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Prozess um Angriff im Wuppertaler Sozialdienst: Statt Begrüßung ein Messer im Bauch

Justiz : Prozess um Angriff im Sozialdienst: Statt Begrüßung ein Messer im Bauch

Im Prozess um die Attacke an der Uellendahler Straße sagte die verletzte Mitarbeiterin aus.

Schwer verletzt wurde die Mitarbeiterin (40) des Sozialdienstes der Stadt am 4. Februar: In ihrem Büro bekam sie ein Messer in den Bauch gerammt. Vor Gericht steht deswegen derzeit eine 48-Jährige. Wie sie den Angriff erlebte, schilderte die städtische Mitarbeiterin am Dienstag im Prozess vor dem Landgericht.

Dort muss sich die 48-Jährige wegen versuchten Totschlags verantworten. Laut Anklage hat sie die Sozialdienstmitarbeiterin und dann ihren Ex-Mann angegriffen, den sie beim Sozialdienst zu einem Gespräch treffen sollte. Beide Verletzten mussten notoperiert werden.

Die Zeugin schilderte vor Gericht, dass sie schon erwartet hatte, dass das Gespräch emotional werden würde. Es sollte um die begleiteten Kontakte zwischen der 48-Jährigen und ihrem Kind gehen. Mutter und Kind trafen sich alle zwei Wochen in den Räumen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF). In ihrem Büro hätten die Kollegin des SkF und der Vater des Kindes bereits gewartet, sie habe durch die Bürotür auf den Flur geblickt, die 48-Jährige in einem Cape herankommen sehen. Und ihr zur Begrüßung die Hand entgegengestreckt.

„Ich spürte, dass da
was am Bauch war“

„Dann gab es eine ziemlich ruckartige Bewegung und ich spürte, dass da was am Bauch war“, beschreibt es die Zeugin. Sie habe an sich heruntergesehen, die Besucherin angeblickt und sich dann schnell durch eine Zwischentür in ein Nachbarbüro zurückgezogen. „Ich habe das alles gar nicht realisiert“, sagte sie. Trotzdem konnte sie der Kollegin im Nachbarbüro sagen, dass die Besucherin ein Messer hat und sie die Polizei rufen soll. 

Sie habe ihren Pullover hochgezogen, die Kollegin ängstlich gefragt: „Ist da was?“ Die habe sie beruhigt, sie aufgefordert, sich hinzulegen. Und nur von einer kleinen Verletzung gesprochen. Zum Glück kamen bald Polizei und Rettungswagen.

Nebenan ging das Geschehen weiter. Ein anderer Kollege (61) berichtete, wie er durch Geräusche alarmiert ins Zimmer kam. Er habe einen Mann und eine Frau Stühle vor sich haltend einander gegenüber stehen sehen. Der Mann habe Todesangst in den Augen gehabt und gerufen „Helfen Sie mir!“ Deshalb hatte der Zeuge die Frau umfasst, so dass sie den Stuhl losließ.

Als er sie in eine Ecke drückte, spürte auch er einen Stoß in der Seite und hörte: „Vorsicht, die hat ein Messer!“ Es sei ihm gelungen, ihren Arm zu fassen und sie zu zwingen, das Messer loszulassen. Seine Verletzung war nur oberflächlich.

Er habe die Frau dazu gebracht, sich hinzusetzen. Sie habe ihn angesehen und gesagt: „Gehen Sie, Sie haben nichts damit zu tun.“ Als Polizisten kamen, habe die Frau ein weiteres Messer gehabt, sei auf die Beamten zugegangen und habe gesagt: „Erschießt mich doch!“ Ganz ruhig sei sie dabei gewesen.

Die verletzte Mitarbeiterin berichtete zudem, dass die 48-Jährige sie öfter in der Stadt angesprochen habe, etwa im Luisenviertel auf der Terrasse eines Lokals. Sie habe energisch werden müssen, um die 48-Jährige auf die offiziellen Dienstzeiten des Sozialdienstes hinzuweisen. Diese habe ihr Vorwürfe gemacht, etwa, ob sie die Entscheidungen zum Sorgerecht verantworten könne.

Die 48-Jährige hörte im Gerichtssaal den Aussagen aufmerksam zu. Mal lächelte sie spöttisch oder mal verzog sie den Mund ungläubig. Sie hat sich bisher im Prozess nicht geäußert. Nach einem vorläufigen Gutachten war sie bei der Tat schuldunfähig, das Gericht müsste dann entscheiden, ob sie dauerhaft in eine psychiatrischen Klinik muss. Das wollen ihre Anwälte verhindern.