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Landesorchester NRW spielt Beethoven in der Wuppertaler Stadthalle

Kultur : Eine Reise in Beethovens Gefühlswelt

Jubiläumskonzert des Landesjugendorchesters NRW in der Historischen Stadthalle.

Gleich zwei Jubiläen wurden gefeiert: Das 50-jährige Bestehen des Landesjugendorchesters NRW (LJO) und der 250. Geburtstag des Komponisten Ludwig van Beethoven. Unter der Leitung von Sebastian Tewinkel spielte das Landesjugendorchester ein anspruchsvolles Beethoven-Konzert in der Historischen Stadthalle. Es war beeindruckend, wie die jungen Leute musikalisch hervorragende Leistungen boten und sogleich das Publikum mit ihrer Spielfreude und ihrem technischen Können begeisterten. Reichte bei früheren Konzerten der Platz auf der Bühne für 80 Musiker kaum aus, saßen dort wegen Corona mit viel Abstand nur 46. Insgesamt waren 63 junge Musiker an diesem facettenreichen Jubiläumskonzert beteiligt, denn Teile der Besetzung wechselten in der Pause.

„Als Jugendlicher durchdringt man die Musik mit dem ganzen Körper und merkt sich die Stücke ein Leben lang“, sagte Professor Sebastian Tewinkel, der seit 2018 als Chefdirigent das Orchester leitet. Er muss es wissen, denn auch er spielte in jungen Jahren als Geiger beim Landesjugendorchester NRW.

Beim Violinkonzert von Beethoven, dem einzigen des Komponisten, sprühte das LJO vor Lebendigkeit. Mal zart und einfühlsam, dann wieder temperamentvoll vorwärtsdrängend klangen die jungen Musiker schon sehr professionell.

Mit der Solistin Mira Foron stand zudem ein beeindruckendes Ausnahmetalent auf der Bühne. Hingebungsvoll umrahmte sie die Melodielinien, verband sich immer wieder in großer Harmonie mit dem Orchester und arbeitete mit schelmischer Spielfreude perfekt die Kadenzen ein, die der Komponist Fazil Say eigens für das LJO geschrieben hatte. Mira Foron meisterte mit Leichtigkeit schwierige Soloparts, denen auch die Orchestermusiker gebannt lauschten. Das Publikum war so begeistert, dass es schon nach dem ersten Satz klatschte. Mira Foron spielte gut geerdet, denn sie stand barfuß auf der Bühne. Tewinkel dirigierte frei, ohne Notenpult und sehr körperlich. Er formte die Musik mit den Händen und manchmal turnte er sie beinahe vor. Wer den Chefdirigenten beobachtete, konnte sehen, wie sehr er die jungen Musiker mitriss und zu Höchstleistungen animierte. Ihm war deutlich anzumerken, dass ihm die Arbeit mit diesem jungen Orchester Freude macht.

Für die Pause war eine Festrede des Ministerpräsidenten vorgesehen. Der ließ wegen der schwierigen Terminlage entschuldigen und Staatssekretärin Annette Storsberg übernahm diesen Part. „Dass es ein so erfolgreiches Projekt auf so hohem Niveau werden würde, konnte 1970 keiner ahnen“, sagte Storsberg. Die Gründung 1970 erfolgte aus einer rein ehrenamtlichen Initiative heraus, heute wird das Landesjugendorchester vom Land NRW gefördert. „Was auch zeigt, welch hohen Stellenwert die Kultur in NRW einnimmt.“

Den zweiten Teil des Konzerts bildete Beethovens romantische 3. Sinfonie, die „Eroica“ (die Heroische). Das Orchester meisterte schnelle Tonart-Wechsel und starke Kontraste, schaffte exakte Übergänge zwischen zarten Andante-Variationen und mächtigen Tutti und nahm die Zuhörer mit auf eine spannende Reise in Beethovens Gefühlswelt.

So entstand ein Konzert von großer Strahlkraft, das alle Beteiligten begeisterte. Der große Saal war recht leer: Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen saßen dort nur etwa 100 Besucher. Der lang anhaltende Schlussapplaus klang jedoch so, als wären es mindestens 500.