Flüchtlingsboot in St. Antonius: „Wir versuchen, die Distanz zum Thema zu überbrücken“

Flüchtlingsboot in St. Antonius: „Wir versuchen, die Distanz zum Thema zu überbrücken“

Die katholische Kirchengemeinde St. Antonius stellt ab Montag ein Flüchtlingsboot in ihren Räumen aus. 100 Hilfesuchende hatten sich darin auf den Weg nach Europa gemacht.

Barmen. Mit mehr als 100 anderen verzweifelten Menschen in einem kleinen Boot auf dem Weg von der Küste Afrikas nach Europa. Auf einer unsicheren Überfahrt in einfachen Holzbooten auf dem rauen Mittelmeer. Viele verloren dabei ihr Leben. Einige überlebten diese Überfahrt und hoffen jetzt auf ein besseres Leben. Die katholische Gemeinde St. Antonius in Barmen möchte mit einer Ausstellung an die Flüchtlingssituation erinnern, bei der hilflose Menschen von Schleusern gegen eine hohe Gebühr ihr Leben aus Verzweiflung und Armut aufs Spiel setzen. Um in Europa eine bessere Perspektive zu haben.

„Das Erzbistum Köln hat 2016 ein Flüchtlingsboot erworben. Dieses geht jetzt auf Reisen durch das Erzbistum und macht jetzt bei uns halt in Wuppertal“, erklärt Eduard Urssu, Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Stadtdekanat Wuppertal. Das Projekt ist vom 16. bis 22. Oktober zu Gast in Wuppertal.

Unter dem Namen „Christus sitzt im Flüchtlingsboot“ präsentiert die katholische Gemeinde St. Antonius das gut sieben Meter lange und 800 Kilogramm schwere Flüchtlingsboot. „Der Name verrät, dass die Menschen nicht alleine sind. Der Glaube sitzt mit ihnen im Boot. Zudem ist es eine christliche Aufgabe, dass wir Menschen in Not helfen“, sagt Urssu. Das Flüchtlingsboot gleicht einer Nussschale und sieht sehr heruntergekommen aus. Urssu: „Unvorstellbar, dass hier 100 Leute Platz hatten. Eigentlich passen hier maximal 40 Leute rein.“ Das Boot ist für alle Besucher in der nächsten Woche zum Anfassen da. Es besteht auch die Möglichkeit sich in das Boot hineinzusetzen und sich in die Flüchtlingssituation hineinzuversetzen. „Wir versuchen, damit die Distanz zum Thema zu überbrücken. Somit regt die Situation auch zum Nachdenken an“, sagt Eduard Urssu.

Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Montag um 19.30 Uhr von Sozialdezernent Stefan Kühn. Im Rahmenprogramm stehen noch viele weitere Punkte an. Unter anderem spricht am Dienstag Christel Neudeck, die seit knapp vier Jahrzehnten Flüchtlingshilfe betreibt, über ihr Engagement und ihr aktuelles Buch „Was man nie vergessen kann“. „Bei uns gibt es die Möglichkeit sich zu informieren und sozial zu engagieren. Wir stehen alle in der Pflicht unseren Mitmenschen zu helfen“, betont Eduard Urssu.

Des Weiteren stellen KAB und Kolping am Donnerstag ihren offenen Flüchtlingstreff vor. Dabei haben Flüchtlinge die Möglichkeit mit anderen Flüchtlingen und Wuppertalern ins Gespräch zu kommen. Urssu: „Sie können ihren Ballast abwerfen und dabei auch Deutsch lernen. Jeder ist herzlich willkommen.“

Am Samstag präsentiert dann Milton Camillo sein interkulturelles Tanz- und Begegnungsprojekt, bei dem verschiedene Körperüberbungen und Tanzvariationen erlernt werden. Die Woche schließt am Sonntag mit einer gemeinsamen Familienmesse. Viele Nationen und Religionen, so hofft Urssu, kommen in der Woche zum gemeinsamen Austausch zusammen. Eine Gebühr gibt es nicht.

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