Oldies feiern Oldies: Düsseldorfs erste Seniorendisko

Oldies feiern Oldies: Düsseldorfs erste Seniorendisko

Bewegen im Alter ist wichtig — warum also nicht gleich tanzen? Ein Besuch beim ersten Tanznachmittag für Senioren mit Discomusik in Düsseldorf.

Düsseldorf. Ausweichende Blicke, verhaltene Begrüßungen. Der Geruch von Obstkuchen und Aufregung liegt in der Luft. Denn keiner weiß so recht, was ihn bei der ersten Seniorendisco im Zentrum plus an der Klever Straße erwartet.

Die Bürgerstiftung hat am Donnerstagnachmittag gemeinsam mit dem Zentrum plus der Diakonie zum ersten Tanznachmittag für Senioren mit Discomusik eingeladen.

Als der Saal mit etwa 50 Frauen und auch ein paar Männern gefüllt und das erste Glas Sekt geleert ist, erklingt das erste Lied: „Love is in the Air“ von John Paul Young. „Es bricht sich nur die Hüfte, wer sich nicht bewegt“, sagt Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke und eröffnet den ersten Tanz. Und schon Sekunden später tun es ihm fast alle Senioren gleich. Rollator, Rollstuhl oder die Tatsache, niemanden zu kennen, sind dabei kein Hindernis mehr.

Wolfgang Hilscher, der von seiner Frau überredet wurde, mitzukommen, wirbelt sie über das Parkett. Und dabei hatte er bevor es losging noch felsenfest behauptet: „Ich werde nicht tanzen.“ Das Pilotprojekt wird an diesem Nachmittag zum Selbstläufer. Ein „Copacabana“ und zwei Abba-Hits später verschnaufen die Discogäste mit Kaffee und Kuchen.

„Ältere Menschen trauen sich oft nicht, auf ’richtige’ Tanzveranstaltungen zu gehen“, sagt Inge Gößling, Leiterin des Zentrum plus, die der Disko ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellten. „Musik verbindet“, betont auch Christine Ullmann von der Bürgerstiftung. „Die Menschen tun etwas für ihre Gesundheit und es macht glücklich. Das ist das beste Anti-Aging-Programm.“

Der DJ des Tanznachmittages, Theo Fitsos, ist erst Mitte 40, hört aber privat gerne auch ältere Lieder. „Bei meinen anderen Jobs kann ich sowas nicht spielen. Auch deshalb habe ich mich auf heute gefreut.“ Erfahrungen mit älterem Publikum hat er aber bereits sammeln können: Im Frühjahr hatte er zum ersten Mal in Altenheimen aufgelegt. „Es ist toll zu sehen, wenn sogar Menschen, die so dement sind, dass sie nicht mal ihr Zimmer finden, bei Liedern von vor 60 Jahren laut mitsingen.“ Seine Arbeit mit Senioren ist ehrenamtlich. Wenn jemand mit gesenktem Blick in den Raum hereingehe und mit einem Lächeln wieder heraus, sei das mehr als genug. „Musik macht was mit den Leuten.“

Und das trifft auch auf Christel Raurate (64) zu. Sie erzählt: „Ich wollte erst nicht kommen, weil ich dachte, ich kann nicht tanzen. Aber dann lerne ich es halt hier.“ Sie habe bei anderen Seniorentreffen schon viele Freunde kennen gelernt. „Man muss rausgehen. Das Dümmste, was man als alleinstehender, alter Mensch machen kann, ist, zu Hause zu bleiben.“

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