Wuppertal: Prozess um Messerattacke im Sozialdienst

Zwei Verletzte : Prozess nach Messerattacke im Wuppertaler Sozialdienst

48-Jährige hat im Februar ihren Ex-Mann und eine Mitarbeiterin angegriffen. Beide wurden am Oberkörper schwer verletzt, mussten notfallmäßig operiert werden.

Die Tat hat damals alle erschreckt: Eine Besucherin des Bezirkssozialdienstes an der Uellendahler Straße, die zu einem Gespräch gekommen war, griff völlig unerwartet eine Sozialarbeiterin (39) und ihren Ex-Mann (60) mit einem Messer an und verletzte sie schwer.

Laut Anklage waren sie und ihr Ex-Mann an dem Vormittag des Montag, 4. Februar, zu einem Gespräch mit zwei Sozialarbeitern in den Räumen des Bezirkssozialdienstes verabredet. Doch kaum hatte die Frau das Büro betreten, soll sie ein Messer gezogen und zunächst auf eine Sozialarbeiterin (39) eingestochen haben, dann auf ihren Ex-Mann (60). Beide wurden am Oberkörper schwer verletzt, mussten notfallmäßig operiert werden. Ein weiterer Mitarbeiter wurde leicht verletzt. Mitarbeitern des Sozialdienstes gelang es, der Frau das Messer abzunehmen. Doch als die Polizei kam, soll sie ein weiteres Messer gezogen und die Beamten damit bedroht haben, bevor sie überwältigt wurde.

Als Hintergrund der Attacke wurde damals der langjährige Streit des Paares um ihr gemeinsames Kind angenommen. Ein Gutachten stellte kurz nach der Festnahme eine psychische Erkrankung der Frau fest, sie wurde damals zunächst in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Die Staatsanwaltschaft geht wegen dieser Erkrankung davon aus, dass die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit der Angeklagten zur Tatzeit erheblich vermindert war.

Sozialdezernent Stefan Kühn (SPD) hatte damals versichert, dass es im Vorfeld keine Hinweise auf eine Gewalttätigkeit der Frau gegeben habe; niemand mit so etwas gerechnet habe. Die Stadt hatte allen Mitarbeitern psychologische Unterstützung angeboten, denn die Tat hatte viele schockiert.

Der Vorfall erinnerte an andere Gewalttätige Angriffe in Behörden, von denen einige noch schlimmere Folgen hatten. So war 2012 eine Mitarbeiterin des Neusser Jobcenters von einem Besucher mit einem Messer tödlich verletzt worden. In vielen Städten waren in der Folge die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden.

Auch in Wuppertal werden Mitarbeiter geschult, um in aggressiven Situationen zu deeskalieren, hatte Personaldezernent Johannes Slawig (CDU) nach der Tat erklärt. Außerdem gebe es eine Alarmsystem über die Computer, um benachbarte Kollegen herbei zu rufen, Türen zu Nachbarbüros ständen stets offen.

Das Gericht geht von zehn Verhandlungstagen aus

Die Attacke in Wuppertal hatte allerdings in einem Gesprächsraum ohne Computer stattgefunden. Der Termin sei ein normales Gespräch und lange verabredet gewesen, sagte Kühn damals. In der Folge der Tat wollte die Stadt mit Experten prüfen, ob hinsichtlich der Sicherheit Konsequenzen gezogen werden müssen.

Für das Gerichtsverfahren gegen die 48-Jährige hat das Landgericht insgesamt zehn Verhandlungstage vorgesehen. Der Prozess beginnt am Dienstag, 1. Oktober. Das Urteil ist für Freitag, 20. Dezember, vorgesehen.

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