Raser: Anwohner haben Angst um ihre Kinder

Raser: Anwohner haben Angst um ihre Kinder

Seit der Sanierung auf dem Brahm werde viel schneller gefahren, heißt es. Eine Gruppe hat sich gebildet und geht an die Öffentlichkeit.

Hatzfeld. Vor kurzem wurde eine Katze totgefahren, berichtet Brigitte Samperl. „Das nächste Mal ist es ein Kind.“ Damit spricht sie vielen Anwohnern aus der Straße „Auf dem Brahm“ aus der Seele. Eigentlich müsste die Sackgasse einer Tempo-30-Zone sehr ruhig sein, die vielen Zufahrten zu den Kleingartenanlagen machen die Straße aber zu einer Rennstrecke.

Bei einem Ortstermin zeigte sich, dass jedoch noch andere Dinge Sorgen bereiten. Das Problem mit den Rasern fing für die Anwohner an, als 2010 die Straße saniert wurde. Nun konnten die Autofahrer auf einer glatten Asphaltschicht fahren und aufs Gaspedal treten. Vorher befand sich die Straße in einem so schlechten Zustand, dass dort nur in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden konnte. Dies berichtete Irmgard Presia.

Die Anwohner sehen eine Brisanz in dem Thema. So gibt es etwa an der Ecke zu Wilkhausstraße eine Kindertageseinrichtung. Außerdem würden viele Kinder auf dem Spielplatz spielen, der direkt an der Straße liegt. „Die Kinder haben keine richtige Sichtmöglichkeit auf die Straße“, sagt Michaela Kröger. Sie hat das Thema angestoßen und ihre Nachbarn mit ins Boot geholt. In einem ersten Schritt haben sie an einigen Laternenmasten Holzfiguren von Kindern aufgestellt. „Wir wollen was gemacht haben, bevor etwas Schlimmes passiert“, erklärt sie.

Das Problem soll gelöst werden - ob durch ein Schild, eine zusätzliche Tafel oder vermehrte Geschwindigkeitskontrollen - das wäre ihr egal. „Die heizen hier zum Teil mit Tempo 70 lang“, ist die Beobachtung der Anwohnerin Doch wer sind die überhaupt? Da sind sich die Nachbarn von Michaela Kröger einig: „Das sind überwiegend die Kleingärtner.“ Besonders schlimm sei es am späten Abend und am Wochenende. Dann kämen alle zu ihren Parzellen, würden zu schnell fahren - und im absoluten Halteverbot direkt vor dem Spielplatz parken. „Den Autofahrern ist das ganz egal“, sagt Aneta Kozak.

Das Ehepaar Klaus-Dieter und Irmgard Nell berichtet: Zu den Verkehrssündern gehören aber auch Müllwagenfahrer oder Mitarbeiter von Autohäusern, die in der Sackgasse Probefahrten durchführen würden.

Doch auf dem Brahm sorgt man sich nicht nur um die Kinder, sondern auch um sich selber. „Ich kann manchmal kaum noch rückwärts aus der Garage fahren. Da entstehen manchmal sehr gefährliche Situationen“, erzählt Annika Traichel. Carsten Müller ergänzt: „Hinzu kommt auch noch die Lärmbelästigung. Insbesondere nachts lassen sehr viele Leute ihre Motoren laut aufheulen.“

Was sagen Stadt und Polizei zu den Darstellungen der Anwohner? Polizeisprecher Stefan Weiand: „Wir erkennen auf der Straße keinen Schwerpunkt.“ In den letzten fünf Jahren habe es lediglich zehn Unfälle gegeben, darunter aber keinen schweren. In Rahmen des Streifendienstes würde man aber die Stelle kontrollieren.

Bei der Stadt gibt es bisher nur eine einzige Beschwerde. Dem ist das Ordnungsamt nachgegangen, wie die WZ auf Anfrage erfuhr. Die Mitarbeiter konnten aber keine deutlich erhöhten Geschwindigkeitsverstöße feststellen, heißt es.

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