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Wuppertaler Mieter und Vermieter suchen Lösungen im Einzelgespräch

Wirtschaft : Mieter und Vermieter suchen Lösungen im Einzelgespräch

Im individuellen Dialog werden Lösungen gesucht, wenn aufgrund der Pandemie die Miete nicht rechtzeitig gezahlt werden kann. Bei Geschäftsleuten war das in Wuppertal häufiger der Fall als bei Privatleuten.

Die Pandemie und die damit verbundenen Auflagen sind privat wie wirtschaftlich eine Herausforderung. Sehr stark betroffen waren und sind nach wie vor die Gastronomie, vielfach der Einzelunternehmer, die Veranstaltungsbranche und der Einzelhandel. Einnahmen fallen aus, Umsätze konnten insbesondere wegen der auferlegten Schließung zu Zeiten des Lockdowns kaum oder gar nicht erzielt werden. Auch die aktuelle Verordnung lässt ein tristes Bild zu.

Mieten wurden gestundet, reduziert oder ausgesetzt. Statistiken zur Situation der Mieter in Wuppertal gibt es allerdings keine. Eindrücke können die Zuständigen von Haus und Grund Wuppertal und Umgebung, vom Deutsche Mieterbund Wuppertal sowie vom Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal (GMW) aktuell nur aus dem Tagesgeschäft geben.

Silke Kessel, Geschäftsführerin von Haus und Grund Wuppertal und Umgebung, sagte: „Im Bereich des Wohnungsmietrechts war das überschaubar, anders sieht es im Gewerbe aus.“ Denn während in privaten Haushalten die Mieteinnahmen nicht vom Tagesgeschäft abhängig sind – obgleich sicherlich Kurzarbeit verordnet wurde – habe es im Gewerbebereich einige Unternehmer geben, die sich mit der Zahlung schwergetan haben. „Es gibt Insolvenzen und Geschäftsaufgaben“, sagte sie. „Viele haben sich aber umorientiert, und überlegt, was kann man machen und Hilfe in Anspruch genommen. Die Sozialämter sind da zügig hinterhergekommen, die KfW und auch die Stadt haben Unterstützung geboten – was sicherlich notwendig war“, hebt Silke Kessel hervor.

Große Ketten wie Adidas oder Ernsting’s nutzten ihre Macht und setzten Zahlungen aus, ohne dass eine Kommunikation stattgefunden habe, während zwischen Einzelunternehmer und Vermieter durch das Gespräch miteinander Lösungen gefunden wurden. „In den meisten Fällen wurde eine Einigung zwischen Mieter und Vermieter erzielt“, erzählte der Rechtsberater von Haus und Grund, Thomas Schleemann, der ausschließlich Problemfälle behandelt. „Wenn eine Basis gefunden wird, landet es bei mir nicht.“

Durch den Deutschen Mieterbund Wuppertal und Umgebung werden rund 12 000 Mieter in Wuppertal betreut. Dort sei die Nachfrage relativ gering ausgefallen. „Im niedrigen zweistelligen Bereich“, informierte der Geschäftsführer Andreas Wiemann. „Wir waren erstaunt, wie gering der Beratungsbedarf war.“ Mieter akzeptierten die Forderungen und trugen sie zum Teil in Raten ab. Repräsentativ sei dieses aber nicht, betonte er.

Das GMW hat das eigene Betriebsergebnis immer im Blick

Auch das Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal (GMW) setzt auf individuelle Lösungen durch Einzelfallbetreuung. Der gesetzlich festgelegte Zeitraum der Stundung von drei Monaten ist zwar abgelaufen. Weitestgehend wurde diese in Anspruch genommen. „Teilweise wurden Teilerlasse beantragt“, informierte Mirja Montag, Betriebsleiterin des GMW. Einige Mieter hätten die Stundung bereits wieder zurückgezahlt. Wenn es allerdings weiterhin für Mieter wirtschaftlich schwierig ist, die Zahlungen zu begleichen, gebe es dennoch Möglichkeiten zur Klärung. „Es muss eine Bestätigung des Wirtschaftsprüfers oder Steuerberaters vorgelegt werden“, erklärte sie. Dann werde geprüft, ob der Mieter unverschuldet in diese Lage geraten sei und welche Konsequenzen dies für die Stadt bedeute – die in Leerständen resultieren können. „Wir würden es bedauern, einen Mieter zu verlieren. Wir sehen diese als Partner, als unsere Kunden“, sagte sie. Gleichzeitig sei das GMW aber verpflichtet, das eigene Betriebsergebnis im Auge zu behalten. Helfen, wo es möglich ist, beschrieb Mirja Montag die grundsätzliche Haltung seitens des GMW.