Nahverkehr: Busse lassen Fahrgäste stehen

Nahverkehr : Busse lassen Fahrgäste stehen

Den Knotenpunkt Morianstraße in Wuppertal passieren bis zu 70 Busse pro Stunde. Kommen mehrere an, schaffen nicht immer alle Gäste den Einstieg.

Zentrum. „Dienstfahrt“ steht auf zwei stehenden Bussen an der Haltestelle Morianstraße. In Wirklichkeit ist hier eher eine Dienstpause als eine Fahrt zu sehen. Die wartenden Menschen an einem von Wuppertals neuen provisorischen ÖPNV-Hauptverkehrspunkten schauen sich nervös um. Weil die Straße leicht gebogen ist, können die Fahrgäste am Anfang der Haltestelle nicht mehr richtig sehen, was hinter Bus Nr. 2 passiert.

Plötzlich ziehen Busse von hinten an der Kolonne vorbei. Auch die Linie 612, in die Wolfgang Thiel gerade einsteigen wollte. „So eine Sauerei“, ruft der gehbehinderte Senior. „Das ist mir hier schon mehrfach passiert, die Busse fahren einfach los“, sagt er. Wer gut zu Fuß ist, kann in so einer Situation frühzeitig ans Ende der extrem langen Haltespur laufen. Thiel sieht sich dazu mit seiner Krücke nicht in der Lage. „Wie sollen das ältere Frauen denn machen?“, fragt er sich.

Auch Albert Ludwig hat seinen Bus verpasst. Er schimpft: „Das funktioniert hier nicht.“ Einige Busfahrer haben die schwierige Situation erkannt und warten bis der forderste Bus abgefahren ist, um ja allen Wartenden eine Chance zu geben. Fahrer Marc Ickenstein sagt: „Ich kann ja nicht losfahren, wenn da noch ältere Leute vorne warten. Zur Not fahre ich dann eben mit acht Minuten Verspätung los.“ WSW-Kollegin Astrid Wolf widerspricht: „Wir müssen hier aus der hinteren Reihe abfahren. Das ist uns so gesagt worden.“ Allerdings, die Erfahrung habe sie gemacht, sagen das „die einen so, die anderen so“.

WSW-Kundin Elke Pawlatzyk hat aufgepasst und wartet ganz hinten. „Hier habe ich noch keinen Bus verpasst“, sagt sie. Doch schon ein paar Augenblicke später muss sie sich schon wieder umorientieren. Denn: Fahren die Busse an den vorderen Positionen weg, halten die ankommenden Linien wieder am anderen Ende.

WSW-Sprecher Holger Stephan bestätigt, dass die Busfahrer angehalten sind, von jeder Position an der Morianstraße zu starten. „Warten geht nicht. Da müssen wir die Kunden in die Pflicht nehmen, da etwas aufmerksam zu sein“, sagt er. Er rät dazu, sich richtig zu positionieren und entsprechend zu reagieren. Von pausierenden Bussen an der Haltestelle zeigt sich Stephan überrascht: „Das ist da nicht vorgesehen. Die Fahrer müssen eigentlich woanders Pause machen.“ Er selbst könne die Problematik aus eigener Betrachtung nicht nachvollziehen.

Die Umstellung insgesamt sei gut gelaufen, so Stephan. „Klar, es gibt immer Vereinzelte, die haben es nicht mitbekommen.“ Doch laut Stephan seien die allermeisten Kunden im Bilde gewesen: „Wir haben das große Kommunikationsrad gedreht. Das scheint gut gewirkt zu haben.“ Viel mehr als sonst habe das Service-Telefon der WSW in den vergangenen Tagen nicht geklingelt.

Die meisten Wuppertaler wirkten in der Tat gut informiert. Nur Hubert Glomb als Mettmanner hatte nichts von der Umstellung mitbekommen. Er suchte zunächst an der Haltestelle „Wall/Museum“ vergeblich nach seiner Linie und musste schließlich zur Morianstraße wandern. „Ich habe jetzt eine Stunde verloren. Ist mir aber egal, ich hab ja Zeit“, sagt Glomb ganz entspannt. Auch der gerade einsetzende Regen kann seine Stimmung nicht trüben, während andere Fahrgaste doch so dreinblicken, als wenn sie sich angesichts des Wetters schon sehr auf die Fertigstellung des Döppersbergs freuen. Dann gibt es nämlich wieder einen überdachten Wartebereich.

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