Serie: Zuckerpackungen erinnern an frühere Cafés

Serie : Zuckerpackungen erinnern an frühere Cafés

Sammlerin Bärbel Busch schwärmt von einer Zeit, in der es im Tal an jeder Ecke Torten gab.

Bärbel Busch aus Uellendahl hat ein süßes Hobby. Sie sammelt nämlich Zuckerstückchen aus aller Welt, hat dabei aber ein besonderes Augenmerk auf die Wuppertaler Kaffeehaus-Kultur gelegt und schaut mit eher wehmütigem Blick auf die Verpackungen der kleinen Würfel mit Adressen der früher so zahlreichen Barmer Cafés. „Eins meiner Lieblings-Cafés war das Café Bouhon in Barmen Ecke Werth/Heubruch. Da gab es die Lübecker Nusstorte noch stilgerecht, nämlich mit einer Walnuss-Hälfte oben drauf. Oder die Holländer Kirschtorte mit der kandierten Abdeckung. Auch die gibt es heute kaum noch.“

Buschs Lieblingscafé
war das Café Bouhon

Und wenn man mit ihr zusammen auf die zehn Rahmen mit Zuckerstücken der Barmer Cafés schaut, dann werden Erinnerungen wach an viele gemütliche Stunden, als man bei einem Glas Tee oder einem Kännchen oder Tasse Filterkaffee die „konditorischen Köstlichkeiten“ genoss und dabei entweder mit der Begleitung gemütlich plauderte oder eine der vielen ausliegenden Zeitungen las.

Egal, ob es im Café Röth in der Barmer Innenstadt, bei Best, bei Pieper, Kormanns, Lütsch oder Nüter auf der Friedrich-Engels-Allee war, jedes Lokal hatte seinen eigenen Charme und seine eigenen Spezialitäten. Die freundliche Dame mit dem süßen Hobby zeigt der WZ mehrseitige Listen mit den Namen der Barmer Kaffeehäuser, von denen nahezu keines mehr existiert.

„Es waren die Vielfalt und die Individualität, die diese Cafés ausmachten“, sagt Bärbel Busch, die in den 1950er Jahren angefangen hat, die kleinen Souvenirs – eine Art „alkoholfreie Form“ des Bierdeckel-Sammelns – zu horten und anschließend einzurahmen.

Zucker-Banderolen stecken
in einem Briefmarkenalbum

Ganz wichtig ist es, die Zuckerstückchen vor Nässe zu schützen. „Wir hatten in unserer früheren Wohnung mal einen Wasserrohrbruch. Danach konnte man den geschmolzenen Zucker nur noch aufkratzen und wegschmeißen“, erinnert sich die Sammlerin, die jedoch einige der Banderolen retten konnte und sie jetzt in einem Briefmarkenalbum aufbewahrt.

Warum haben so viele Cafés speziell in Barmen zugemacht, so wie vor wenigen Jahren das traditionsreiche Café Löwer in der Leimbach, deren Inhaber allerdings keinen Nachfolger gefunden hatten?

„Die Menschen wollen wohl nicht mehr vier Euro für ein Stück Torte ausgeben“, ist eine Erklärung. „Und sie bevorzugen bei Kuchen und Torte eher Produktionen vom Band anstelle von hausgemachten Spezialitäten des Konditormeisters. Während sie allerdings beim Kaffee jetzt zwischen den verschiedensten Sorten wählen können. Das ist etwas, worauf ich keinen Wert lege. Mir reicht eine gute Tasse Filterkaffee. Da bin ich einfach retro.“ Natürlich mit einem oder zwei kleinen Stückchen Zucker.

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