Krefeld: Gröhe ist jetzt Steckenpferdritter

Krefeld: Gröhe ist jetzt Steckenpferdritter

Der Bundes- Gesundheitsminister ist auch zum Major der Prinzengarde ernannt worden.

Krefeld. Wenn die Prinzengarde feiert, dann wird es eine lange Nacht. Das ist in Krefeld bekannt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Steckenpferdsitzung im Seidenweberhaus diesmal eine Stunde früher angefangen hat. Aber es spricht eben auch für das kölsche Spitzenprogramm, das die Grün-Weißen auf die Beine zu stellen wissen. Immer wieder verlangte das gut gelaunte Publikum im Saal nach Zugaben. Und mittendrin ein Bundesminister. Denn Hermann Gröhe ist am Mittwochabend in den erlauchten Kreis der Krefelder Steckenpferdritter aufgenommen worden.

Der Bundesgesundheitsminister, der aus dem benachbarten Neuss stammt, ist dem Brauchtum sehr verbunden. Deshalb konstatierte er gleich zu Beginn seiner Rede, dass es in Berlin „arsch kalt“ sei und dies auch die nächsten vier Wochen so bleiben werde, „denn die können keinen Karneval“.

Verwundert zeigte sich Gröhe über die hohe Zahl der Politiker, die die Krefelder Auszeichnung bereits erhalten haben: „Liegt das daran, dass Politiker sich gerne mal vergaloppieren oder immer wieder eine neue Sau durchs Dorf trieben“, wollte er wissen. Auf jeden Fall aber passe Humor zu seinem Ressort, der Gesundheit, denn ein fröhliches Herz tue dem Körper gut.

Rainer Küsters, Präsident

Außer Urkunde und hölzernem Pferdchen erhielt Gröhe dann auch gleich die Prinzengarde-Mütze und wurde zum Major ernannt. „Die Ehrung ist mit einer Zwangsmitgliedschaft in der Prinzengarde verbunden“, erläuterte Präsident Rainer Küsters. Verdient habe Gröhe die Auszeichnung wegen der Liebe zu seiner rheinischen Heimat und seines Rufs als fairen Vermittlers.

Zuvor hatte der Vorjahrespreisträger Willibert Pauels, der „Bergische Jong“, die Laudatio auf den Minister gehalten. Gewürzt mit Witzen über die unterschiedlichen Mentalitäten in den Bundesländern zeigte er den Integrationsfall der Eltern Gröhe auf, die aus dem protestantischen Sachsen in das katholische Rheinland kamen und diesen Doppelschock erstmal verarbeiten mussten.

Die Eingliederung des Sohnes sei jedenfalls gelungen, stellte Pauels fest und zählte gleich mehrere Faktoren auf, die dazu beigetragen haben: die Stadt Neuss, das Schützenbrauchtum, der Karneval und Gröhes Frau Heidi. Denn „Integration geht nur über das Herz“. Dass die Frau des Gesundheitsministers aus gesundheitlichen Gründen bei der Verleihung nicht dabei sein konnte, musste Pauels dann als Kalauer doch noch loswerden. Der Schluss der Laudatio klang dann fast wie eine Predigt: Was ihn mit Gröhe verbinde, sei der Glaube, dass nichts die kostbare Seele des Menschen zerstören kann.

Guido Cantz, Comedian, zur Winter-Fußball-WM in Katar

Dafür, dass es nicht zu philosophisch wurde, sorgten neben dem Auftritt der gastgebenden Prinzengarde bekannte Künstler wie Guido Cantz, Bernd Stelter, die Räuber oder Brings. Während Stelter das Jahr 2015 mit Abgasskandal, Online-Partnervermittlungen und Fifa-Bestechungen musikalisch Revue passieren ließ, analysierte Guido Cantz die Unzulänglichkeiten der Kölner: „Die können U-Bahn nicht, die können Oper nicht, die können OB-Wahl nicht.“

Oder er malte in leuchtenden Farben das WM-Finale in Katar am 4. Advent 2022 aus: „Public Viewing auf dem Weihnachtsmarkt, bei jedem Tor gibt es einen Glühwein, die Autos sind mit schwaz-rot-goldenen Schneeketten geschmückt und den Autokorso führt der Streuwagen an“.

Besonderer Zustimmung hatte in diesem Jahr der Auftritt des Prinzenpaars bedurft. Denn die Steckenpferdsitzung war aufgrund der kurzen Session noch vor die Proklamation gerutscht.

Doch nach Rücksprachen mit allen Verantwortlichen durften Oliver I. und Danny I. in vollem Ornat ihren ersten Auftritt absolvieren, bevor sie überhaupt offiziell ernannt sind.

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