Wuppertaler Hoppeditz ist erwacht - fünfte Jahreszeit eröffnet

Brauchtum : Hoppeditz Melissa ist erwacht

Wuppertals Karnevalisten läuten die Session 2019/2020 mit einer großen Feier ein.

Der Elfte im Elften ist bekanntlich für die Jecken ein magisches Datum. Denn dann erwacht mit dem Hoppeditz die fünfte Jahreszeit, das karnevalistische Treiben, das erst am 26. Februar mit dem Aschermittwoch endet. Natürlich steht der Hoppeditz nicht so einfach von seinem Ruhelager auf, sondern er muss, einem närrischen Zeremoniell folgend, vielstimmig erweckt werden.

Das ist in Wuppertal nicht anders als in anderen närrischen Hochburgen, wobei man im Tal vier Stunden nach Köln und Düsseldorf, nämlich um 17.11 Uhr dran ist. Um das Karnevalssinnbild stilgerecht zu wecken, hatten sich die 17 Wuppertaler Karnevalsgesellschaften auf dem Alten Markt neben dem festlich illuminierten Wintertuffi versammelt und zogen im bunten Zug über den Werth zum Rathausvorplatz. Angeführt vom Prinzenpaar des letzten Jahres, Stephan I und Sabine I.. Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich sorgten dafür, dass die Närrinnen und Narren besonders zackig marschierten, und der Fahnenträger der KaGe Fidele Jungens das Banner seines Vereins mit äußerst kraftvollem Elan schwenkte.

Ein prachtvolles Bild, als die gesamte Truppe die Rathaustreppe geentert hatte, sich mit Vehemenz warm schunkelte und sich vom Präsidenten des Carneval Comitee Wuppertal, Wilfried Michaelis, nicht lange um das dreifach donnernde „Wuppdika“ bitten ließ.

Mit dabei natürlich Sozialdezernent Stefan Kühn, in dessen Adern bekanntlich kölsches Blut zirkuliert. Sein Haupt zierte die Narrenkappe der KaGe Weinberger Funken, die wie im vorigen Jahr auch diesmal mit Thomas und Christin das Prinzenpaar stellen. Neben ihm die nicht minder karnevalistisch angehauchte Bürgermeisterin Maria Schürmann, die zugab, dass sie es kaum erwarten kann, bis die Session endlich wieder beginnt.

Der Hoppeditz erweist sich
als Temperamentbündel

Stefan Kühn stellte fest, dass diesmal mehr Narren vor als im Rathaus versammelt waren und interpretierte den einsetzenden Nieselregen als „flüssigen Sonnenschein“, von dem man sich die Stimmung nicht vermiesen lasse. Das galt auch für den hinzu kommenden Oberbürgermeister Andreas Mucke, der sich unter Karnevalisten stets besonders wohl fühlt.

Und dann war es endlich soweit: Respektvoll wurde auf der Rathaustreppe eine Gasse gebildet und vier kräftige Herren trugen den Hoppeditz auf seiner Liege auf den eigens ausgerollten grünen Teppich.

„Hoppeditz“ rief Wilfried Michaelis, und vielstimmig erscholl: „Erwache“, aber nichts rührte sich. Beim zweiten, erheblich lauteren, Ruf regte sich ein wenig, Hoppeditz rieb sich die Augen, und beim dritten Weckruf entpuppte sich die vorher so passive Gestalt als wahres Temperamentsbündel, warf die Beine, drehte Pirouetten, schlug effektvoll Rad und sprang zur Freude des begeisterten Publikums in den Spagat.

Der Hoppeditz, so ist es Tradition, ist kein männlicher Springinsfeld, sondern ein gelenkiges weibliches Wesen. Und diesmal verbarg sich im rotweißen Narrenkostüm unter der Schellenhaube die 14 Jahre alte Melissa, die trotz ihrer knospenden Jugend auf eine stattliche karnevalistische Karriere zurück blicken kann. Sie ist seit sieben Jahren Mitglied in der KaGe Prinzengarde, war vor drei Jahren schon mal Hoppeditz und 2017 als Melissa I sogar Kinderprinzessin.

Unter der Regie ihrer Mutter und CCW-Geschäftsführerin Nordhild Neumeyer hatte sie sich im Vorraum des Rathauses für ihren großen Auftritt ausgiebig aufgewärmt und präsentierte sich folgerichtig auch in Hochform, ehe sie sich an die Spitze des fröhlichen Zuges setzte. Der marschierte dann geschlossen ins Brauhaus, wo der Auftakt der Session 2019/2020 ausgiebig gefeiert wurde. Mit dabei natürlich auch das designierte Prinzenpaar Thomas und Christin sowie das Kinderprinzenpaar Saimon und Xenia, die zusammen mit dem närrischen Volk der Vorfreude auf die kommende Session freien Lauf ließen.