Wuppertaler Kinder setzen das Grundgesetz künstlerisch in Szene

Aktion : Das Grundgesetz künstlerisch verpackt

Kinder haben sich in der Vohwinkeler Kunstschule mit der Demokratie befasst.

„Nicht wenige wollen heute die Meinungsfreiheit einschränken, berufen sich aber darauf, die eigene zu verteidigen.“ Nicht alltäglich, dass zu einer Ausstellung so grundsätzliche Worte fallen. Noch weniger, wenn es wie in der Vohwinkler Kunstschule „Kunst Konzepte Weitz“ um Werke von Jugendlichen geht. Doch der 9. November ist historisch gesehen kein Alltag, und so nutzte Helge Lindh, Wuppertaler SPD-Bundestagsabgeordneter, die Eröffnung zum Thema „Grundgesetz“ und ließ am Ernst der Lage keinen Zweifel: „Noch nie in den letzten Jahrzehnten war unsere Demokratie so angegriffen.“

Die Kunstschule wird betrieben von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG). Das impliziert zwar ein nicht zuletzt soziales Selbstverständnis, darunter den Anspruch, besonders für benachteiligte junge Menschen ein kulturelles Angebot zu ermöglichen. Die Malkurse hier stehen neben den GWG-Mietern auch anderen Kindern offen. Doch politisch muss es sonst nicht zwingend werden, wenn die Teilnehmer im Schüleralter gestalterisch aktiv werden - angeleitet von Justyna Weitz, die auch international beachtete Künstlerin ist. Sie war auch schon einem Motto wie „Schwebebahn“ dabei.

Auf dem Programm standen Grundgesetz-Artikel

Diesmal war das anders: Auf dem Programm standen Artikel des Grundgesetzes, die die Kursmitglieder etwa seit Ostern mit Papier und Schere angingen. Die Ergebnisse schmücken nun die Wände des Ateliers: Artikel 1 zur Würde des Menschen war in kreativer Verarbeitung ebenso zu bestaunen wie das Verbot von Benachteiligung etwa wegen Geschlecht oder Herkunft.

Letzteres fand sich wieder in einem schräg grinsenden Gesicht mit langen Wimpern, auf dem der Gesetzestext vielfarbig notiert war. Gesichter waren stets die Grundidee: Mal war dazu ein Hut montiert, mal fletschende Zähne. Bei genauem Hinsehen steckte viel an Auseinandersetzung dahinter: Marija (17) hatte sich zur Darstellung des Aspekts „Gleichheit“ für ein zweigeteiltes Antlitz entschieden – auf jeder Hälfte war eine andere Hautfarbe, eine Religion und ein Geschlecht integriert. Mit Bedacht bis ins Detail: Rechts eine weiße Frau mit Kreuz als Ohrring, links ein schwarzer Mann mit Davidstern. „Wichtig waren mir eher ungewohnte Kombinationen“, erklärt die junge Frau, „für viele verbindet sich etwa Judentum oft nicht so typisch mit Schwarzen“. Dilara (17) hat den Satz „Alle Menschen sind gleich“ in Lippenform als Mund geschrieben und als Nase die Waage der Justitia gewählt – Symbol für Gericht und Gerechtigkeit. Zur Farbe sagt sie, in Anspielung auf den Gedanken der Vielfalt: „Bunt läge ja nahe, aber ich habe einen bestimmten Grauton gewählt, um Neutralität auszudrücken.“

Eben die freie Herangehensweise zog Politiker Lindh heran zur Anknüpfung ans Thema „freies Wort“. Exemplarisch nannte er Justyna Weitz, die  „Beförderin und Anstachlerin dafür“ sei, „dass junge Menschen die Meinungsfreiheit eigensinnig umsetzen“. hag