Wie Uwe Becker die Anzahl seiner Arbeitstage möglichst gering hielt

Begrabt mein Herz in Wuppertal : Wie Uwe Becker die Anzahl seiner Arbeitstage möglichst gering hielt

Der Kolumnist blickt kurz vor der Rente auf sein Arbeitsleben.

Seit dem so gut wie klar ist, dass die Seilbahn zur Müllverbrennungsanlage nicht gebaut wird, und ich ein Video über die aktuelle Bundesgartenschau in Heilbronn gesehen habe, steigt bei mir die Spannung, ob die Bewerbung Wuppertals für diese Bundesgartenschau von Erfolg gekrönt sein wird, wenn es denn überhaupt dazu kommt, was ich nicht genau weiß, da ich die Lust zur Recherche momentan verloren habe, weil jetzt Sommerzeit ist, eine Phase der Erholung und des Sammelns neuer frischer Kräfte.

Es ist allerdings für mich wichtig zu wissen, was alles an Abenteuern auf mich wartet, da mein Rückzug aus dem aktiven Berufsleben sich gerade Schritt für Schritt vollzieht und sich hierdurch für mich bald ein endlos großes Zeitfenster öffnet, dass mit hoffentlich großartigen, sinnvollen Beschäftigungen und Vergnügungen gefüllt sein wird. Ein plötzlicher Tod aus Langweile würde mich verzweifeln lassen oder umbringen.

Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, muss ich gestehen, dass ich bereits mit Beginn der Schulzeit meinen Rückzug aus der Arbeitswelt vorbereitet und minutiös geplant hatte. Wäre zu meiner Kindheit schon ein Klimawandel erkennbar gewesen, hätte ich die Bewegung „Monday to Friday for the Future“ gegründet. Aber damals war die Antarktis noch riesig, knüppelhart und arschkalt. Mir fehlte die Lust zum Lernen schon sehr früh. Auf den Zeugnissen, die ich aus Angst vor meinen Eltern, lieber von der Oma unterschreiben ließ, standen schlimme Vermerke: „Uwe muss sich besser konzentrieren“ oder „wie ein wildgewordener Affe…“ Meine Leistungsbereitschaft war immer vorhanden, aber ich hatte Mühe sie abzurufen, auch später in der Berufswelt.

Die Vorstellung, ich hätte zeitlebens einer körperlich sehr anstrengenden Arbeit nachgehen müssen oder einer Tätigkeit, die ein hohes Maß an Intellekt und Verantwortung voraussetzt, lässt mich heute noch erschaudern. Der bequemste Weg war für mich oft schon ein mühsamer und ein quälender. Aber natürlich habe ich auch ein wenig gearbeitet und manchmal habe ich mich dabei erwischt, etwas mehr zu erledigen als üblich. Niemals kam aber ein Arbeitgeber oder Lehrer auf die Idee, mich der totalen Arbeitsverweigerung zu bezichtigen, zu clever und hinterhältig, sorgsam überlegt und präzise durchdacht, war mein gesamtgesellschaftlich gesehen unfaires, ja unrühmliches Verhalten. Trotzdem bin ich schon ein wenig stolz darauf, wie ich mich mit wenig Bildung und bescheidener Intelligenz durch mein Leben – Arbeitsleben möchte ich es nicht nennen – gemogelt habe.

In meiner Bundeswehrzeit habe ich, Sie werden es nicht glauben, obwohl ich keinerlei Lizenz hierfür hatte, einen Panzer von Lübeck zum Truppenübungsplatz Putlos gesteuert. Auch wenn es nicht so ausschaut, habe ich mich, wenn nicht für Arbeit, doch sehr für alles was drumherum passiert interessiert und engagiert. Ich möchte hier den Fußball, Frauen, Musik und ein gerüttelt Maß der verschiedensten Drogen zuvorderst erwähnen.

Am Herzen lag und liegt mir immer die Umwelt. Meine persönliche CO2-Bilanz habe ich kürzlich ausrechnen lassen – sie ist der Hammer! Ich habe nie einen Führerschein erworben, natürlich in erster Linie, weil es mir zu kraftaufwendig erschien, aber auch aus Angst, weil ich niemals jemanden totfahren wollte. Bei der Panzerfahrt war mir das damals egal, da ich vorher ein paar Bier getrunken hatte, und der Kommandeur betonte, er würde für den Flurschaden haften. In meinen kleinen, bescheidenen Einzimmerwohnungen, die ich mir gerade so leisten konnte, habe ich auch auf sparsames, behutsames Heizen geachtet. Auch weil ich der Umwelt persönlich kaum Leid zugefügt habe, verfolgt mich der Niedergang unseres Planeten bis in meine Träume.

Kürzlich erst: Der Klimawandel war so weit fortgeschritten, dass ein Eisbär im Brüsseler Plenarsaal der EU auftauchte und Ursula von der Leyen zerfleischte. Später erbrach er sich in der Kantine, wo er dann zeitnah von Polizisten erschossen wurde. Schlimm, oder? Kommen wir nochmal zurück zur Arbeit. Der Personaldienstleister Manpower hat in einer Untersuchung gerade herausgefunden, dass fast jeder Zehnte Angst vor dem Arbeitstag hat. Ich habe in meinem gesamten Leben immer darauf geachtet, und ich glaube, es ist mir vortrefflich gelungen, die Anzahl der Arbeitstage möglichst gering zu halten. Ich möchte Ihnen allen hier gerne Vorbild sein.

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