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Zwangsversteigerung – und niemand kauft

Zwangsversteigerung – und niemand kauft

Beim Amtsgericht sind derzeit mehr als 1000 Verfahren anhängig. So viel wie sonst nur in Duisburg.

Wuppertal. Die Zahl der Zwangsversteigerungen in Wuppertal steigt ständig. Nach Angaben des Amtsgerichts werden derzeit 1153 Verfahren bearbeitet. Pressedezernent Lars Petersen zufolge ist das ein Volumen, das innerhalb des Bezirks des Oberlandesgerichts (entspricht in etwa dem Regierungsbezirk) allenfalls noch Duisburg erreicht.

Ein Grund für die extrem hohe Zahl: Häuser und Wohnungen in Wuppertal sind besonders schwer zu vermitteln. Das liegt nach Erkenntnis des Amtsgerichts häufig erstens an der Lage der Häuser und zweitens an deren Zustand. Petersen berichtet von Fällen, in denen ein Haus seit acht Jahren nicht verkauft werden kann. Dass es dritter und vierter Versteigerungstermine bedarf, ist in Wuppertal ganz anders als zum Beispiel in Düsseldorf alles andere als eine Seltenheit.

Das heißt: Wer als Wuppertaler Hausbesitzer in finanzielle Schieflage gerät und für wen im äußersten Fall nur eine Zwangsversteigerung als Lösung in Frage kommt, dem (beziehungsweise dessen Bank) ist unter Umständen selbst dann nicht geholfen. Es sei denn, er wohnt in Ronsdorf. Dort finden die Häuser offenbar meistens einen Käufer, bevor es zur Zwangsversteigerung kommt.

Häufig setzt es jedoch Enttäuschungen: Petersen berichtet von einem Fall, in dem eine Wohnung für 20.000 Euro den Besitzer wechselte, obwohl der Verkehrswert 40.000 Euro betrug. Ein anderer Fall: Erhofft war für den Verkauf einer Villa ein Erlös von gut einer Million Euro. Der Verkehrswert ergibt 800.000, der tatsächliche Versteigerungspreis sogar nur rund 500.000 Euro.

Mangelnde Transparenz und Schwierigkeiten dabei, verlässliche Daten über das Objekt einsehen zu können, sind nach Ansicht des Wuppertaler Maklers Frank Müller ein weiterer Grund dafür, dass die sich häufig auch in guter Lage und gutem Zustand befindlichen Objekte nicht verkauft werden. Das größte Problem stellt demnach die Nachfrageseite dar, weil potenzielle Käufer vor dem Versteigerungstermin häufig lediglich eine Akte einsehen können, um dort dann den Gläubiger ausfindig zu machen und sich weitere Informationen beschaffen zu können.

Frank Müller und andere regionale Makler bilden jetzt einen Verbund, um diese Daten sichtbar zu machen. Funktioniert das, so könnten rund 1000 Häuser deutlich sichtbarer auf den Markt gelangen.