Wuppertal: Praxistest mit den heimischen Handwerkern

Wuppertal: Praxistest mit den heimischen Handwerkern

Mädchen und Jungen der Gesamtschule Uellendahl-Katernberg konnten Berufe ausprobieren.

Bei bis zu 130 Ausbildungsberufen im Handwerk kann die Orientierung gerade für junge Menschen schon mal schwerfallen. Insofern ist es immer gut, zu den potenziellen Nachwuchskräften zu gehen und sie vor Ort über die beruflichen Chancen im Handwerk zu informieren. Getreu diesem Motto hatte am Mittwoch die Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal unter dem Titel „Schulbank trifft Werkbank“ zu einer Handwerkerbörse eingeladen. 145 Schüler der fünf 9. Klassen erhielten dort einen Einblick in den Arbeitsalltag des heimischen Handwerks. Wert legten die Vertreter der Innungen dabei auch auf eine praktische Ausrichtung, sollten die Schüler doch gleich austesten, ob ihnen der Beruf liegt oder sie lieber anderswo eine Ausbildung beginnen sollten.

Die Schüler durften sofort mit Steinen und Mörtel arbeiten

Klassen- oder Werkräume verwandelten sich für mehrere Stunden in Ausbildungsstätten und Praxisseminare. Für das Maurerhandwerk hatte Bernhard Wiemer, Lehrlingswart der Baugewerbe-Innung, gleich ein paar handfeste Ziegel mitgebracht, die die Schülerinnen und Schüler mit ausreichend Mörtel zu einer formschönen Säule ausbauen konnten. Fabian Voss, Azubi im zweiten Lehrjahr bei Wiemer, führte den Mädchen und Jungen kurz vor, wie man den Ziegelstein mit genug Mörtel bestreicht, dann den Stein darauf setzt, mit einer Wasserwaage die Lage kontrolliert und dann für ausreichend Mörtel in allen Fugen sorgt.

Dann durften die Schüler selbst an die Kelle und einen Stein verlegen – freundlich assistiert von Fabian. „Perfekt, sieht doch gut aus“, lobte er die Anstrengungen eines Schülers. Einem anderen gab er den Rat, „besser zu viel als zu wenig“ Mörtel für die Verlegung des Ziegelsteins zu nehmen. Das Angebot zum Verbauen der Steine stieß auf Interesse bei den Schülern – allerdings überzeugte das Bauhandwerk nicht unbedingt jeden Teilnehmer. „Ich wollte das mal ausprobieren, finde den Beruf aber ansonsten nicht so interessant“, sagte der 16-jährige Mohammad. „Ein bisschen schwer“, fand auch die gleichaltrige Nadeschda die Maurerei. Für beide ist dieses Handwerk nicht ganz das richtige, wie sie erklärten. Sie wollten beide lieber Friseur werden.

Wer lieber mit flüchtigeren Stoffen wie Gas oder Wasser arbeitet, der konnte sich im Bereich der Innung Sanitär-Heizung-Klima umschauen. Dort führte der stellvertretende Obermeister Holger Dahlmann unter anderem vor, wie man Rohrleitungen richtig miteinander verpresst. Dazu durften die Schüler an einer Pressmaschine eine Kupferrohrverbindung herstellen. „Diese Verbindungen gehen nicht mehr auseinander. Die könnt ihr nur noch zerschneiden“, erklärte Dahlmann. Philipp war von dem Test mit dem Pressgerät beeindruckt. „Es ist spannend, die Technik mal so zu erleben“, sagte der Schüler der 9c. Neugierig verfolgten die Jugendlichen auch die Vorführung einer Inspektionskamera, die durch ein Abwasserrohr gefahren werden kann. Der Zustand des Rohres konnte dann auf einem Bildschirm kontrolliert werden.

Ein kleines Werkstück mitnehmen durften derweil die Schüler im Technik-Fachraum, wo die Wuppertaler Tischlerinnung über ihre Ausbildung informierte. Aus kleinen Kieferholzleisten konnten die Schüler dort Postkartenhalter herstellen. Gut mit der Arbeit mit Säge und Schleifpapier zurecht kam der 14-jährige Jakob. Wobei er – wie er einräumte – schon vorher mit Holz gearbeitet hatte. „Zu Hause habe ich schon manchmal etwas gesägt – zusammen mit meinem Vater.“ Er könne sich auf jeden Fall vorstellen, einmal so einen Beruf zu ergreifen, erzählte Jakob.

Die Handwerkskammer hatte sich in diesem Jahr zum zweiten Mal in der Gesamtschule Uellendahl-Katernberg präsentiert. Mit dem Angebot in der Schule bilde man „etwa 90 Prozent der Ausbildungsplätze in Wuppertal“ ab, sagte der Geschäftsführer für Berufsausbildung bei der Kreishandwerkerschaft, Sascha Bomann. Der Kontakt zu den Schulen sei für die Handwerksbetriebe unheimlich wichtig, denn nach wie vor gebe es – trotz einer seit einigen Jahren steigenden Zahl bei den Ausbildungsverträgen – eine Lücke bei den zu besetzenden Lehrstellen. Deshalb habe man sich gefreut, als die Gesamtschule Uellendahl-Katernberg die Anfrage an die Kreishandwerkerschaft richtete, ob sie einmal ihre Berufe vorstellen wolle.

Mittlerweile habe man auch Kontakt zu weiteren Schulen, so dass die „Handwerkerbörse“ demnächst auch dort Station machen werde.

Mehr von Westdeutsche Zeitung