeld Pinguine. Ein Freigetränk spendierten die Pinguine den 278 Interessierten. Weit weniger waren vor einem Jahr gekommen, ohne Freigetränk. 13 Monate später aber ist die Stimmung weitaus schlechter, nichts von Aufbruchstimmung aus dem Januar 2016 zu spüren.

Pinguine-Boss bediente die Klaviatur dann präzise mit dem Hinweis, dass nach so einer schlechten Saison, die Fans so zahlreich erschienen seien. „Das zeigt das große Interesse. Das freut mich.“ Wenig später versprach er: „Wir bekommen die Lizenz. Die Lizenzgebühr zu bezahlen und sie dann nicht zu bekommen, ist keine Option.“ Und wieder etwas später verkündete der Unternehmer dann unter dem Applaus der Fans die Vertragsverlängerung mit Stürmer Mike Mieszkowski um ein Jahr. Zu den weniger schicklichen Gesten gehört, dass unliebsame Fragen der Fans zuvor aussortiert wurden.

Und auch das war eine Geste — der Club stellte am Montag Matthias Roos als neuen sportlichen Direktor vor. Roos war im November zum Club als Leiter der Geschäftsstelle gekommen, allerdings mit der Perspektive Rüdiger Noack als sportlichen Berater abzulösen. Noack bekannte, dass es ihm nicht ganz leicht falle, loszulassen mit dem Hinweis auf den Schlager: Niemals geht man so ganz. So bleibt er Berater, in der ersten Reihe steht jetzt aber Roos.

Schulz bedankte sich bei Noack für 22 beispielhafte Jahre der Zusammenarbeit. Viel zurückschauen wollte Schulz nicht nach der Entlassung vor Weihnachten von Trainer Franz Fritzmeier. Die alleinige Schuld am sportlich schlechten Abschneiden sei ihm nicht anzulasten. Der Unternehmer skizzierte, den wie er es nannte, „großen Fehler von uns: Wir haben einen großen Verein einem jungen Trainer anvertraut, dem die Erfahrung fehlte.“ Schulz ließ dann durchblicken, möglicherweise sich doch nicht nach 2018 zurückzuziehen, wenn keine Nachfolger gefunden werden. „Man muss sich dann fragen, lässt man das Messer im Schwein stecken?“

Markus Wiedelbach vom Fanprojekt der Pinguine, sagt: „Wir sind mit großer Euphorie in die Saison gestartet. Man bekam dann mit, dass es in der Mannschaft brodelt, an allem ist immer etwas Wahres dran.“ Und führte aus: „Wir wollen eine Mannschaft sehen, die Charakter hat.“

Nach einer Stunde hatten die Fans das Wort. Sie beklagten Konzeptlosigkeit, schlechte Pflege der Sponsoren und auch eine fehlende Demutsgeste der Führung. Michael Volz sagt: „Ich hätte erwartet, dass ich heute hier von Ihnen höre: ,Wir entschuldigen uns für diese Saison.’“ Die letzte Geste galt dann einem völlig Unverdächtigen — Kristian Peters-Lach. Ein Fan huldigte dem Stadionsprecher als den Besten der Liga unter tosendem Applaus. Wer will denn schon gern im Zwist auseinandergehen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung