Wuppertal: Nach Messerattacke in Sozialdienst - Täterin in psychiatrischer Klinik

Messerattacke : Messerangriff in Wuppertaler Sozialdienst - Frau ist psychisch krank

Die 47-jährige Frau, die am Montag beim Bezirkssozialdienst drei Menschen verletzt hat, ist vorläufig in eine Klinik untergebracht. Die Stadt Wuppertal berät über Konsequenzen des Vorfalls.

Die 47-Jährige, die am Montag beim Bezirksozialdienst drei Menschen mit einem Messer verletzt hat, ist vorläufig in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Das erklärte am Dienstag Staatsanwalt Hauke Pahre auf Nachfrage der WZ. Der schwer verletzten Mitarbeiterin (39) des Sozialdienstes geht es nach Angaben der Stadt nach einer Operation den Umständen entsprechend gut. Auch bei dem schwer verletzten Ex-Partner (60) der Angreiferin besteht keine Lebensgefahr, sagte Pahre.

Am Montag hatte die 47-Jährige nach Angaben der Polizei während eines Beratungsgesprächs mit ihrem Ex-Partner und einer Sozialarbeiterin ein Messer gezogen und ihren früheren Mann angegriffen. Nach Angaben der Stadt ging die Sozialarbeiterin dazwischen, erlitt einen Stich in den Bauch, ein weiterer Mitarbeiter kam mit geringfügigen Schnittverletzungen davon.

Die Polizei konnte die 47-Jährige überwältigen und festnehmen. Sie ist am Dienstag der Ermittlungsrichterin vorgeführt worden, die sie einstweilig unterbringen ließ. Denn ein Gutachter hatte eine psychische Erkrankung festgestellt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau bei der Tat zumindest vermindert schuldfähig war. Eine Mordkommission ermittelt wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung.

Bei vielen Mitarbeitern des Bezirkssozialdienstes an der Uellendahler Straße sitzt der Schock tief. Und so war es ihnen am Dienstag freigestellt, Termine für Beratungsgespräche wahrzunehmen oder abzusagen. Sozialdezernent Stefan Kühn sagte: „Wir haben allen Mitarbeitern die Gesprächsbedarf haben, psychologische Hilfe angeboten. Einige nehmen alle ihre Termine wahr, weil ihnen das vielleicht hilft, mit dem Geschehen klar zu kommen, andere sind dazu nicht in der Lage. Das kann jeder für sich entscheiden.“

Die Tat sei mit Vorsatz ausgeführt und geplant gewesen. Die Frage stelle sich nun, ob und was man dagegen machen könne. Für Mittwoch kündigt er eine Besprechung mit Experten für Arbeitssicherheit an, um den Vorfall zu analysieren und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Er räumt ein, dass die Arbeit des Sozialdienstes nicht immer konfliktfrei sei: „Die Kollegen werden zuweilen verbal angegangen. Es müssen harte Entscheidungen getroffen werden, wenn zum Beispiel über das Sorgerecht für die Kinder entschieden wird.“

Schwierige Kundschaft taucht ab und zu auch im Jobcenter auf. Ernsthafte Zwischenfälle gab es 2016 bei einer Tätlichkeit gegen einen Geschäftsstellenleiter und 2011, als ein Kunde in der Außenstelle Uellendahler Straße den Mitarbeitern drohte und zum Brandstifter wurde. „Wir haben 50 000 Kunden und täglich mehrere tausend Kundengespräche. Angesichts dieser Zahlen sprechen wir von Einzelfällen, die man niemals ganz ausschließen kann“, sagt Thomas Lenz, Geschäftsführer des Jobcenters.

Für die Mitarbeiter des Jobcenters würden regelmäßige Schulungen zum Umgang mit schwierigen Kunden und zur Deeskalation angeboten. „Wir haben im vergangenen Jahr in acht Fällen Hausverbote aussprechen müssen, weil es zu verbalen Ausfällen gegen Mitarbeiter und vereinzelt zu Sachbeschädigungen kam“, sagt Thomas Lenz. Die Flure im Jobcenter werden per Video überwacht. Diese Form der Überwachung gibt es beim Sozialdienst nicht.

Für die Stadt erklärt Stadtdirektor Johannes Slawig, dass der Schutz der Mitarbeiter immer weiter verbessert werde. So bestand zunächst die Möglichkeit, einen Alarm mit einer Tastenkombination am Computer auszulösen. Nach Hinweisen der Mitarbeiter wurde das vereinfacht. Jetzt können sie bei Gefahr einen einzelnen „Buzzer“ drücken, dann erscheint auf den Bildschirmen der benachbarten Büros der Alarm. Es gebe regelmäßige Deeskalationstrainings und Gespräche mit der Polizei. Diese werde auch stets informiert, wenn Mitarbeiter Bedrohungen erlebten.

Eingangskontrollen gebe es zum Beispiel im Rathaus und im Elberfelder Verwaltungshaus nicht. „Wir wollen ein offenes Rathaus sein“, betont Slawig.