Odeon Tanzpalast: Wo sich ganz NRW zum Tanztee trifft

Odeon Tanzpalast: Wo sich ganz NRW zum Tanztee trifft

Zu Oldies und Hits tanzen im Odeon Tanzpalast regelmäßig noch hunderte Gäste.

Krefeld. Es ist ungemütlich draußen, kühl und regnerisch. Eigentlich die beste Gelegenheit, um den Sonntag-Nachmittag mit Kaffee und Kuchen auf der Couch oder vor der TV-Kiste zu vergammeln. Weit gefehlt. So denken nicht alle. Im Odeon Tanzpalast trifft sich sonntags eine zugegebenermaßen nicht mehr ganz junge, aber ziemlich lebenslustige und fitte Truppe Gleichgesinnter zum Tanztee. Wer nicht tanzen kann, hat es dort schwer.

Die Damen sind frisch frisiert, tragen Pumps und Kleid, gerne mit Pailletten und schulterfrei oder schicke Hosen. Die Herren haben Anzug und Oberhemd — mal mit, mal ohne Krawatte — aus dem Schrank geholt. Schon früh füllt sich das Parkett des Tanzpalastes. Rund 300 Leute sind an diesem Nachmittag da. Es wird schnell klar: Man kennt sich und begrüßt sich mit dem Vornamen.

Die bewegungsfreudigen Senioren der Altersklasse Ü-60 mit den weißen Schläfen, kommen aus ganz NRW, selbst Niederländer bitten zum Tanz. Hildegard Görtz wohnt in Tönisvorst und hat ihren holländischen Begleiter im Arm. „Ich muss raus“, erklärt sie. „Meine neuen Schuhe sind noch zu glatt, ich muss sie schnell abscheuern. Ich liebe neue Schuhe.“ Sie trägt knallrote Pumps zur schwarzen Hose. Bei der Rückkehr erzählt sie: „Nach einer Rücken-OP hat mir der Arzt Bewegung angeraten. Jetzt habe ich sie. Seit sechs Jahren tanze ich mit Leidenschaft, am liebsten Tango und Disco Fox.“

Bevor die Live-Musik von „Voice live“ startet, klingt aus den Lautsprechern: „Seemann, lass das Träumen. . .“ „Das Repertoire reicht von leiser Tischmusik über schöne Oldies bis hin zu aktuellen Hits“, berichtet Odeon-Inhaber Dennis Rogowsky. „Mal ganz dezent, mal mitreißend, mal Slow, mal Disco Fox. Der Tanztee funktioniert gut.“

Fast alle Gäste begrüßt er mit Handschlag und Namen. Die Besucher trinken Apfelschorle, Kaffee und ab und zu einen Cocktail: „Sie müssen alle weit fahren“, weiß Rogowsky. Winni, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, ist mit der Partnerin und ihren beiden Freundinnen aus Bochum da.

„Ich komme fast jede Woche, es gibt doch sonst fast keine Tanzlokale mehr. Hier ist es sehr schön. Meine Freundin habe ich in meinem Geschäft kennen gelernt.“ Anders ist es bei Renate (64) und Günter Gahlke (63). „Wir sind frisch verheiratet“, berichten sie lächelnd. „Wir sind ein Glücksfall und ganz toll verliebt.“

Bei ihnen hat es beim Tanztee im Erkrather Schwarzwaldhaus gefunkt. „Wir haben nicht gesucht, aber gefunden und immer an die Liebe geglaubt.“ Tanzen ist ihr großes Hobby neben dem Reisen. „Wir waren schon in Thailand und Ägypten.“

Trotz der Freundlichkeit im Saal, es ist auch ein Marktplatz der Eitelkeiten: Wer alleine kommt, wird erbarmungslos gemustert und taxiert. Die Damen werden auch dahingehend beäugt, ob sie tanzen können. Günther Jeroch (69) aus Kevelaer hat einen neuen Tanzkurs absolviert, um den Foxtrott zu verbessern. „Wenn ich hier eine nette geerdete Frau finde, wäre das schön.“ Es steht nicht immer nur das Tanzen im Vordergrund.