Es tut sich was im Luisenviertel

Die Gastronomie in Wuppertals beliebtem Szeneviertel wandelt sich. Neue Restaurants öffnen, bereits bestehende ändern ihre Konzepte.

Luisenviertel. Das Luisenviertel zählt zu den beliebtesten Ausgehzielen der Wuppertaler und für Besucher von außerhalb. Das ist nichts Neues. Doch es tut sich was in Wuppertals Szeneviertel. Die Interessengemeinschaften Friedrich-Ebert-Straße und Luisenstraße betrachten die Entwicklungen mit Freude.

Erst im April hat Abdellatif Ben Khacha ein marokkanisches Restaurant an der Luisenstraße eröffnet. „Ich bin sehr zufrieden, es läuft sehr gut“, sagt er. In Wuppertal könne er sich keinen besseren Standort vorstellen als das Luisenviertel. „Es ist wie eine kleine Straße von Paris. Es ist absolut meine Welt, mit den vielen kleinen Läden“, sagt der gebürtige Marokkaner. Er habe das traditionell marokkanische Kochen von seiner Mutter und seiner Oma beigebracht bekommen. „Ich koche ganz frisch, möglichst ohne Konservierungs- und Zusatzstoffe. Auch bei Fleisch achte ich darauf, dass es nicht aus Massenhaltung stammt und kaufe es selbst auf dem Bauernhof“, betont Ben Khacha. Außerdem sei sein Konzept komplett alkoholfrei. „Ich biete zwar Bier und Cocktails an — aber alles ohne Alkohol.“

Ein paar Meter weiter findet sich der Craft Beer Kiosk. Der ist zwar nicht ganz neu, aber die Inhaber arbeiten an einem neuen Konzept. Bisher war der Craft Beer Kiosk nämlich wirklich eine Art individueller Kiosk, der Bier vor allem von unabhängigen Brauereien anbietet und bei dem der Geschmack und die Inhaltsstoffe des Biers im Vordergrund stehen. „Jetzt haben wir ein paar bauliche Maßnahmen vorgenommen, wie Fluchtwege, Tische, Stühle und einen Tresen. Es wird ein Misch-Ding zwischen Laden und Gastronomie“, sagt Inhaber Thorsten Ulbrich. Nur die Konzession fehle noch. Ist diese erteilt, könne der Craft Beer Kiosk bald in neuem Gewand öffnen.

Dirk Schüller von der IG Luisenstraße sieht die Entwicklungen des Luisenviertels durchaus positiv. Immer wieder kommen neue Gastronomiebetriebe hinzu, so zum Beispiel die Osteria „Il Ghiotto“ am Deweerthschen Garten und Locanda-San-Lorenzo in der Untergrünewalder Straße im vergangenen Jahr. Bedauerlich sei aber die Schließung der KuhBar an der Obergrünewalder Straße. „Das ist sehr schade, die hatten sich sehr gut etabliert“, meint Schüller. Aus welchen Gründen die KuhBar geschlossen hat, weiß er nicht. „Noch wird ein Nachmieter gesucht.“

An der Friedrich-Ebert-Straße, dort, wo vorher die Wurstfabrik war, hat vor ein paar Wochen das La Terrazza eröffnet, ein italienisches Restaurant. „Das ist eine sehr schöne Bereicherung. Es zieht viele Gäste an“, hat Michael Kozinowski, erster Vorsitzender der IG Friedrich-Ebert-Straße, beobachtet. Das Konzept der ehemaligen Wurstfabrik sei nicht zu Ende gedacht gewesen. „Es war sehr speziell und dazu hochpreisig“, sagt Kozinowski.

Als weiteres Plus für den Bereich rund um das Luisenviertel sieht Kozinowski den Bäcker Myska, der erst kürzlich eine weitere Filiale an der Aue eröffnet hat. „Das ist ein super Bäcker mit einem guten Konzept. Er mahlt sein Mehl sogar selbst“, so Kozinowski.

Im Gegensatz zu den eher guten Entwicklungen in der Friedrich-Ebert-Straße, sieht Kozinowski die an der Herzogstraße ziemlich negativ. „Es gibt dort immer weniger Einzelhandel. Es ist keine so gute Entwicklung, wenn Einkaufen und Gastronomie so stark getrennt sind.“ Bald solle es dort noch mehr Gastronomie geben, „dann wird es eine sehr laute Straße, fürchte ich“.

Auch Dirk Schüller sieht den Bereich um Neumarktstraße, Herzogstraße und Kasinokreisel separat vom Luisenviertel. „Wir heben uns durch unser kulinarisches Angebot und den besonderen inhabergeführten Einzelhandel ab“, sagt er. Trotzdem funktionierten die Bereiche gut zusammen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung